Kammer 1

ENDSTATION SEHNSUCHT: MARE NOSTRUM

VON LAURA URIBE, IN SPAN. SPRACHE MIT DT. ÜBERTITELN, ANSCHL. PARTY IM CONVIVA & BAR

Gastspiel

In dieser Inszenierung beschäftigt sich auch die Schauspielerin und Regisseurin Laura Uribe mit der Situation von Migranten, die aufgrund von Kriegsgeschehen aus ihren Heimatländern vertrieben worden sind. Was die Wahl der künstlerischen Mittel angeht, so fällt das Ergebnis allerdings völlig anders aus als in der Arbeit von Ángel Herndández für das Festival „Endstation Sehnsucht“. Die Idee zu dem Projekt von Laura Uribe ist aus einer Zusammenarbeit zwischen den Theaterabteilungen von Universitäten in Mexiko City und im kolumbianischen Medellín entstanden.

„Mare Nostrum“ ist zeitgenössisches Dokumentartheater, in dem Multimedia, Performance und Installationen eine spannungsreiche Beziehung eingehen. Persönliche Erlebnisse, Statistiken und Reflexionen formieren sich zu einem Panorama, das aus unterschiedlichen Perspektiven von den Schmerzen und den Verlusterfahrungen vertriebener Menschen erzählt. Es werden Parallelen gezogen zwischen den Tragödien, die sich zwischen Afrika und Europa, auf dem Mittelmeer und in Syrien abspielen, und den Aussagen von Zeugen der Gewalt in Kolumbien.

Seit 50 Jahren tobt in dem mittelamerikanischen Land zwischen der Regierung und den paramilitärischen Verbänden der FARC-EP ein an Grausamkeit kaum zu überbietender Konflikt. Er treibt die dort lebenden Menschen in die Flucht nach Mexiko – und von da aus weiter an die Grenze zu den USA. Erst am 22. Juni 2016 wurde zwischen den Kriegsparteien ein endgültiger Waffenstillstand vereinbart. Für seine Rolle in diesem Annäherungsprozess erhielt der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos den Nobelpreis. Das negative Votum der Bevölkerung zu dem von der Regierung verhandelten Kompromiss, der zahllose Verbrechen ungesühnt gelassen hätte, hat mittlerweile alle Hoffnungen auf eine dauerhafte Lösung des Konflikts zunichte gemacht.

„Mare Nostrum“ spannt einen großen dramaturgischen Bogen, der von abrupten Brüchen gekennzeichnet ist. Das Publikum taucht ein in einen Strom provokanter und eklektischer Bilder, in einen Sprachfluss, der gleichermaßen poetisch und aggressiv daherkommt. Selbst in Momenten größter Verzweiflung bleiben Anflüge von Humor spürbar. Von einer Holzhütte, in der eine Sängerin eine Ballade summt, werden die Zuschauer mitten in den Dschungel versetzt, in dem eine Frau erzählt, wie ihre Mutter bei einem Massaker durchlöchert wurde. Die Vorstellung, dass sich Fische in Menschen verwandeln können, ruft halluzinatorische Traumbilder hervor.

Mit ihrer Inszenierung prangert Laura Uribe die Ungerechtigkeit und die Imhumanität eines Kapitalismus an, der systematisch die Entwurzelung und das spurlose Verschwinden abertausender Menschen produziert. In einem mächtigen Endbild treiben drei Körper, umgeben von Kleidung, die längst ihre Besitzer verloren hat, durch die Fluten in das Vergessen und in eine unendliche Einsamkeit hinein.

Laura Uribe wurde an der nationalen Theaterschule von Mexiko Theatre School of Mexico ausgebildet. Bekannt wurde sie durch die Gründung einer Gruppe mit dem rätselhaften Namen Teatro en Código („Kodiertes Theater“). Ihre Produktion „Mare Nostrum“ basiert unter anderem auf Texten der kolumbianischen Schauspieler Marisol Álvarez, Tata Castañeda, Emanuel M. Madrigal und Manuela Paniagua. Die Arbeit wurde von einem Stück der spanischen Dramatikerin und Performerin Angélica Liddell inspiriert: „Und die Fische zogen aus, um gegen die Menschheit zu kämpfen“.

MIT Marisol Álvarez, Tata Castañeda, Esteban M. Madrigal, Manuela Paniagua REGIE UND LEITUNG Laura Uribe LEITER DER TECHNIK, SZENENBILD UND LICHTBILD Tenzing Ortega KOSTÜM Ricardo Loyola MULTIMEDIA DESIGN Edmundo Herrera, Héctor Cruz und Laura Uribe MULTIMEDIA LIVE PERFORMANCE Héctor Cruz SOUND DESIGN Edmundo Herrera and Anna Cristina Portillo LIVE MUSICAL DESIGN Tata Castañeda RAUMKONZEPT Laura Uribe DRAMATURGIST Manuela Paniagua DRAMATURGIE Noé Morales KÜNSTLERISCHE ZUSAMMENARBEIT María Sandoval und Noé Morales

Das Stück enthält Texte von: Laura Uribe, Marisol Álvarez, Tata Castañeda und Esteban M. Madrigal, Noé Morales und Angélica Liddell (Fragmente des Stücks „Die Fische kamen heraus um gegen Männer zu kämpfen“)

EINE PRODUKTION VON:
TeatroUNAM, Universidad de Antioquia und Teatro en Código Company.



Teil von ENDSTATION SEHNSUCHT – THEATER IN MEXIKO: EIN FESTIVAL ÜBER FLUCHT, IDENTITÄT UND DIE DARSTELLBARKEIT VON GEWALT

22. bis 27. November in allen Kammern

Kuratiert von Christoph Gurk und Ilona Goyeneche. In Kooperation mit dem Goethe-Institut Mexiko. Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes. Mit Unterstützung von Secretaría de Cultura de México, dem Goethe-Institut München und dem Instituto Cervantes.



Neben dem Ticket für die einzelne Veranstaltung ist an der Tageskasse auch ein FESTIVALPASS erhältlich.

FESTIVALPASS (für 6 Tage): 60 Euro / erm. 40 Euro

Zum gesamten Programm geht es hier.