Produktionen

Den Spielplan finden Sie hier: muenchner-kammerspiele.de/kalender

Januar bis März 2021

Effingersnach dem Roman von Gabriele Tergit
Regie: Jan Bosse

1933 musste die Gerichtsreporterin und Autorin Tergit aus Deutschland fliehen. Ihr großer Familienroman beobachtet präzise den vitalen Aufstieg sowie den schleichenden Untergang einer bürgerlichen Welt zwischen 1870 und 1939. Man durchlebt den Abgesang des Kaiserreiches, den Ersten Weltkrieg, die Spanische Grippe, die Ausrufung der Republik, die Machtergreifung der Nazis aus den Wohnzimmern zweier jüdischer Kaufmannsfamilien. Der Absturz in den Faschismus geschieht zunächst unbemerkt, völlig unterschätzt, aber umso vollständiger ist die Vernichtung.

Regie: Jan Bosse
Bühne: Stéphane Laimé
Video-Desing: Ruth Stofer
Kostüme: Kathrin Plath
Musik: Arno Kraehahn
Dramaturgie: Viola Hasselberg

Jan Bosse geboren 1969 in Stuttgart, studierte zuerst Theaterwissenschaft, Germanistik und Kunstgeschichte an der Universität Erlangen, dann Schauspielregie an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin. Sein Debüt als Regisseur war die Uraufführung von Marius von Mayenburgs „Feuergesicht“ 1998 an den Münchner Kammerspielen. Von 2000 bis 2005 war Jan Bosse Hausregisseur am Deutschen Schauspielhaus Hamburg. Er arbeitet regelmäßig am Schauspielhaus Zürich, am Deutschen Theater Berlin, am Thalia Theater in Hamburg, am Schauspiel Köln, am Wiener Burgtheater sowie am Schauspiel Frankfurt.

JeepsKomödie in 3 Akten
Text & Regie: Nora Abdel-Maksoud

In Deutschland werden bis zu 400 Milliarden Euro im Jahr vererbt. Was wäre, wenn dieses Geld radikal umverteilt würde? Der neue Text von Nora Abdel-Maksoud katapultiert vier Figuren in das Szenario einer Erbrechtsreform –  und damit mitten in einen leidenschaftlichen Schlagabtausch zwischen proklamierter Leistungsgerechtigkeit und tatsächlicher Ungleichheit, altruistischen Prinzipien und seit Geburt liebgewonnenen finanziellen Sicherheiten. Auch die Reform ist alles andere als gerecht: Sie bedroht Karrieren, den Distinktionswert hart ersparter Statussymbole und den gewohnten Alltag in der verantwortlichen Behörde. Hier begegnet man der neuesten Volte der Sozialpolitik mit allen Registern der Verwaltung. Mit satirischer Zuspitzung und Präzision seziert Abdel-Maksoud die Bedingungen einer Gesellschaft, in der das individuelle Erbprinzip Lebensentwürfe und soziale Realitäten bestimmt.

Mit: Eva Bay, Gro Swantje Kohlhoff, Stefan Merki, Vincent Redetzki
Text und Regie: Nora Abdel-Maksoud
Bühne und Kostüme: Katharina Faltner
Musik: Enik
Dramaturgie: Olivia Ebert, Nora Haakh

Nora Abdel-Maksoud wurde in München geboren. Sie studierte Schauspiel, schreibt und inszeniert seit 2012 eigene Theatertexte – Komödien, die unter anderem Klassenverhältnisse in den Blick nehmen. Dabei bleiben Schreiben und Spielen eng verknüpft: Noch vor der Textarbeit steht eine erste Arbeit mit den Spieler*innen. 2017 wurde sie als „Nachwuchs- Regisseurin des Jahres“ (Theater heute) und mit dem Kurt-Hübner-Preis für Regie ausgezeichnet. „Café Populaire“ wurde 2019 zum Schweizer Theatertreffen, zu den Autorentheatertagen Berlin und – als drittes Stück nach „Kings“ und „Making Of“ – zum Festival radikal jung eingeladen. Für den Theatertext erhielt die Autorin 2019 den Hermann-Suderman-Preis.

