Kammer 1

RITOURNELLE 2017

FESTIVALNACHT FÜR AVANCIERTE ELEKTRONISCHE POPMUSIK / MIT: DEMDIKE STARE (LIVE), FJAAK (LIVE), GAZELLE TWIN (AV-SHOW / LIVE), JENNY HVAL (LIVE), SUPERPITCHER (DJ-SET) und VATICAN SHADOW (LIVE)

Party

Und immer wieder Ritournelle … Tanznacht, Rave-Drama, Boutique-Festival. Ritournelle ist mittlerweile eine feste Institution in den Münchner Kammerspielen. Einmal im Jahr werden im großen Schauspielhaus die Sitze ausgebaut, um Bewegungsfreiheit für avancierte elektronische Tanzmusik zu schaffen. In dieser Spielzeit spannt sich der Bogen von dunklem No-Wave Romantizismus über noisige IDM-Abstraktionen bis hin zu wummerndem Analog-Techno. Die Norwegerin Jenny Hval etwa, deren postfeministisch dronende Menstruationsstudie „Blood Bitch“ sich als eines der schillerndsten Pop-Alben 2016 entpuppt hatte, fiel vor allem auch durch die ungewöhnlichen Bühnenshows zwischen Konzert und Performance auf. Ähnlich performativ mäandert auch Gazelle Twin zwischen Art-Pop à la Planningtorock, Peaches-E-Punk und ausladend monumentaler Björk-Geste. Oder das Manchester Duo Demdike Stare, die sich mit ihrem eben erschienenen Album erstmals voll und ganz dem Club verschrieben haben und damit auch gleich die Dance-Platte des Jahres ablieferten. Zumindest für alle, die mehr wollen, als beim Tanzen nur auf „vier“ zu zählen. Vergleichsweise abstrakt hämmert dann der US-Amerikaner Vatican Shadow durch ein Koordinatenfeld zwischen Noise und Techno, während seine Titel Bezug auf den medial ausgefochtenen Krieg gegen den Terror nehmen. Das junge Berliner Techno-Trio Fjaak bringt dann wieder etwas Leichtigkeit mit ins Spiel. Ausschließlich mit analogen Maschinen unterwegs, gelten sie als vielversprechendste Berghain-Boygroup der Gegenwart und wollen Anfang 2017 mit ihrem selbstbetitelten Debüt-Album auf Modeselektors Monkeytown-Label beweisen, wie vielseitig Clubmusik heute sein kann bzw. muss. Den Abschluss macht schließlich zu fortgeschrittener Stunde Kompakt-Veteran Superpitcher, der altersweise zu einem krautig-psychedelischen Disco-Groove voll jugendlicher Euphorie zurück gefunden hat. Mehr geht nicht in eine Nacht.