06. Von denen, die auszogen, um sprechen zu lernen

Freie Bildungstage: Workshops, die einen oder zwei Tage dauern. Im FSJ Kultur müssen wir mindestens einen Workshop belegen.
Ich war am 14. und 15. Dezember bei dem Workshop "Deine Stimme aus Gold".

Tag 1

Zuerst stehen wir im Kreis und beschreiben die Person links von uns und stellen Vermutungen an, wo er/sie arbeitet, was er/sie gerne in der Freizeit macht, isst, etc.
Laut Lesley (Person rechts von mir) habe ich einen Drachen getötet und scheine eine coole Person zu sein. Geb ich gerne zurück, du wirkst auch cool! :D
Dann schließen wir alle die Augen und jeder erzählt, was über ihn/sie gestimmt hat. Mona, die Kursleiterin, ist sehr amüsiert von der Vorstellung, dass sie eine Näherin sein könnte. Vielleicht nicht unbedingt eine Näherin, aber dafür sehr sehr lustig und richtig motiviert! Danke dafür.
Wir füllen Fragebögen über die Sprech-, Vorlese- und Rufstimme einer anderen Person aus.
Fun fact: Ich habe anscheinend keine Rufstimme.
Des weiteren finden wir uns in Zweierteams zusammen und machen ein Codewort aus, das wir laut rufen, wenn das jeweilige Teammitglied "äh" oder "ähm" sagt. Die Wörter "wuff", "Bratwurst" und "Sushi" fielen recht oft ;)
Dann machen wir noch eine Übung, mit der man seine eigentliche Stimmlage erreicht, die O-Übung: Den Kopf in den Nacken legen und versuchen, so laut wie möglich "O" zu sagen, dabei den Kopf langsam auf die Brust sinken lassen. Das ganze dreimal hintereinander machen und zack – für 45 Minuten sprichst du mit deiner natürlichen Stimme. Johanna, die Sängerin der Gruppe, ist von dieser Entdeckung so bewegt, dass sogar ein paar Freudentränchen fließen.
Mittlerweile ist es 16 Uhr und wir gehen nach Hause – oder, wie in meinem Fall, zur Premiere von "Trommeln in der Nacht".

Tag 2

Der Tag beginnt mit einem gemeinsamen Frühstück – in zwei Akten. Die eine Hälfte der Gruppe die Augen und sucht sich einen Aufpasser aus. Die "Blinden" dürfen jetzt frühstücken, die Aufpasser leiten sie mit Erklärungen an. Lara (meine "Blinde") schafft es, einen Joghurt zu essen, eine Dose zu öffnen und daraus zu trinken, ohne sich zu bekleckern. Bravo!
Dann wird getauscht und sie hilft mir, einen Kaffee zu kochen.
Danach machen wir jede Menge Sprachübungen: "Und jetzt streckt die Zunge raus und lasst ein liebevolles 'bäh' hören, bitte!", "Mhhhh, Pizza!" und natürlich der schöne Satz "Im dichten Fichtendickicht, nicken dicke Fichten tüchtig" mit einem Korken im Mund. Auch die Rhetorik wird nicht vernachlässigt. Nach ein paar abschreckenden/amüsierenden Gegenbeispielen (Edmund Stoiber und sein Transrapid und Loriots Bundestagsrede), machen wir uns selbst an einen einminütigen Vortrag. Den Aufhänger dafür finden wir auf einer Postkarte. Heraus kommen unter anderem eine Motivationsrede an Bäckermeister (Postkarte: "Wir backen das!"), eine Rede über Beziehungen (Postkarte: "Kluge Frauen lieben kluge Männer - mehr als kluge Männer kluge Frauen – Nathalie Portmann") und eine Argumentation, warum Schlaf so schön ist (Postkarte: "Ich liebe meine Matratze")
Jeder muss noch ein Haiku mitreißend vortragen, wir räumen noch zusammen und dann ist auch dieser Tag vorbei.

War sehr lustig mit euch, nochmal vielen Dank für den tollen Workshop und die Party in der Kaffee-Küche,
viele Grüße,
Elena