MK:

Campus#3: Who Cares - Können Roboter pflegen?

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 Der Fahrende Raum
 Kostenfrei
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MK: Campus ist ein Diskurs- und Aktionsraum für alle 20-30jährigen an den Münchner Kammerspielen und in der Stadt. MK: Campus#3 widmet sich dem Thema Pflege und Robotik. Ein Wochenende lang stellen sich Akteur*innen der Stadtgesellschaft, sowie Künstler*innen und Expert*innen dem Diskurs um menschliche Fragilität vs. künstliche Intelligenz aus verschiedenen Perspektiven und in diversen Konstellationen. In einem diskursiven Input sprechen wir über die Utopie geschlechtergerecht verteilter Care-Arbeit. Ein Tanzworkshop des Paper Tiger Theater Studios aus Peking lässt uns in einer Zeit der technischen Organe, die soziale Organisation unseres Körpers nachvollziehen. Politische Diskussionen mit Pflegekräften und Robotikexperten stehen neben einem Filmworkshop auf der Suche nach Deiner persönlichen Pflegeutopie mit Hilfe von KI, und einem Workshop zur Frage, ob die Kunst uns Wege aus der Pflegekrise aufzeigen kann. Wir kommen in Dialog.

Ziel ist es, egal wie unterschiedlich wir sind, uns zu verbinden, gegenseitig zu empowern und perspektivübergreifend neue Allianzen zu schmieden.

Der Fahrende Raum ist Gastgeber des MK: Campus#3. Ein hybrider Ort, der sich zwischen künstlerischer Praxis, Pädagogik und Diskurs befindet. Seinen physischen Standort in München wechselt er von Zeit zu Zeit. Von Juni bis September 2021 ist er an der Grünanlage am Karl-Marx-Ring 33 in Neuperlach zu finden.

www.fahrender-raum.de

Die Teilnahme an allen Veranstaltungen ist kostenlos.
Anmeldung unter: julia-lena.maier@kammerspiele.de

 

Programm:

Freitag, 9.7.

17:00 Uhr: Welcome und Vorstellungsrunde mit einem Input von Seija Knorr-Köning (Krankenschwester und Kandidatin für die Bundestagswahl)

Seija Knorr-Köning ist Krankenschwester, Gewerkschaftsaktivistin, Mutter und Kandidatin für die Bundestagswahl. Sie möchte lebendige Politikdebatten anregen und setzt sich für ein starkes Selbstverständnis von Pflegekräften ein.

19:00-21:00 Uhr: „EQUAL CARE. Über Fürsorge und Gesellschaft“ – ein diskursiver Input von Almut Schnerring und Sascha Verlan

Am Anfang und am Ende des Lebens sind wir darauf angewiesen, dass andere Menschen sich um uns kümmern, bedingungslos fürsorglich sind. Aber auch in den Jahren dazwischen: Wer kocht, räumt auf und putzt? Wer erzieht, betreut und pflegt? Wer hört zu und gibt Rückhalt? Wer ist bereit, die eigenen Wünsche zurückzustellen und sich hier und jetzt um andere zu kümmern? All diese Care-Aufgaben sind in unserer Gesellschaft sehr ungleich verteilt. Im professionellen Bereich sowie im Privaten.

Die Grundthese ist: Nur wenn Sorgearbeit zwischen den Geschlechtern gerecht aufgeteilt wird, haben alle Menschen gleichermaßen die Möglichkeit zur gesellschaftlichen Teilhabe, politisch und wirtschaftlich, in Kultur und Wissenschaft, beruflich und privat, auf allen Ebenen und Hierarchiestufen. Ausgehend von den Fragen »Was ist Care?«, »Was ist Arbeit?« und »Wie privat ist Fürsorge eigentlich?« diskutieren die beiden Autor*innen mit dem Publikum warum sich aller Erfolge der Gleichstellungsbewegung zum Trotz im Sorgebereich so wenig verändert hat.