April bis Juni 2021

Who Cares?Text & Recherche von Gesine Schmidt
Regie: Christoph Frick

Gesine Schmidt interviewte für die Münchner Kammerspiele Technikanbieter, Pflegewissenschaftler*innen und Pflegekräfte in Deutschland. Was verraten die technischen Visionen über unser Menschenbild, was sind Dilemmata im sogenannten Pflegenotstand? Was erhoffen wir uns von den Heilsversprechen der Robotik? Je mehr Lösungen diskutiert werden, desto offensichtlicher wird die gesellschaftliche Wunde: Der Pflegenotstand verweist auf unsere existentielle menschliche Fragilität, auf die wir keine Antwort im System finden.

Regie: Christoph Frick
Dramaturgie: Rania Mlehi

Christoph Frick, geboren 1960, ist Leiter und Mitbegründer der Schweizer freien Gruppe KLARA, mit der er eigene Stücke und viele Koproduktionen zwischen Performance, Konzert, Tanztheater, und dokumentarischem Theater erarbeitet. Zuletzt entstand aufgrund einer Recherche in einem Bolivianischen Gefängnis die Performance “Palmasola” mit bolivianischen und deutschen Schauspielerinnen, eingeladen zum Schweizer Theatertreffen 2020. Christoph Frick interessiert sich für eine körperliche und prozessorientierte Arbeit mit Schauspielerinnen und arbeit seit zwanzig Jahren intensiv mit verschiedenen Ensembles an deutschsprachigen Stadt- und Staatstheatern wie Freiburg, Hannover, Bochum, Dresden, Mainz und Darmstadt zusammen. Er verbindet sich immer wieder mit Autor*innen für besondere Stückentwicklungen, aktuell mit Lothar Kittstein für eine Stadtoper.

Bayerische SuffragettenEine Stückentwicklung zur Geschichte der Münchner Frauenbewegung
von Jessica Glause
Regie: Jessica Glause

München war vor 120 Jahren eine absolute Hochburg der Frauenbewegung, viele Künstlerinnen standen an ihrer Spitze, darunter auch ein Mann. Eine Stückentwicklung mit Schauspielerinnen und einem Stadtensemble erweckt die vergessenen Aktivistinnen wieder zum Leben, ihr Fotoatelier „Elvira“, den „Verein für Fraueninteressen“ und den ersten bayerischen Frauentag 1899. Aus historischem, biografischem und fiktionalisiertem Material entsteht eine Narration der Münchner Frauenbewegung als Gegenerzählung.

Regie: Jessica Glause
Bühne: Jil Bertermann
Kostüm: Aleksandra Pavlović
Musik: Eva Jantschitsch

Jessica Glause arbeitet als Regisseurin im deutschsprachigen Raum. Ihr Schwerpunkt liegt auf recherchebasierten Stückentwicklungen und zeitgenössischer Dramatik. Glauses Inszenierungen wurden zahlreich zu Festivals eingeladen und mit Preisen ausgezeichnet. Große Aufmerksamkeit erhielten ihre Musiktheaterproduktionen über Migration und Inklusion an der Bayerischen Staatsoper. 2018 verlieh ihr die Stadt München den Förderpreis Theater. Zurzeit inszeniert sie am Schauspiel Frankfurt, am Theater Freiburg, den Münchner Kammerspielen und am Volkstheater München.

FädenDoppelpass-Kooperation der Münchner Kammerspiele mit dem Dance On Ensemble
Choreografische Stückentwicklung für Tänzer*innen und Schauspieler*innen
von Ivana Müller

Wie altern wir? Mit 20, 50 oder mit 70? Von innen und von außen, alleine oder in Gemeinschaft? Wie definiert uns der permanente Prozess des Älterwerdens als Menschen und wie gibt er uns die Möglichkeit, das Leben zu erfahren? Gemeinsam mit dem Dance On Ensemble, einer internationalen Kompanie für Tänzerinnen über 40 Jahren, und mit Schauspielerinnen der Münchner Kammerspiele entwickelt die international arbeitende Autorin und Choreografin Ivana Müller ein Geflecht aus Bewegungen, Geschichten und Bildern, das den unausweichlichen Prozess der vergehenden Zeit reflektiert.

