12. Seminarsaufen

Seminarwochen beim FSJ Kultur sind ein bisschen wie Klassenfahrten. Mal davon abgesehen, dass man mit dem Großteil der Leute tatsächlich was gemeinsam hat. Und dass beim Thema Alkohol der Standpunkt „Wenn morgen der Schädel dröhnt, bist du selbst schuld.“ vertreten wird. Und auch dass der Leitungsassistent sich auch mal der Jam-Session anschließt. Und man mit den Leiterinnen ziemlich gut reden kann.
Na gut, eigentlich sind Seminarwochen was völlig anderes als Klassenfahrten.
Das zweite Seminar fand in Steinerskirchen statt. Vom Bahnhof zur Unterkunft mit dem Auto ungefähr eine Viertelstunde. Das war gleich der Anfang dieses Seminars: Frierend auf das Auto warten, das halt doch nur maximal fünf Leute plus Koffer fassen kann.
Die Woche stand unter dem Thema Identität und Biografie. Tag eins war noch zum ankommen, Tag zwei bestand aus einem „Spaziergang“ durch's ganze Haus, die verschiedenen Räume wurden liebevollst zu jeweils einem Thema gestaltet, ein Raum zum Thema Rassismus, einer zum Körperbild und -gefühl, inklusive Traumreise. Ein anderer Raum war den Themen Gender, Sexualität, Feminismus und Beziehungsformen gewidmet und so weiter.
An Tag drei und vier waren wir in den jeweiligen Workshops, die wir uns ausgesucht hatten, Biografisches Theater, Kreatives Schreiben, Fotografie oder Experimentelle Musik.
Ich war im Kreativen Schreiben bei Doro.
Doro gab uns Stichworte, zu denen wir einen Text schreiben sollten, beispielsweise „Sommerferien“, fünf Minuten Zeit. Danach vorlesen und den Text gemeinsam besprechen. Das Highlight des Workshops war für mich jedes Mal der gravierende Unterschied zwischen Tassilos und Joachims Texten. Tassilos Schreibstil ist eher erzählend, während Joachim ziemlich politisch und nüchtern schreibt.
Ein gutes Beispiel sind die Texte zu Weihnachten. Die ersten beiden Worte von Joachims Text waren „Kapitalistisch ausgeschlachtet“.
An Tag fünf ging's dann an die Vorbereitung der Werkschau am Abend, bei der jeder Workshop einen kleinen Einblick in das Geschehen der letzten beiden Tage geben sollte.
Tag sechs war größtenteils Reflexion, die Auflösung des Wochenspiels und aufräumen, dann ging's in Schichten wieder zurück zum Bahnhof.
Schön war's, bis zum nächsten Mal!