16. Welcome to the masquerade

Der Alltag ist ein bisschen wie „Die Selbstmord-Schwestern“. Gemeint das Theaterstück in der Inszenierung von Susanne Kennedy, nicht das Buch von Jeffrey Eugenides. Wir tragen Masken und am Ende sind wir alle tot, kurz gesagt. Trifft eigentlich auch auf das Buch zu.

Lassen wir die schlechte Laune mal beiseite und konzentrieren uns auf die Masken:
Masken sind was schönes, wenn Fasching ist. Man gibt sich selbst eine geheimnisvolle Aura und auch das Selbstbewusstsein, sich mal ein wenig anders zu verhalten als sonst, ein bisschen mehr Superheldin zu sein, mehr Löwendompteurin oder Schwertkämpferin, je nach Kostüm.
Masken im Alltag funktionieren genauso, wir lassen gewisse Schwächen nicht durchblicken, um andere Eigenschaften dafür umso heller ausleuchten zu können.

Wir tun so, als wären wir selbstbewusste Löwen, die alles mit einer Pfote managen können, während die andere Pfote die Kaffeetasse hält, ohne einen Tropfen zu verschütten. Wir tun so, als wären wir gut drauf und füttern unser zuckersüßes Lächeln mit Schokolade, damit es so zuckersüß bleibt. Und am Ende des Tages kommen wir nach Hause, froh, statt einer Löwenpfote wieder die eigenen, doch sehr menschlichen Finger benutzen zu können. Froh, das Lächeln vom Gesicht zu nehmen und es bis zum nächsten Morgen auf dem Nachttisch liegen lassen zu können.
Denn letzten Endes sind das alles nur Masken. Das ist überhaupt nichts schlimmes, solange man sich der Maske bewusst ist.

Andernfalls kann es ganz schnell passieren, dass du nicht nur eine Maske trägst, sondern dich auch noch mehr mit den Lisbon-Mädchen identifizieren kannst, als dir lieb ist. Und damit meine ich nicht die mädchenhaften Masken, die computerverzerrten Stimmen und die weißen Nachthemden.
Und wer absolut keine Ahnung hat, wovon ich hier eigentlich rede:
Die nächste Vorstellung von den "Selbstmord-Schwestern" ist am 10. April, unbedingt anschauen!