Kammer 1

NO SEX

Von Toshiki Okada

Inszenierung: Toshiki Okada

Schauspiel

Laut Umfragen der Japan Family Planning Assoziation hatten knapp 50% der unverheirateten 18- bis 24- Jährigen noch nie Sex. Auch in Ehen sei die Sexlosigkeit weiter verbreitet als je zuvor, sagen die Statistiken. Ist dieser Zustand ein systemisch hervorgebrachter Missstand oder ist es vor allem die Angst vor der Realität des intimen Moments mit einem echten Gegenüber, der in der virtuellen Welt viel einfacher scheint? Sind Liebesbeziehungen nur noch ein Stressfaktor für von langen Arbeitszeiten erschöpfte Menschen oder steckt in diesem „I would prefer not to“ auch ein subversiver Akt gegenüber einer konsumistisch geprägten Begehrenskultur?

Der Regisseur Toshiki Okada und seine Gruppe chelfitsch feierten 2004 ihren ersten internationalen Erfolg mit dem Stück „5 Days in March“, in dem zwei junge Menschen vor der Welt da draußen in ein Love Hotel flüchten, um fünf Tage lang vornehmlich Sex zu haben. In seiner nach „Hot Pepper, Air Conditioner and the Farewell Speech“ und „Nō Theater“ dritten Inszenierung an den Münchner Kammerspielen, erzählt Toshiki Okada nun von vier jungen Menschen, die in einer Karaoke Bar Liebeslieder singen und sich damit probeweise in eine ihnen unbekannte Welt einfühlen. Und von zwei nicht mehr ganz so jungen Menschen, denen die vier Jüngeren zunächst etwas komisch erscheinen. Sie sprechen einander mit den Namen von Zierpflanzen an und Sex scheint ihnen eine fremde Kulturpraxis zu sein. Doch dann beginnen beide „Cluster“ miteinander ins Gespräch zu kommen. Wenn Sex die Vergangenheit wäre, wie sähe dann die Zukunft aus?




Ein Dossier zum Thema „Sex(los)“ in Japan finden Sie auf der Website des Goethe-Instituts: https://www.goethe.de/ins/jp/de/kul/sup/-.html

In der deutschen Übersetzung von Andreas Regelsberger.


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Uraufführung am 14. April 2018

pressestimmen

„Toshiki Okada bringt im Schauspielhaus der Münchner Kammerspiele „No Sex“ heraus, einen entzückenden Abend über den Verlust der Lust an der Gier, der einen mit einem (...) zauberhaft leichten Lächeln in die Nacht hinausschickt.“ (Süddeutsche Zeitung- Egbert Tholl)

„Schon lange nicht mehr war man so beseelt im Theater wie bei „No Sex“, der zweiten Inszenierung, die Toshiki Okada derzeit in München zeigt. Der Japaner nimmt darin die Lust seiner Landsleute auf Lustlosigkeit aufs Korn, veranstaltet ein irrsinnig komisches Spiel um vier verklemmte Herren, die sich körperlich in Nō-Manier und mit Verrenkungsverzweiflung um ihre Geschlechtlichkeit drücken, in Karaoke-Songs und im Wissenschaftsjargon den nie erlebten Orgasmus umkreisen. Einen verzweifelten Ausdruckstanz der unterdrückten Triebe vollführen Thomas Hauser, Christian Löber, Benjamin Radjaipour und Franz Rogowski, derweil Stefan Märki den sonoren und kess besohlten Barbesitzer, Annette Paulmann eine umwerfend offenherzig-plumpe Putzfrau gibt.
Wie da bemitleidenswert Verkorkste mit ihrem Erschrecken vor der eigenen aufbrechenden Notgeilheit kämpfen, ist famos gespielt und hat doch diesen leisen, traurigen Rest von grosser Einsamkeit in einer durchorganisierten Gesellschaft.
Und solch ein Theater will man in München ziehen lassen?“ (NZZ- Nernd Noack)

„ Den Zuschauer irritiert die Ambivalenz von Wort und Körper, aber positiv. Soll er dem hinreißenden Nonsens trauen oder der stilvollen Tristesse? Der Entspannung oder der Anspannung in sich? Seinen Augen oder seinen Ohren? Oder am Ende diesem diffusen Gefühl? Denn das macht das Theater Okadas so faszinierend: dass das eine nicht vom anderen zu trennen ist, dass es nur in seiner Widersprüchlichkeit funktioniert und gerade in seiner Künstlichkeit echt wird.“ (FAZ- Theresa Grenzmann)

„Das extrem realistische Bühnenbild zeigt eine japanische Karaokebar wie aus dem Bilderbuch, eine schicke Lounge mit Sitzgruppe, Glitzertapete und Lichtorgel. Hier treffen sich vier junge Männer, die Namen von Zierpflanzen tragen und den Sex nicht kennen, um bekannte Lovesongs der Popmusik nachzusingen. Gewandet in futuristisch- fernöstliche Outfits irgendwo zwischen Geisha, Samurai und Yedi-Ritter, trällern sie ‚Oh Baby, küss mich, beiß mich, nimm mich in die Arme.‘ Allerdings nur, um anschließend ein irrwitziges Theorie-Geschwurbel darüber loszulassen, in dem von Personalpronomen, „Clustern“ und dem „fiktionalen Ich“ die Rede ist.“ (Münchner Merkur- Alexander Altmann)

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