17. Kill me now

Der Wecker klingelt und noch vor dem Frühstück ist klar: Die Motivation, ein produktives, arbeitendes Mitglied der Gesellschaft zu sein, ist gleich null.
Nur leider ist nicht Samstag, Sonntag oder Feiertag und am Abend womöglich noch eine Fotoprobe, ein Interview muss vermittelt werden und die Praktikantin ist erst drei Tage da.
Also laut seufzen und den Körper aus der Horizontalen in die Vertikale bringen. Wie funktioniert das am besten?

Strategie 1: Sich solange die Gründe nennen, warum man die Kolleginnen in eine blöde Lage bringen würde, ihren Tag zur Hölle machen würde und für sie etliche Stressfaktoren zur üblichen Liste hinzufügen würde, bis der Stich des schlechten Gewissens zur belastenden Schuld wird und man plötzlich ganz leichtfüßig die Beine aus dem Bett schwingt.

Strategie 2
: Den Wecker am Abend zuvor in weiser Voraussicht ganz nah ans Ohr legen und den lautesten und nervigsten Ton überhaupt einstellen. Der Weckruf am nächsten Morgen kann unter Umständen einen milden Herzinfarkt auslösen, garantiert aber blitzartige Wachheit und den sofortigen Sprung aus dem Bett.
Das einzig Blöde hierbei: solche Tage kündigen sich nicht immer an, die Strategie ist also nur für Hellseher wirklich verlässlich.


Strategie 3: Ein Belohnungssystem. Du hast keine Lust, in die Arbeit zu gehen? Reiß dich zusammen, dann kannst du heute Abend von dir behaupten, wirklich etwas geschafft zu haben. Außerdem gönnst du dir selbst nach der Arbeit ein paar Folgen der Lieblingsserie, eine große Tasse Tee und/oder ein Manga. Schön kitschiges Yaoi, versteht sich.

Strategie 4
: Ja, ganz genau, Kaffee. Kaaaaffeee, meiiiin Schatzzz, was würde ich nur ohne dich tun. Eklige Energydrinks trinken, vermutlich, bäh.

Beim Frühstück noch schön die Vorstellung von der in ein paar Stunden wohlverdienten Belohnung weiter ins eigene Hirn pflanzen, bis man den Tee fast schon schmecken kann.
Und am Ende vom Tag nach Hause kommen, stolz auf sich sein und die Tatsache ignorieren, dass das Zimmer aussieht wie Sau und die paar Briefe von der Krankenkasse schon seit drei Tagen auf dem Boden rumfliegen. Das mach ich dann morgen. Oder übermorgen. Ach, wen will ich denn beeindrucken, vor dem nächsten Feiertag wird das nichts.