Kammer 3

ICH BIN NICHT MENSCH, SONDERN SCHMETTERLING / NO SOY PERSONA, SOY MARIPOSA

VON LUKAS AVENDAÑO, IN SPAN. SPRACHE MIT DT. ÜBERTITELN

Performance

Der Performer und Anthropologe Lukas Avendaño wurde in der Landenge von Tehuantepec geboren. Dort wuchs er in einer Gemeinschaft von Zapoteken auf, die barfuß laufen und „sodomitische“ Praktiken ausübten. Sie gehören zu den Ureinwohnern Mexikos und bewohnen den Bundesstaat Oaxaca im Süden des Landes. Die Nähe zu dieser einzigartigen Kultur beeinflusst seine ästhetische Arbeit. Sein Körper nimmt einige ihrer Elemente in sich auf, gibt ihnen eine neue Bedeutung und bietet vielfältige Übersetzungen an. Insofern lässt sich sein Werk als ein unter lokalen Bedingungen entstandener Entwurf verstehen, der vom Performer selber so interpretiert wird, dass Implikationen von durchaus globaler Tragweite sichtbar werden.
In seiner Performance „No Soy Persona. Soy Mariposa“ wird das Wort „Schmetterling“ in seinem ganzen Bedeutungsreichtum ausgedeutet. Entscheidend ist die Tatsache, dass es in Mexiko eng mit Homosexualität, mit queeren Lebensentwürfen und auch mit der Figur des „Strichers“ konnotiert ist. Einerseits, so Lukas Avendaño, schafft der Gebrauch des Begriffs „Mariposa“ eine Grenze „zwischen uns, die wir uns offen als Schmetterlinge bekennen“, und denen, die das nicht tun. Es gehört aber auch zu den Eigenschaften dieses Lebewesens, wie ein Flüchtling, dem Flügel wachsen, über geographische und vielleicht auch soziale und politische Demarkationslinien hinwegfliegen zu können. Sobald der Gebrauch des Wortes „Schmetterling“ – die damit verbundenen Lebensweisen, das daran geknüpfte Versprechen auf Mobilität und Transgression, die freie Ausübung von Sexualität – als Menschenrecht reklamiert wird, entsteht am Horizont die Möglichkeit, dass es nicht mehr auf Schwule eingeschränkt wird. „Die Heteros könnten sagen: Ich bin auch ein Schmetterling“. Und so ihre eigene Sexualität in etwas Spielerisches, in etwas Plastisches verwandeln.
In „No Soy Persona. Soy Mariposa“ verführt Lukas Avendaño das Publikum. Er wird zum Exhibitionisten, zeigt seinen Körper, die Chiffren des Begehrens – immer getragen von dem Wunsch, seine Betrachter einzubinden, auf dass sie seine Komplizen, Gefährten, Freunde, Geliebten und/oder einfach zu Voyeuren der Spielhandlungen werden. Für seine Performance adaptiert Lukas Avendaño einen Originaltext von Felipe Osornio mit dem Titel „Leche de Virgen Trimegisto“, um über die Themen zu sprechen, die ihn bewegen: Freiheit, Demokratie, Sexualität, reale Migration, Sombolika, die Morphologie, Gesten.
Lukas Avendaño sieht sich selbst als ein mutierendes Wesen, als Migranten, als einen Undefinierten und Unvollständigen, der den binären Klassifikationen in Mann/Frau entflieht. Von diesem Ort aus wird er zum Heckenschützen. In der Hoffnung und in dem Glauben an eine Welt, die jeden Schweinehund, Sodomiten, Bardash, Manitu, Muxhe, Homosexuellen würdigt.



Teil von ENDSTATION SEHNSUCHT – THEATER IN MEXIKO: EIN FESTIVAL ÜBER FLUCHT, IDENTITÄT UND DIE DARSTELLBARKEIT VON GEWALT
22. bis 27. November in allen Kammern

Kuratiert von Christoph Gurk und Ilona Goyeneche. In Kooperation mit dem Goethe-Institut Mexiko. Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes. Mit Unterstützung von Secretaría de Cultura de México, dem Goethe-Institut München und dem Instituto Cervantes.



Neben dem Ticket für die einzelne Veranstaltung ist an der Tageskasse auch ein FESTIVALPASS erhältlich.

FESTIVALPASS (für 6 Tage): 60 Euro / erm. 40 Euro

Zum gesamten Programm geht es hier.