Almut Schnerring und Sascha Verlan leben mit ihren drei Kindern in Bonn und arbeiten als Journalist*innen- und Autor*innen-Team. Sie beschäftigen sich mit den Themenbereichen Geschlechtergerechtigkeit, AntiBias, Rollenstereotype und Zugehörigkeit, mit Sprache, Kommunikation und Rhetorik. Ihre Ideen teilen sie in Büchern, Artikeln und Radiosendungen, in Vorträgen, Workshops und auf Podien. Sie organisieren Veranstaltungen, darunter Preisverleihungen (goldener-zaunpfahl.de) und Aktionstage (equalcareday.de).

 

Samstag, 10.7.

11:00-18:00 Uhr: „Träumt mein Körper von Roboterhänden?“
Ein Workshop von Gisela Carbajal Rodríguez und Felix Klee

Wie werden wir altern? Und was wünschen wir uns für unsere gealterten Körper? Welche Art von Pflege könnt ihr euch für euch selbst vorstellen, wenn ihr nicht mehr pflegt sondern gepflegt werdet? Was müsste bis dahin passieren? Wir wollen mit euch persönliche Zukunftsvisionen von Körpern und pflegenden (Roboter-)Händen entwerfen.
Außerdem werden wir einen Versuch machen: Wie spinnt eine künstliche Intelligenz eure Visionen weiter?
Im Workshop nähern wir uns filmisch eurer Pflegeutopie. Vorkenntnisse braucht ihr keine. Wir unterstützen euch bei allem.

Gisela Carbajal Rodríguez wurde 1987 in Aguascalientes in Mexiko geboren. Sie studierte Audiovisuelle Künste an der Universidad de la Concordia. Seit 2010 lebt sie in Bayern und studiert seit 2012 studiert Regie für Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik an der Hochschule für Fernsehen und Film München. 2019 erhielt sie den Sonderpreis des Medienkunststipendiums der Kirch Stiftung und HFF München. Sie ist Mitgründerin des Aktionsbündnis #wirwarenimmerda. Die Initiative fordert gleichberechtigte Teilhabe von BIPoC, trans* Personen, non-binären Filme-macher*innen sowie Filmemacher*innen mit körperlicher Beeinträchtigung vor und hinter der Kamera.

Felix Klee wurde 1990 in Passau geboren. Er studiert seit 2015 Regie für Dokumentarfilm an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Er ist Absolvent der Akademie der Bildenden Künste München, wo er zeitbasierte Medien bei Prof. Julian Rosefeldt und Malerei bei Prof. Pia Fries studierte. Er studierte Malerei bei Prof. Thomas Hartmann an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg und war Gaststudent an der Universidad de las Artes Aguascalientes Mexico. Felix bewegt sich an der Schnittstelle von Dokumentarischem und Medienkunst und arbeitet dabei mit 3D Animationen, Simulationen, und Video-Spielen.

17:00-19:00 Uhr: Unsichtbar

Slow reading group zum Thema „care“ mit Florian Fischer

„Care“ ist ein Element, das Gesellschaft strukturiert und organisiert. Wir hören Ausschnitte des Hörstücks „Unsichtbar“ im Schatten und erhalten Einblick in die Arbeitsweise von Florian Fischer, der Theorie und neue Erzählformen und -narrative verbindet. In einer slow reading seccion lesen wir gemeinsam Theorie über „care“ (auf Englisch) und diskutieren das Gelesene, in a cute, safe way, no fear! Nichts muss vorbereitet werden.

Florian Fischer ist Theaterregisseur, Autor und Kurator. Gemeinsam mit Ludwig Berger hat er das Hörstück „Unsichtbar“ – über 24-Stunden-Pflege konzipiert, das derzeit im Habibi Kiosk der Münchner Kammerspiele läuft.

20:00 Uhr:Who Cares? Können Roboter pflegen?“ Werkraum Münchner Kammerspiele

Im Anschluss: Nachgespräch mit Seija Knorr-Köning (Krankenschwester und Kandidatin für die Bundestagswahl), Juan Valdés-Stauber (Humanmediziner und Philosoph), Alexander König (Gründer der Reactive Robotics GmbH, einem Münchner Medizintechnik-Startup-Unternehmen), Moderation: Martin Valdés-Stauber (Dramaturg, Münchner Kammerspiele)

Seija Knorr-Köning ist Krankenschwester, Gewerkschaftsaktivistin, Mutter und Kandidatin für die Bundestagswahl. Sie möchte lebendige Politikdebatten anregen und setzt sich für ein starkes Selbstverständnis von Pflegekräften ein.

