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„Kein Luxus sondern Notwendigkeit“

Die Laudatio für und Dankesrede von Wiebke Puls anläßlich des 3sat-Preises auf dem Theatertreffen 2018

Einmal mehr herzlichen Glückwunsch an Wiebke Puls zum Erhalt des Preises, nachfolgend einen Auszug aus der Laudatio von Shirin Sojitrawalla sowie die Dankesrede der Schauspielerin.

Aus der Laudatio von Shirin Sojitrawalla veröffentlicht auf nachtkritik anlässlich der Vergabe des 3sat-Preises im Rahmen des Berliner Theatertreffens 2018 an Wiebke Puls:

Das Spiel von Wiebke Puls zeichnet sich dabei durch eine ungeheure Strahlkraft aus, die eine grundlegende Liebe zum und Lust am Spielen aussendet, egal was oder wem sie ihre Stimme und Gestalt leiht: Derzeit steht sie etwa als saukomische Madame Ratinois in „Trüffel, Trüffel, Trüffel“, als rotgesichtige Zukunftsgestalt in Ersan Mondtags „Das Erbe“, oder gemeinsam mit der gehörlosen Schauspielerin Kassandra Wedel im Projekt „Luegen“ und natürlich, wie eben gesehen, als herausragend vielseitige Mutter in „Trommeln in der Nacht“ auf der Bühne.

In diesen Stücken wagt sie sich auf ganz unterschiedliche Weise vor. Das geht nicht ohne Wagemut, und das ist bloß ein viel schöneres Wort für die allseits geforderte Risikobereitschaft. Wiebke Puls umgeht das Risiko nicht, sondern verlangt geradezu nach einem Spiel, das sich Gefährdungen aussetzt. Womöglich auch deswegen, weil das der Preis ist für das Privileg „spielen zu dürfen“. Denn daran, dass das Spielen ein Privileg ist, lässt Wiebke Puls auf der Bühne keinen Zweifel. Auf die Frage, welche Rolle sie auf keinen Fall spielen wolle, antwortete sie vor vielen Jahren einmal: „Ich kann mir nicht vorstellen, eine Rolle kategorisch abzulehnen. Das Privileg meines Berufs ist es doch, alles spielen zu dürfen; der Grund meines Berufs, alles spielen zu wollen.“

Die gesamte Laudatio finden Sie hier.


Aus der Dankesrede von Wiebke Puls:

Sie wählen in der Begründung, die offiziell kursiert, Vokabeln, da könnte man denken, ich sei ein Edelstein. Ein Edelstein braucht zweierlei Dinge: Er braucht Licht, und er muss angestrahlt werden, damit er funkeln kann. In dieser speziellen Arbeit sind das zum Beispiel die Augen von Wiebke Mollenhauer, die mir so offen und klar ins Gesicht sehen, dass ich nicht anders kann, als reflektieren, was mir da entgegengebracht wird. Oder der Witz von Damian Rebgetz, der mich zwischendurch auf eine Weise anspricht, dass ich mir nicht mehr ganz sicher bin, ob er mich gerade veräppelt, oder ob er immer noch im Text ist. Die ganze Probenarbeit war nicht nur so, dass wir das Visier hochgeklappt haben. Wir haben – und das ist nicht so leicht in den letzten zwei, drei Jahren gewesen an den Kammerspielen – einfach die Rüstung abgelegt, und wir haben mit offenen Augen miteinander verhandelt. Das war so wunderbar, klar und transparent, dass es wirklich eine Freude war. Wir spüren das auch in jeder neuen Bemühung, diesen Abend auf die Bühne zu bringen, und das tut unendlich wohl.

Das andere, was so ein Edelstein braucht, das sind Facetten, in denen ich angeblich funkle. Die Facetten, das ist etwas, das man sich über die Jahre erwirbt. Ich habe einfach das Glück, jetzt schon 20 unglaubliche Jahre in diesem Beruf arbeiten zu dürfen, und ich hatte tolle Intendanten, die mich immer mit neuen Menschen konfrontiert haben. Eine Weile dachte ich, vielleicht ist das ein bisschen peinlich, dass ich nicht DEN Regisseur finde, der immer nur mit mir arbeiten will, und ich kann auch gar nicht mehr anders. Aber es ist so, dass ich in den 20 Jahren vielleicht 70 Regisseure und Regisseurinnen kennengelernt habe, und jede Begegnung ist ein Schliff, ist eine Facette. So sieht dann wahrscheinlich ein Reifungsprozess aus bei einem Stein, der dann irgendwann auch reflektieren und funkeln kann.

Das zusammengefasst sind zwei Bedingungen, die ich nur finden konnte im festen Engagement in einem Ensemble, das über die Jahre wachsen konnte. Und das ist das, was mir mittlerweile heilig ist.

Die gesamte Dankesrede finden Sie hier.