Produktionen

Den Spielplan finden Sie hier: muenchner-kammerspiele.de/kalender

Oktober bis Dezember 2020

Gespenster – Erika, Klaus und der Zauberervon RAUM+ZEIT
Text: Lothar Kittstein
Regie: Bernhard Mikeska

1969 – der „summer of love“, der letzte Sommer der Schauspielerin, Kabarettistin und Autorin Erika Mann. Sommer 1911 – Thomas Mann schreibt die Novelle „Der Tod in Venedig“. 1930 – an den Münchner Kammerspielen wird „Geschwister“ von Klaus Mann uraufgeführt: zwei Geschwister, die sich lieben, die zusammen sterben wollen. 1949 – Klaus nimmt sich in Cannes das Leben. Erika fährt nicht zur Beerdigung ihres Bruders, sondern setzt als Privatsekretärin ihres Vaters die Vortragsreise mit ihm fort. Sommer 1969 – Luchino Visconti beginnt mit den Dreharbeiten von „Tod in Venedig“. Und Erika stirbt im Kilchberger Elternhaus am Zürichsee.

„Gespenster“ verdichtet diese Ereignisse aus Erikas Perspektive. Eine Frau im Schatten des Über-Vaters, im Schatten des todessehnsüchtigen Bruders. Eine Reflexion über Begehrlichkeiten, Mechanismen der Schuld und Sehnsucht nach Befreiung.

Mit: Bernardo Arias Porras, Katharina Bach, Svetlana Belesova, Jochen Noch

Regie: Bernhard Mikeska
Text: Lothar Kittstein
Künstlerische Mitarbeit: Juliane Hendes
Bühne: Steffi Wurster
Kostüme: Almut Eppinger
Sounddesign und Musik: Knut Jensen
Lichtdesign: Charlotte Marr
Dramaturgie: Mehdi Moradpour

RAUM+ZEIT sind die Dramaturgin Juliane Hendes, Autor Lothar Kittstein, Regisseur Bernhard Mikeska und Bühnenbildnerin Steffi Wurster. In unterschiedlichen Konstellationen arbeiten sie seit 2009 zusammen. Die Inszenierungen des Künstlerkollektivs suchen nach der beunruhigenden Gleichzeitigkeit von Erinnerung und Gegenwart. Dabei bricht RAUM+ZEIT mit herkömmlichen Rezeptionsweisen. Statt geradlinige Geschichten zu erzählen, spielen die Theaterentwürfe des Kollektivs mit der Logik eines konsistenten Raum-Zeit-Kontinuums und der inneren Welt der Wahrnehmung.

Effingersnach dem Roman von Gabriele Tergit
Regie: Jan Bosse

1933 musste die Gerichtsreporterin und Autorin Tergit aus Deutschland fliehen. Ihr großer Familienroman beobachtet präzise den vitalen Aufstieg sowie den schleichenden Untergang einer bürgerlichen Welt zwischen 1870 und 1939. Man durchlebt den Abgesang des Kaiserreiches, den Ersten Weltkrieg, die Spanische Grippe, die Ausrufung der Republik, die Machtergreifung der Nazis aus den Wohnzimmern zweier jüdischer Kaufmannsfamilien. Der Absturz in den Faschismus geschieht zunächst unbemerkt, völlig unterschätzt, aber umso vollständiger ist die Vernichtung.

Regie: Jan Bosse
Bühne: Stéphane Laimé
Video-Desing: Ruth Stofer
Kostüme: Kathrin Plath
Musik: Arno Kraehahn
Dramaturgie: Viola Hasselberg

Jan Bosse geboren 1969 in Stuttgart, studierte zuerst Theaterwissenschaft, Germanistik und Kunstgeschichte an der Universität Erlangen, dann Schauspielregie an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin. Sein Debüt als Regisseur war die Uraufführung von Marius von Mayenburgs „Feuergesicht“ 1998 an den Münchner Kammerspielen. Von 2000 bis 2005 war Jan Bosse Hausregisseur am Deutschen Schauspielhaus Hamburg. Er arbeitet regelmäßig am Schauspielhaus Zürich, am Deutschen Theater Berlin, am Thalia Theater in Hamburg, am Schauspiel Köln, am Wiener Burgtheater sowie am Schauspiel Frankfurt.