Juan Valdés-Stauber ist Humanmediziner und Philosoph. Er leitet die Klinik für Psychosomatik, Neurologie und Psychiatrie Weissenau als Ärztlicher Direktor und leitet dort die Arbeitsgruppe Psychosomatische Versorgungsforschung.

Alexander König ist Gründer der Reactive Robotics GmbH, einem Münchner Medizintechnik-Startup-Unternehmen. Er trat als Experte für die Enquete-Kommission „Künstliche Intelligenz“ des Deutschen Bundestages auf.

 

Sonntag, 11.7.

12:00-15:00 Uhr: „Kunst in der Pflege? Wie die Kunst Wege aus der Pflegekrise aufzeigen kann

Die Pflege braucht (d)eine Stimme! Ricarda Maurizio ist Kinderkrankenschwester, angehende Kunstpädagogin und Aktivistin. In ihrem Workshop stellt sie unterschiedliche künstlerische Ansätze vor, um die Aufmerksamkeit auf ein viel zu lang vernachlässigtes Thema zu lenken.

Ricarda Maurizio (geboren 1979) ist Kinderkrankenschwester aus München. Bevor sie in der Frauenklinik Taxisstrasse begann, arbeitete sie zehn Jahre lang im Haunerschen Kinderspital. Sie studiert Kunstpädagogik an der Akademie der Bildenden Künste München in der Klasse von Prof. Stephan Dillemuth und Cana Bilir-Meier.

16:00-19:00 Uhr: „Anyhow, All About the Fragility of the Body”
Tanzworkshop von und mit WANG, Yanan und LIU, Chao (Paper Tiger Theater Studio, Peking), Keine Vorkenntnisse erforderlich. Workshopsprache: Englisch

Wenn wir annehmen, dass der Körper zerbrechlich ist, setzen wir voraus, dass der Körper einmal stark war. Realitäten verschiedener Körper werden auf ein Bild des fitten Körpers reduziert, während der imaginierte organische Körper wiederum Realitäten formatiert.

Unser Körper als physiologisches Organ war einmal der Sitz des Überlebens. In einer Zeit der Digitalisierung und künstlichen Intelligenz besetzen, ersetzen und produzieren technische Organe mit sozialen Organisationen unsere Körper. Was ist das für ein Prozess, in dem das Wissen über den Körper gegen eine Gesellschaft der Versorgung getauscht wird? Die marxistische Antwort lautet: Proletarisierung. Der Soziologe MIURA Atsushi beschreibt die Phänomenographie einer Gesellschaft des unteren Stroms. Da ich mich in den Dienst der Technologie stelle, bin ich mit dem Aufzug der Prekarität gesegnet? Werde ich der Erfahrungen beraubt, die mich ausmachen?

Die Kraft und die Versuchung, krank zu werden, sind ein wesentliches Merkmal der menschlichen Physiologie. (Canguilhem) Der Körper reagiert, direkt und instinktiv. Als es noch kein Werkzeug gab, das der eigenen Absicht diente, gab es die Technik. Die Technik ist kein Organ, sondern die Art und Weise, wie man auf eine Situation im Moment reagiert.

20:00 Uhr: Who Cares - Können Roboter pflegen?
Werkraum, Text & Recherche von Gesine Schmidt, Regie: Christoph Frick

Im Anschluss Nachgespräch mit Christoph Frick (Regisseur, „Who Cares - können Roboter pflegen?“) und den Schauspieler*innen des Stücks Johanna Eiworth, Nancy Mensah-Offei, Erwin Aljukić, Christian Löber und Martin Weigel
Moderation: Martin Valdés-Stauber (Dramaturg „Who Cares - können Roboter pflegen?“)

In Kooperation mit