21. Alles fließt

Auf dem Flur des 2. Stocks der Münchner Kammerspiele gibt es ein paar Menschen, von denen ich keine Ahnung habe, was eigentlich ihr Job ist. Das liegt zu vierzig Prozent an der Tatsache, dass sich unsere Aufgaben nicht oft überlappen und zu sechzig Prozent an den verwirrenden Schildern an der Tür.
Jenny ist eine dieser Personen. Alles, was ich von ihr weiß, ist, dass sie immer irgendwas mit den Konzerten hier zu tun hat. Und, dass sie sehr gut im Schrottwichteln ist.

Was ist dein Job hier an den Kammerspielen?
Ich mache die Produktionsleitung für die Konzerte.

Arbeitest du ganz- oder halbtags?
Eigentlich halbtags, aber bei den Produktionen bin ich abends dann auch da, es lässt sich nicht genau trennen. Es ist sehr fließend.

Hast du Kinder?

Ja, zwei.

Wie funktioniert das, im Theater arbeiten und Kinder haben? Gibt es da viele Konflikte?
Ich könnte sie mitbringen, das mache ich abends auch manchmal. Letztlich muss man sich schon einen Babysitter zulegen, das funktioniert nur mit guter Organisation.

Würdest du sagen, du denkst Zuhause nicht an die Arbeit?

Nein, ich lese die Mails ja auch auf dem Handy. Im Büro bin ich nur halbtags, aber Arbeit und Privatleben zu trennen, das ist im Theater schwierig.

Ist es im Theaterbetrieb möglich, eine wirkliche Work-Life-Balance zu erreichen?
Die Definition von „Arbeit“, die bei Work-Life-Balance gemeint ist, funktioniert am Theater nicht so richtig. Das Theater ist ja nicht nur die Arbeit, man schaut sich Theaterstücke ja auch privat an und trifft da Leute, die mit diesem Bereich zu tun haben. Es ist nicht so wie in einer großen Firma, es ist auch eine Leidenschaft.