Open Border Kongress 2015: EVROS WALK WATER

Ein Cage Re-Enactment von Rimini Protokoll (Daniel Wetzel) / Freitag, 16.10. 19:30, 21:00, 22:30 und Samstag, 17.10. 17:30, 19:00, 20:30, 22:00 / PROBEBÜHNE 3

Evros heißt der Fluss, der Griechenland und die Türkei trennt – eine Demarkationslinie der Festung Europa. Seit der passierbare Abschnitt des Evros 2012 durch Grenzanlagen weitgehend abgeriegelt wurde, bleibt Flüchtlingen nur der weitaus teurere und gefährlichere Weg über in Booten von der türkischen Küste aus zu Inseln in der Ägäis.
1960 stand John Cage auf der Bühne der Fernsehshow I've Got a Secret inmitten eines Parcours von Gegenständen, die allesamt um das Thema Wasser und Wellen kreisten und in einem amerikanischen Haushalt dieser Jahre nicht überraschend waren, von der Gummiente bis zum Klavier: WATER WALK. Dauer: Drei Minuten.
In einem kleinen Haus im Zentrum Athens ist Raum für 15 Jungen, die Fußmärsche aus dem Irak, Afghanistan, Syrien überlebt haben, die Bootsfahrte nach Griechenland und folterähnliche Zustände in den griechischen Internierungslagern. Zur Zeit gehen sie in die Schule, ihre ersten Freundinnen und Computerspiele beschäftigen sie. Über ihre traumatischen Erlebnisse sprechen sie untereinander nicht. Für EVROS WALK WATER hat Daniel Wetzel (Rimini Protokoll) in Athen mit den Jungen ein Bühnenbild und ein Hör-Stück erarbeitet, bei dem 6 Mal eine 3-minütige Version von Cages WATER WALK aufgeführt wird. Die Instrumente und Geräusche wurden durch solche ersetzt, anhand derer die Jungen vom Grund ihrer Flucht, ihrem Weg nach Europa und ihrem Alltag in Athen erzählen und dazwischen das 3-minütige Konzert 6 Mal spielen - Spielen lassen! Denn, da sie qua Reisebestimmungen nicht auf der Bühne sein können, finden sich die Zuschauer auf der Bühne an deren Stelle, lauschen den Geschichten an einzelnen Hörstationen, an denen sich die "Instrumente" befinden und führen dann die Anweisungen der Jungen aus, um das Konzert zum Klingen zu bringen. Spezielle Kopfhörer erlauben, den Klang, der im Raum entsteht, gleichermaßen gut zu hören.
Es geht also um "Kooperation" zwischen Besuchern und Darstellern über politische, über Raum- und Zeitgrenzen hinweg. Die Figur "wir würden Euch das gern vorspielen, aber weil wir nicht dürfen, müsst Ihr selber spielen" macht die Trennung produktiv.

EVROS WALK WATER bringt eine Gruppe von Jugendlichen zu uns und lässt uns an ihrer Stelle und für sie Musik machen. Die spielfreudige und lustige Geräusch-Feier von John Cage erlaubt einen Zugang, der nicht auf Betroffenheit abzielt, sondern geteilte Erfahrung mit den Geräuschen der abwesenden Spieler.

Konzept, Regie, Montage: Daniel Wetzel Dramaturgie: Ioanna Valsamidou Assistenz: Konstantinos Kallivretakis, Ioanna Valsamidou Raum: Adrianos Zacharias, Magda Plevraki (Assistenz) Ton, Mitarbeit: Peter Breitenbach, Panos Tsagarakis (Assistenz) Licht: Roger Stieger Beratung: Fotis Parthenidis Interpreter: Bakar, Abbas Produktionsleitung: Heidrun Schlegel (Rimini Apparat), Charlotte Streck Assistenz Produktion: Kostas Valsamidis Koproduktion: TAK Liechtenstein, Schloßmediale Werdenberg, Rimini Apparat Kooperation: Polyplanity Productions
Dank an: SOCIETY FOR THE CARE OF MINORS

Daniel Wetzel wurde 1969 in Konstanz geboren und studierte Angewandte Theaterwissenschaft an der Universität Gießen. Er ist Teil des Performancekollektivs Rimini Protokoll.

In deutscher Sprache.

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(c) Daniel Ammann