JeepsVaudeville in 3 Akten von Nora Abdel-Maksoud
Text & Regie: Nora Abdel-Maksoud

Ob es in den entscheidenden Situationen des Lebens hilft, im eigenen Geländewagen zu sitzen und an die Immobilien und das Bankkonto der Eltern und Großeltern zu denken? Mit ihrem neuen Text „Jeeps“ setzt die Autorin und Regisseurin Nora Abdel-Maksoud an einem tiefen sozialen Sicherheitsbedürfnis an. Sie verhandelt die strukturellen Bedingungen einer Gesellschaft, in der Klassenunterschiede gleichzeitig wirken und negiert werden. Mit satirischer Zuspitzung und Präzision seziert Abdel-Maksoud unser Denken und Handeln auf Basis von Kontoständen, Testamentseröffnungen und gefühlten Bedrohungen.

Text & Regie: Nora Abdel-Maksoud
Kostüm und Bühne: Katharina Faltner
Musik: Enik
Dramaturgie: Olivia Ebert

Nora Abdel-Maksoud wurde in München geboren. Sie studierte Schauspiel, schreibt und inszeniert seit 2012 eigene Theatertexte – Komödien, die unter anderem Klassenverhältnisse in den Blick nehmen. Dabei bleiben Schreiben und Spielen eng verknüpft: Noch vor der Textarbeit steht eine erste Arbeit mit den Spieler*innen. 2017 wurde sie als „Nachwuchs- Regisseurin des Jahres“ (Theater heute) und mit dem Kurt-Hübner-Preis für Regie ausgezeichnet. „Café Populaire“ wurde 2019 zum Schweizer Theatertreffen, zu den Autorentheatertagen Berlin und – als drittes Stück nach „Kings“ und „Making Of“ – zum Festival radikal jung eingeladen. Für den Theatertext erhielt die Autorin 2019 den Hermann-Suderman-Preis.

Januar bis März 2021

„Wir Schwarzen müssen zusammenhalten!“ – Eine Erwiderung (AT)Ein Reiseprojekt durch sich überschneidende Territorien
Regie: Jan-Christoph Gockel

Am Anfang der Stückentwicklung steht die Konfrontation mit einem ungeheuerlichen Zitat von Franz Josef Strauß. Ein schiefes Bild, das einen Zusammenhalt zwischen dem schwarz-konservativ regierten Bayern und der früheren deutschen Kolonie Togo entwirft. Ein Zitat als Symptom verdrängter kolonialer Schuld. Eine Aussage, die Machtverhältnisse überdeckt. Und einer Erwiderung bedarf. (Wie) lässt sich von hier aus noch von Begegnung, von Zusammenhalt sprechen? Ein Team mit internationaler Geschichte und biografischen Verbindungen nach Togo und Bayern spürt den kolonialen (Dis-)Kontinuitäten an beiden Orten nach.

Von und mit: Nancy Mensah-Offei, Michael Pietsch, Komi Togbonou, Martin Weigel

Regie: Jan-Christoph Gockel
Bühne & Kostüme: Julia Kurzweg
Video & Dokumentation: Eike Zuleeg
Puppenbau: Michael Pietsch
Dramaturgie: Olivia Ebert, Tobias Schuster

Flüstern in stehenden Zügenvon Clemens J. Setz
Regie: Visar Morina

C ist allein. Einziger Kontakt zur Außenwelt: das Telefon. Aber wen anrufen, wenn man niemanden hat. Was könnte es da Aufbauenderes geben als ein Telefonat mit einer Kundenhotline? Oder endlich den Spieß umdrehen und die Absender all der nervigen Spam-Mails zur Rede stellen! Clemens Setz, ein Meister des Skurrilen, des rätselhaften magischen Realismus, erforscht nun eine kuriose Seite der Globalisierung. Der Filmregisseur Visar Morina stellt sich erstmals im Theater vor und zeichnet ein ebenso tief trauriges wie humorvolles Porträt eines Menschen in der Isolation.

Mit: Bekim Latifi

Regie: Visar Morina
Bühne & Kostüme: Aleksandra Pavlović
Dramaturgie: Tobias Schuster

Visar Morina, 1979 in Pristina geboren, begleitete verschiedene Theaterprojekte als Regieassistent, u. A. an der Volksbühne Berlin, bevor er an der Kunsthochschule für Medien in Köln Filmregie studierte. Sein Film-Debüt BABAI wurde mit drei der vier Förderpreise (Regie, Drehbuch, Schauspiel) auf dem Filmfest München 2015 ausgezeichnet. Es folgten weitere internationale Preise. Sein zweiter Film EXIL, für dessen Drehbuch er den Deutschen Drehbuchpreis gewann, wurde 2020 auf dem Sundance Festival und der Berlinale gezeigt.

