Kammer 1

TROMMELN IN DER NACHT *NACH BERTOLT BRECHT

Inszenierung: Christopher Rüping

Schauspiel

Münchner Kammerspiele, 29. September 1922, Uraufführung „Trommeln in der Nacht“ – Nach jahrelanger Kriegsgefangenschaft kommt ein Mann ins aufständische Berlin zurück. Der erste Weg führt ihn zu seiner einstigen Geliebten. Dort, im Wohnzimmer ihrer Eltern, erfährt er, dass die Frau sich soeben mit einem anderen verlobt hat, einem Kriegsgewinnler, der eines Tages die Fabrik des Vaters in die Zukunft führen soll. Aus Enttäuschung und Wut wendet sich der Mann den sozialistischen Straßenkämpfen zu und wird zum wichtigen Akteur im Spartakusaufstand gegen die konservative Regierung. Die gewaltsame Besetzung des Zeitungsviertels durch die Aufständischen steht unmittelbar bevor. Da besinnt sich die Frau und verlässt ihren Neu-Verlobten, um ihren einstigen Geliebten zurückzuholen.
Dieser, vor die Wahl zwischen seiner Frau und dem Aufstand gestellt, zögert kurz, bevor er sich entscheidet. In der Uraufführung an den Münchner Kammerspielen entscheidet der Mann sich für die Frau und lässt die Aufständischen allein in die Zeitungsviertel ziehen. Aber schon während Bertolt Brecht sein Stück schreibt und auch im Laufe seines folgenden Lebens hadert er immer wieder mit dem Schluss von „Trommeln in der Nacht“. Könnte der Kriegsheimkehrer sich auch für die Revolution entscheiden statt für sein privates Glück? Christopher Rüping stellt in seiner Inszenierung von „Trommeln in der Nacht“ die Frage: Was wäre gewesen, wenn …?

Diese Aufführung ist die Version *nach Bertolt Brecht. Alle Infos zur Version *von Bertolt Brecht finden Sie hier.

Mit

Christian Löber, Damian Rebgetz, Hannes Hellmann, Nils Kahnwald, Wiebke Mollenhauer, Wiebke Puls

Inszenierung

Christopher Rüping

Bühne

Jonathan Mertz

Kostüme

Lene Schwind

Licht

Christian Schweig

Musik

Christoph Hart, Damian Rebgetz, Paul Hankinson

Dramaturgie

Katinka Deecke

Hinweis zu Brecht und Feuchtwanger ...

... deren Werke „Trommeln in der Nacht“ und „Wartesaal“ in der Spielzeit 17/18 beide an den Kammerspielen zu sehen sind.


Dass Bertolt Brecht seine ersten Schritte als Dramatiker gehen konnte und an den Münchner Kammerspielen uraufgeführt wurde, ist nicht zuletzt seinem Förderer Lion Feuchtwanger zu verdanken, der in einer der Figuren seiner „Wartesaal“-Trilogie auch ein erstes literarisches Porträt von Brecht zeichnete. Die enge Verbindung der beiden Autoren zeichnet sich in der Spielzeit 2017/18 durch zwei aufeinanderfolgende Premieren an den Kammerspielen ab: „Wartesaal“ von Lion Feuchtwanger kommt im November 2017 in der Regie von Stefan Pucher raus während „Trommeln in der Nacht“ von Bertolt Brecht kaum einen Monat später im Dezember 2017 in der Regie von Hausregisseur Christopher Rüping Premiere hat. Nach seiner Lektüre von „Trommeln in der Nacht“ hat Feuchtwanger nicht nur vorausschauend formuliert, dass mit Brecht ein Dichter in die Öffentlichkeit getreten ist, der „über Nacht das dichterische Antlitz Deutschlands verändert“ hat. Feuchtwanger hat auch eine inhaltliche Zusammenfassung von „Trommeln in der Nacht“ formuliert, die nicht nur Brechts Stück auf knappste Weise zusammenfasst, sondern durch die Beschreibung des Kollegen auch Feuchtwangers selbst in Humor und Sensibilität sichtbar werden lässt:

„Einer hat Kot und Not des Krieges mitgemacht, war gefangen in Afrika, Knochen und Mark sind ihm verdorrt, wie durch ein Wunder ist er herausgekommen. Und nun ist er zurück, und sein, des Verschollenen, Mädel hat ein anderer, und von dem anderen hat sie ein Kind im Bauch, und er ist lächerlich, ein Gespenst, sehr fehl am Ort, und ohne Geld. Und er geht hin, oder vielmehr es nimmt ihn hin, und er wird die Stimme der Revolution, wird, in einer der erfülltesten Szenen des deutschen Theaters, Spartakus’ Stimme. Und jetzt kommt dieser tief verwirrende, atemhemmende letzte Akt mit seiner genialen komplizierten und doch so selbstverständlichen Pointe, selbstverständlich, weil sie eben nicht aus der Ratio, sondern geradewegs aus dem Blut stammt. Das Mädel nämlich geht dem Revolutionsmann nach, durch alles Geschieße und alle Gefahr, und da sieht er ihr Gesicht, und er lässt die Zehntausende, die er wild gemacht hat, einfach stecken und kaputtgehen wie Fliegen und geht heim mit dem Mädel und sieht nur ein großes, weißes Bett und sich und das Mädel.“ Lion Feuchtwanger über TROMMELN IN DER NACHT