03. Kontrolliertes Chaos

Heute mal das Protokoll eines typischen Arbeitstages, Montag der 27. November 2017.
Als ich ankomme, wartet ein großer Stapel Zeitungen auf meinem Schreibtisch darauf, von Peter (derzeit seines Zeichens Hospitant in der Öffentlichkeitsarbeit), Katrin (Pressesprecherin der Kammerspiele) und mir nach wichtigen Artikeln durchsucht zu werden. Wichtig meint hier: die Kammerspiele betreffend. Heute finden wir jede Menge, da Samstag das Stück "Wartesaal" Premiere hatte.
Das gemütliche Lesen wird kurz unterbrochen: Wer schickt gleich wieder Plakate an Verlage? Wir sind's anscheinend nicht.
Danach schicke ich eine Liste mit den Sonderveranstaltungen von November und Dezember an die Licht- und die Tonabteilung. Von denen bekomme ich die Infos, wer an welchem Abend wo arbeitet. Diese Namen kommen dann mit den entsprechenden Berufsbezeichnungen auf den Abendzettel – sofern ihnen daran liegt.
Anschließend ein bisschen Bewegung: Die hauseigenen Jutebeutel werden aus dem Keller geholt, mit jeweils einem Spielzeitheft und einem Dezember-Spielplan ausgestattet und in ein anderes Büro verfrachtet, um dort auf ihre weitere Verwendung zu warten.
Mittlerweile ist es Viertel nach eins, Zeit für die Mittagspause.
Um danach wieder in Schwung zu kommen, gibt's erstmal eine Mate. Dann lege ich die Artikel aus dem Pressespiegel nach Thema geordnet in – nun ja – Ordnern ab und füge die Veranstaltungen im Januar – geordnet nach den Kategorien Lesung/Gespräch, Konzerte, Sonderveranstaltungen und Gastspiele/freie Gruppen - in ein Word-Dokument ein, aus dem Annika (die Grafikerin) später den Aushang für die Kasse erstellen wird.
Auch ans Telefon gehen gehört zu meinen Aufgaben. Inzwischen erfasst mich nicht mehr bei jedem Klingeln die pure Panik. Nur noch bei jedem Dritten.
Glücklicherweise hat Katrin mehr Ahnung als ich, an wen ich die eben entgegengenommene Anfrage weiterleiten kann. Besagte Person scheint genauso wenig Ahnung zu haben wie ich, erklärt sich aber glücklicherweise trotzdem bereit, sich darum zu kümmern. Hurra.
Noch schnell die oben erwähnte Technik-Übersicht für den Monat Januar zusammenstellen und verschicken, dann folgt endlich die zweite Mate des Tages. Koffein ist mein bester Freund hier, direkt nach den vielen bunten Klebezetteln.
Schon leicht high von so viel Koffein drucke ich Fotos von vereinzelten Wänden in den Kammerspielen aus, die vor jeder Premiere mit dem Plakat der nächsten Produktion plakatiert werden. Mein Job dabei ist, die neuen Plakate so in den Ausdrucken einzuzeichnen, dass es a) für den Tapezierer verständlich ist und dass b) möglichst von jeder Premiere dieser Spielzeit ein Plakat zu sehen ist.
Zwischendurch merke ich, wie spät es schon ist und bringe die Abendzettel für die heutige Veranstaltung schnell runter in die Poststelle, die nur bis 17 Uhr besetzt ist.
Sigrid hört sich gerade Musik von Lali Puna an, einer Band, die demnächst in den Kammerspielen ein Konzert gibt. Wir stellen beide fest: Ist nicht ganz unser Ding.
Und schließlich, als ich meinen Kaffeebecher-Deckel auf die Mate-Flasche schrauben will, denke ich mir: JETZT IST DIE ZEIT um endlich nach Hause zu gehen, in meine eigene Kammer.
Bye bye, bis nächste Woche.