MK:

Drama
دراما

Eine freie Adaption von Sam Shepard’s True West
Regie: Oussama Ghanam
Im Anschluss Nachgespräch mit dem Regisseur und dem Damascus Theater Lab Team

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„Drama“ ist eine freie Adaption von „True West“, einem Stück von Sam Shepard. Es ist der dritte und letzte Teil der Familientrilogie unter der Regie von Oussama Ghanam. Die Reihe umfasst drei Stücke, die syrische Familien in Damaskus während der letzten zehn Jahre zeigen, und zwar mittels einer Neufassung von drei Theaterklassikern, die sich mit Familienthemen im 20. Jahrhundert beschäftigen.

Das erste Stück war 2013 „Homecoming“ von Harold Pinter, in dem wir eine mutterlose Familie sahen, gefolgt von „Glass Menagerie“ im Jahr 2015 von Tennessee Williams, einem Stück über eine vaterlose Familie. In Sam Shepards „Drama“ von 2018, das auf „True West“ basiert, sind sowohl der Vater als auch die Mutter abwesend, und zwar metaphorisch als auch physisch. Erst in der letzten Szene kehrt die Mutter in ihr Haus zurück und findet ihre beiden Söhne im Streit, bevor sie wieder abreist, um Picasso in einem Museum zu treffen, denn sie allein ist davon überzeugt, dass er noch lebt.

Diese zeitgenössische Geschichte von Kain und Abel erhält in unserer freien Adaption eine moderne Bedeutung: die Industrie der TV-Dramen in Syrien ist das Äquivalent zur Unterhaltungsmaschinerie Hollywoods. Mit der Zerstörung Syriens hat das Drama paradoxerweise überlebt und produziert weiter. Die beiden Brüder ringen um eine bestimmte Zusage für einen Serienvertrag. Sie verbringen eine Nacht damit, die Rollen zu tauschen und bewegen sich zwischen Nebensächlichem und Wesentlichem. Der Serienvertrag wird zu einer Chance, der nutzlosen Zeit zu entkommen. Aber wenn es in der Geschichte von Sam Shepard um einen „Western“-Film (im Sinn des tatsächlichen Westens) geht, den wir fälschen, um ihn zu verkaufen, dann ist die syrische Serie ein problematischerer Diskurs. Der syrische Kontext zeigt, dass diese Zeit und der utopische Raum zu einem Schlachtfeld zwischen Repräsentationen, Visionen, Hoffnungen und Enttäuschungen wurden, in dem das Historische und das Individuelle, das Öffentliche und das Private miteinander verwoben sind.

In gewisser Weise schließt „True West“ Sheppards Trilogie der Familienstücke mit einer sehr düsteren Schlussmelodie ab. Unsere Version, die im heutigen Damaskus spielt, beendet die Geschichte der aussterbenden Familie, ihrer Struktur und ihrer Zeit in einem anderen Tonfall: die Stadt bleibt, doch der Kampf geht weiter. Als eine Geschichte, die eine Geschichte zerstört und aus ihren Bruchstücken eine neue Geschichte über den Traum einer rückständigen Moderne generiert, die ihre lange Mitternacht mit all ihren Teufeln und Glocken konfrontiert.

 

Über das Damascus Theater Lab
Das Damascus Theater Lab (DTL) ist eine unabhängige künstlerische Einrichtung, die 2010 gegründet wurde. Dessen Ziel ist es, ein Theater zu schaffen, das auf der kreativen und künstlerischen Erforschung der modernen Tendenzen in der Theaterproduktion, der Beziehung zwischen Dramaturgie und Schauspiel und dem aktuellen Verhältnis zwischen Theater und sozialer Realität beruht. Das Lab ist ein Raum für künstlerische und theatralische Arbeiten. Es besteht darauf, kontinuierlich Theaterproduktionen zu machen, Künstler zu ermutigen, sich selbst zu ermächtigen und durch Theateraufführungen und Theaterworkshops einen Raum der Begegnung und des Lernens zu schaffen. Zudem möchte es zu einer Theaterstruktur beitragen, die Aktivitäten auf zwei Ebenen entwickelt: erstens die Organisation von Workshops mit Theater- und Kinoprofis in Syrien, die sich an den modernen Trends des internationalen Theaters orientieren: damit sollen junge Leute motiviert werden, ihre eigenen Shows zu produzieren. Bislang wurden in Damaskus die folgenden Workshops abgeschlossen, etwa: Die Schauspieler allein auf der Bühne: Selbst-Performance und andere Formen (2020), Fragen der zeitgenössischen Schauspielerausbildung und die ästhetischen Herausforderungen des Theaters im 21. Jahrhundert (2017), Das Brecht‘sche Vermächtnis im 21. Jahrhundert (2016), Georg Büchners Woyzeck: eine theatralische Forschung über darstellende und angewandte Dramaturgie zu Büchners Theater und der Ästhetik des Expressionismus (2013).  Zweitens wurden im Rahmen professioneller Theaterproduktionen bisher folgende Stücke produziert: Drama: freie Adaption von Sam Shepards True West (Damaskus, 2018) - uraufgeführt während der Woche des Internationalen Theatertags in Tunesien, organisiert vom Nationaltheater in Tunesien 2018. Glass: freie Adaption von Tennessee Williams‘ Glass Menagerie (2016). The Homecoming: freie Adaptation von Harold Pinters Homecoming (2013). Worksite Heiner Müller (szenische Lesungen): Libanon, Holland und Belgien während der Meeting Points 6 im Jahr 2011. It Happened Tomorrow: basierend auf Texten von Kroetz, Dario Fo, Franca Rame und Ravenhill, aufgeführt im Mahmaset al Shatta Offspace (2010) - Ruhr-Theater in Deutschland (2012) - Sunflower Theatre im Libanon (2014). The Last Tape von Samuel Beckett: aufgeführt im Damascus Opera House (2009) sowie im Sunflower Theatre im Libanon (2009).

  • Mit: Ehab Shaaban, Jan Dahdouh, May Alsalim
  • Dramaturgie: Ibrahim Joumaa
  • Musik: Ary Jan Sarhan
  • Technische Produktionsleitung: Reem Mohamad
  • Regieassistenz: Dima Abaza
  • Regie: Oussama Ghanam