Kammer 1
12. Mär 15:00 Uhr

NŌ THEATER

von Toshiki Okada

Inszenierung: Toshiki Okada

Schauspiel

„Unfinished Business“ könnte das erste vollständig außerhalb Asiens entstehende Stück des japanischen Autors und Regisseurs Toshiki Okada auch heißen. Denn die Geister, die in den klassischen Stücken der traditionellen japanischen Theaterform Nō die Protagonisten sind, mussten sterbend ihre Körper verlassen, bevor sie hier auf Erden ihre Angelegenheiten in Ordnung bringen konnten. Sie können nicht zur Ruhe kommen und verbleiben so unerlöst an der Schwelle zwischen Diesseits und Jenseits. Das Nō Theater ebnet ihnen den Weg, es ist, so könnte man sagen, ein Drama des Übergangs. Und kein Ort im Japan des 21. Jahrhundert, dem Schauplatz aller Stücke Toshiki Okadas, steht so sinnbildlich für den Übergang wie die Tokioter U-Bahn. Hier treffen sich Menschen aus unterschiedlichsten sozialen Kontexten, schlafen Seite an Seite, sind trunken und sondern Körpergerüche ab. Auf dem Weg zur Arbeit, auf dem Weg nach Hause, auf dem Weg zum Shoppen oder auf dem Weg in die Kneipe: die U-Bahn befördert die unterschiedlichsten Geschichten durch die Stadt und in der Realität bleiben sie unausgesprochen. Das „Nō Theater“ befördert sie zu Tage. Toshiki Okadas zweite Arbeit an den Münchner Kammerspielen ist (frei) nach den überlieferten Regeln des Nō Theater eine kathartische Beschwörung der Geister der Gegenwart.

In der deutschen Übersetzung von Andreas Regelsberger.


Teil von SHOWCASE KAMMERSPIELE // 8 Vorstellungen an 3 Tagen / 10. – 12. März