Kammer 1

WAR AND PEACE

Nach Leo Tolstoi, Performance von Gob Squad

Inszenierung: Gob Squad

Performance

„Halt das Buch mal in deinen Händen - ein ganz schönes Gewicht, oder? Und das ist nur der erste Band! Es ist einer der längsten Romane der Welt, um genau zu sein 1256 Seiten lang (abhängig von der Ausgabe und Sprache), im Original in 4 Einzelbänden und mit mehr als 135 Charakteren. Ich habe ihn bis jetzt nur halb gelesen - und du?“

Weit ab von den sich ständig verschiebenden Konfliktzonen, an einem vom Frieden verwüsteten Ort, versammelt sich eine Gruppe von Künstlern in einer Art Salon, nach dem Vorbild der Zusammenkünfte des russischen Adels zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Ihre Gespräche kreisen um Krieg und Frieden – sowohl in der heutigen Wirklichkeit als auch um Tolstois vor fast 150 Jahren geschriebenes monumentales Romanwerk, das Geschichte geschrieben hat und versucht das Phänomen von Historie zu begreifen und die Perspektive aus der diese erzählt wird.

Im Verlauf des Abends werden die Gäste in einer nicht enden wollenden Parade von Charakteren, die weit über das Personal des Romans hinausreicht, nach Rang und Status vorgestellt. Es wird getanzt, gegessen und sich duelliert. Performer bereiten sich auf Szenen vor als würden sie in die Schlacht ziehen und positionieren sich immer wieder neu in einem Spiel mit wetteifernden Perspektiven und persönlichen Ansichten – nicht nur über das, was im Roman und seinen Verfilmungen vor sich geht, sondern auch in der Welt als Ganzes.

Gob Squads „War and Peace“ stellt mit spielerischen Mitteln Fragen nach den Wurzeln und Hintergründen von Konflikt. Definitionen von Freiheit, Privilegien und Sicherheit werden ebenso verhandelt wie das Individuum im Verhältnis zur Gemeinschaft.
In der Gegenwart des Alltagslebens verankert, reflektieren Gob Squad eine Frage von Tolstois Roman, die aus der Sicht des Hier und Heute mehr denn je relevant ist: Wie lässt sich ein moralisch vertretbares Leben führen in einer ethisch imperfekten Welt? Oder anders: Wie können wir sorglos und bequem mit dem Wissen von Leid, Chaos und Schaden leben, den unser alltäglicher „friedlicher“ Lebensstil mit verursacht?

„War and Peace“ ist die neue Live Video Performance von Gob Squad, ein kollektives Leseerlebnis eines historischen Romans, in der Kunst- und Alltagsraum, Geschichte und Gegenwart, Realität und Fiktion verschwimmen und alle Anwesenden zu potentiellen Akteuren werden.

Gob Squad schließen mit dieser Arbeit an vorausgehende Produktionen wie „Prater Saga“, „Gob Squad's Kitchen“, „Super Night Shot“ und „Revolution Now!“ an, in denen einzelne Theaterzuschauer oder zufällige Passanten von der Straße überraschend zu Protagonisten des Abends gecastet werden. Alltägliche Menschen wurden in fiktiven Szenarios zu Projektionsflächen und Helden für Gob Squad und ihr Publikum.

Mit ihrer Arbeit „Before Your Yery Eyes“ – einem Stück mit Kindern für Erwachsene, produziert von Campo in Gent – waren sie 2012 zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Gob Squad sind mit ihren häufig partizipativ angelegten Performances national und international in Theatern und auf Festivals vertreten, in 2014 feierten sie ihr 20-jähriges Bestehen.


„War and Peace“ ist eine Produktion von Gob Squad und den Münchner Kammerspielen. Koproduziert von der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Berlin, dem Schauspiel Leipzig, dem Konfrontacje Teatralne Festival Lublin, Lancaster Arts at Lancaster University, Malthouse Theatre und Melbourne Festival, der Gessnerallee Zürich, Nottingham Playhouse und Teatro Stabile di Torino – National Theatre.

Gob Squad Arts Collective erhält institutionelle Förderung im Rahmen des Konzeptförderungszeitraumes 2015 - 2018 des Landes Berlin, Senatskanzlei - Kulturelle Angelegenheiten.


Von und mit

Johanna Freiburg, Sean Patten, Sharon Smith, Berit Stumpf, Sarah Thom, Bastian Trost, Simon Will, Damian Rebgetz, Niels Bormann, Katja Bürkle

sowie

Tatiana Saphir, Laura Tonke

Konzept und Regie

Gob Squad

Bühne

Romy Kießling

Kostüme

Ingken Benesch

Sounddesign

Jeff McGrory

Video

Miles Chalcraft

Licht

Andreas Rehfeld

Produktionsleitung

Christina Runge

Dramaturgie

Johanna Höhmann, Christina Runge

Premiere am 23. März 2016