Konzept, Text & Choreografie: Ivana Müller in Zusammenarbeit mit Spielerinnen des Ensembles und Tänzerinnen des Dance On Ensemble
Künstlerische Mitarbeit und Dramaturgie: Jonas Rutgeerts
Dramaturgie: Olivia Ebert

Ivana Müller ist Choreografin, Künstlerin und Autorin. Ihre Performances, Installationen, textbasierten Arbeiten, Video-Lectures und Audio-Stücke waren in den letzten 15 Jahren bei einigen der bedeutendsten Theater, Festivals und Kunstbiennalen in Europa, den USA und Asien zu Gast, u.a. auch auf der Kunstbiennale in Venedig 2015. Wiederkehrende Themen in Ivana Müllers Arbeiten sind der Körper und seine Repräsentation, Orte des Imaginären und der Imagination, die Auffassung von Autorenschaft, das System der „Gruppe“ sowie die Beziehung zwischen Performerin und Zuschauerin.

Works in SilenceChoreografien von Lucinda Childs
Neueinstudierung mit Tänzer*innen des Dance On Ensemble: Ty Boomershine

Die Works in Silence, hier teilweise das erste Mal seit 50 Jahren zu sehen, bieten Einblick in das experimentelle Werk einer der wichtigsten Vertreterinnen des Postmodern Dance. Der Tanz steht für sich, ganz pur, ohne Musik und basiert auf der permanent variierten Bewegung des Gehens, das für Childs Grundlage allen Tanzes ist. Gerade durch diese Reduktion eröffnen die Stücke einen ganz eigenen Blick auf die Körper und das Körperwissen der Tänzer*innen, die in der Neuinterpretation des Dance On Ensemble in etwa das Alter der getanzten Choreografien teilen.

Choreografie: Lucinda Childs
Neueinstudierung: Ty Boomershine
Tanz: Ty Boomershine, Anna Herrmann, Emma Lewis, Gesine Moog, Omagbitse Omagbemi, Lia Witjes-Poole

Beide Projekte entstehen im Rahmen von SCORES OF CHANGE. Ein Doppelpass-Projekt von Dance On / Diehl+Ritter, Münchner Kammerspiele und STUK House for Dance, Image and Sound. Gefördert im Fonds Doppelpass der Kulturstiftung des Bundes.

Sonderveranstaltungen und Reihen

OFS-Produktionen

„Türken, Feuer“ von Özlem Özgül DündarProjekt 3. Jahrgang Regie von Ayşe Güvendiren

Solingen 1993. Ein rassistischer Anschlag, einer von dutzenden “Einzelfällen”.
Ein Haus steht in Flammen. Fünf Menschen sterben. Mütter – Überlebende, Ermordete und die eines Täters – versuchen in Türken, Feuer eine (gemeinsame) Sprache für die Umstände dieser Brandnacht zu finden. Ein kaleidoskopisches Gedankenspiel.

Mit: Aydın Aydın, Marie Domnig, Cansu Yildiz

Inszenierung: Ayşe Güvendiren
Ausstattung: Theresa Scheitzenhammer
Dramaturgie: Marie-Sophie Ernst
Licht: Maxi Blässing
Ton: Paul Friedrich Günther

In Planung, Koproduktionen, Gastspiele, Wiederaufnahmen

In Planung

Inszenierungen von

Anne Habermehl
Ingrid Lausund
Mariano Pensotti
Gerhard Polt & den Well-Brüdern

Koproduktionen mit

Serge Aimé Coulibaly
Anna Konjetzky
Mariano Pensotti / Grupo Marea
Monster Truck
Marie Schleef
Julian Warner
Oliver Zahn

Gastspiele von

Saša Asentić & Per.Art
KLARA Theaterproduktionen
Yasmeen Godder
Natasha A. Kelly
3000THEATER
Meine Damen und Herren
Theater HORA
Teatr 21
Lucy Wilke und Paweł Duduś

Wiederaufnahmen

aus den vergangenen Spielzeiten sind in Planung.


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