Heldenplatznach Thomas Bernhard
Regie: Falk Richter

Wann ist der Zeitpunkt gekommen, sich in Sicherheit zu bringen und das Land zu verlassen? Thomas Bernhards letztes und skandalträchtigstes Theaterstück ist ein wütender, verzweifelter Text über den untoten Ungeist des Faschismus. Ein Werk von gespenstischer Virulenz in Zeiten, in denen in Europa Rechtsterrorismus, Antisemitismus und Ausgrenzung von Minderheiten wieder beängstigende Konjunktur haben. Falk Richter gleicht seine Gegenwartsanalyse mit Bernhards modernem Klassiker ab und fragt nach den Gefährdeten und ihrer Situation heute.

Regie: Falk Richter
Bühne: Wolfgang Menardi
Kostüme: Amit Epstein
Musik: Matthias Grübel
Dramaturgie: Tobias Schuster

Der Sprung vom ElfenbeinturmEin Abend gegen Deine spießbürgerlichen Phantasien, Deine Lebenslügen und Deine Kompromisse
Nach Texten von Gisela Elsner in einer Fassung von Pınar Karabulut und Mehdi Moradpour
Regie: Pınar Karabulut

In Gisela Elsners Werken spielen Schrauben und Sexspielzeuge genauso eine Rolle wie groteske Essrituale, Wölfe oder Bomben liebende Kinder. Mit sezierenden Blicken erkundet die Satirikerin Untiefen der Nachkriegszeit, die auch unsere Gegenwart prägen: maßloses Wachstum, autoritäre Tendenzen, Geschichtsverdrängung und Ungleichheit. Regisseurin Pınar Karabulut, die auf feinfühliges und kritisch-innovatives Theater setzt, inszeniert Texte einer Autorin, die sich nach dem Scheitern des Kommunismus 1992 in München in den Freitod stürzte.

Regie: Pınar Karabulut
Bühne: Bettina Pommer
Kostüme: Aleksandra Pavlović
Musik: Daniel Murena
Dramaturgie: Mehdi Moradpour

April bis Juni 2021

Who Cares?Text & Recherche von Gesine Schmidt
Regie: Christoph Frick

Gesine Schmidt interviewte für die Münchner Kammerspiele Technikanbieter, Pflegewissenschaftler*innen und Pflegekräfte in Deutschland. Was verraten die technischen Visionen über unser Menschenbild, was sind Dilemmata im sogenannten Pflegenotstand? Was erhoffen wir uns von den Heilsversprechen der Robotik? Je mehr Lösungen diskutiert werden, desto offensichtlicher wird die gesellschaftliche Wunde: Der Pflegenotstand verweist auf unsere existentielle menschliche Fragilität, auf die wir keine Antwort im System finden.

Regie: Christoph Frick
Dramaturgie: Rania Mlehi

Christoph Frick, geboren 1960, ist Leiter und Mitbegründer der Schweizer freien Gruppe KLARA, mit der er eigene Stücke und viele Koproduktionen zwischen Performance, Konzert, Tanztheater, und dokumentarischem Theater erarbeitet. Zuletzt entstand aufgrund einer Recherche in einem Bolivianischen Gefängnis die Performance “Palmasola” mit bolivianischen und deutschen Schauspielerinnen, eingeladen zum Schweizer Theatertreffen 2020. Christoph Frick interessiert sich für eine körperliche und prozessorientierte Arbeit mit Schauspielerinnen und arbeit seit zwanzig Jahren intensiv mit verschiedenen Ensembles an deutschsprachigen Stadt- und Staatstheatern wie Freiburg, Hannover, Bochum, Dresden, Mainz und Darmstadt zusammen. Er verbindet sich immer wieder mit Autor*innen für besondere Stückentwicklungen, aktuell mit Lothar Kittstein für eine Stadtoper.

Bayerische SuffragettenEine Stückentwicklung zur Geschichte der Münchner Frauenbewegung
von Jessica Glause
Regie: Jessica Glause

München war vor 120 Jahren eine absolute Hochburg der Frauenbewegung, viele Künstlerinnen standen an ihrer Spitze, darunter auch ein Mann. Eine Stückentwicklung mit Schauspielerinnen und einem Stadtensemble erweckt die vergessenen Aktivistinnen wieder zum Leben, ihr Fotoatelier „Elvira“, den „Verein für Fraueninteressen“ und den ersten bayerischen Frauentag 1899. Aus historischem, biografischem und fiktionalisiertem Material entsteht eine Narration der Münchner Frauenbewegung als Gegenerzählung.

Regie: Jessica Glause
Bühne: Jil Bertermann
Kostüm: Aleksandra Pavlović
Musik: Eva Jantschitsch

Jessica Glause, geboren 1980 in Northeim (Deutschland). Studium der Kulturwissenschaften und ästhetischen Praxis an der Universität Hildesheim. 2008 bis 2010 war sie Regieassistentin an den Münchner Kammerspielen, seitdem inszenierte sie u.a. an den Münchner Kammerspielen, am Theater Freiburg, am Staatstheater Nürnberg, am Theaterhaus Gessnerallee Zürich, am Staatsschauspiel Dresden, Volkstheater Wien und am Schauspiel Frankfurt. 2014 & 2015 war sie zum Festival radikal jung nominiert.

Fäden – ThreadsDoppelpass-Kooperation der Münchner Kammerspiele mit dem Dance On Ensemble
Choreografische Stückentwicklung für Tänzer*innen und Schauspieler*innen
von Ivana Müller

Wie altern wir? Mit 20, 50 oder mit 70? Von innen und von außen, alleine oder in Gemeinschaft? Wie definiert uns der permanente Prozess des Älterwerdens als Menschen und wie gibt er uns die Möglichkeit, das Leben zu erfahren? Gemeinsam mit dem Dance On Ensemble, einer internationalen Kompanie für Tänzer*innen über 40 Jahren, und mit Schauspieler*innen der Münchner Kammerspiele entwickelt die international arbeitende Autorin und Choreografin Ivana Müller ein Geflecht aus Bewegungen, Geschichten und Bildern, das den unausweichlichen Prozess der vergehenden Zeit reflektiert.

Konzept, Text & Choreografie: Ivana Müller in Zusammenarbeit mit Spieler*innen des Ensembles und Tänzer*innen des Dance On Ensemble
Künstlerische Mitarbeit und Dramaturgie: Jonas Rutgeerts
Dramaturgie: Olivia Ebert

Ivana Müller ist Choreografin, Künstlerin und Autorin. Ihre Performances, Installationen, textbasierten Arbeiten, Video-Lectures und Audio-Stücke waren in den letzten 15 Jahren bei einigen der bedeutendsten Theater, Festivals und Kunstbiennalen in Europa, den USA und Asien zu Gast, u.a. auch auf der Kunstbiennale in Venedig 2015. Wiederkehrende Themen in Ivana Müllers Arbeiten sind der Körper und seine Repräsentation, Orte des Imaginären und der Imagination, die Auffassung von Autorenschaft, das System der „Gruppe“ sowie die Beziehung zwischen Performer*in und Zuschauer*in.

Works in SilenceChoreografien von Lucinda Childs
Neueinstudierung mit Tänzer*innen des Dance On Ensemble: Ty Boomershine

Die Works in Silence, hier teilweise das erste Mal seit 50 Jahren zu sehen, bieten Einblick in das experimentelle Werk einer der wichtigsten Vertreterinnen des Postmodern Dance. Der Tanz steht für sich, ganz pur, ohne Musik und basiert auf der permanent variierten Bewegung des Gehens, das für Childs Grundlage allen Tanzes ist. Gerade durch diese Reduktion eröffnen die Stücke einen ganz eigenen Blick auf die Körper und das Körperwissen der Tänzer*innen, die in der Neuinterpretation des Dance On Ensemble in etwa das Alter der getanzten Choreografien teilen.

Choreografie: Lucinda Childs
Neueinstudierung: Ty Boomershine
Tanz: Ty Boomershine, Emma Lewis, Gesine Moog, Miki Orihara, Lia Witjes-Poole, Anna Herrmann

Beide Projekte entstehen im Rahmen von SCORES OF CHANGE. Ein Doppelpass-Projekt von Dance On / Diehl+Ritter, Münchner Kammerspiele und STUK House for Dance, Image and Sound. Gefördert im Fonds Doppelpass der Kulturstiftung des Bundes.

Sonderveranstaltungen und Reihen

In Planung, Koproduktionen, Gastspiele, Wiederaufnahmen

In Planung

Inszenierungen von

Anne Habermehl
Ingrid Lausund
Mariano Pensotti
Gerhard Polt & den Well-Brüdern

Koproduktionen mit

Serge Aimé Coulibaly
Anna Konjetzky
Mariano Pensotti / Grupo Marea
Monster Truck
Marie Schleef
Julian Warner
Oliver Zahn

Gastspiele von

Saša Asentić & Per.Art
KLARA Theaterproduktionen
Yasmeen Godder
Natasha A. Kelly
3000THEATER
Meine Damen und Herren
Theater HORA
Teatr 21
Lucy Wilke und Paweł Duduś

Wiederaufnahmen

aus den vergangenen Spielzeiten sind in Planung.


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