Kammer 1

ON THE ROAD

Nach dem Roman von Jack Kerouac

Inszenierung: David Marton

Schauspiel

Jack Kerouac, alias Sal Paradise, steht im strömenden Regen nahe New York an der Straße und will, dass seine Reise in den Westen endlich beginnt. Aber es kommt kein Bus, kein Auto hält an, er muss unverrichteter Dinge zurück in die Stadt. Auf diesen ersten erfolglosen Aufbruch folgt dann doch eine jahrelange Reise, eine ruhelose, drogenbeschleunigte Irrfahrt auf der Suche nach etwas, das er selber nicht kennt. Zwischen Aufbruch und Ankunft ballen sich seine Sehnsucht nach Freiheit und die Illusion von Bewegung – irgendwo in den Zwischenräumen und Haltestellen. Unterwegs.
Ende der 1940er Jahre „improvisiert“ Jack Kerouac, die Bebop-Soli eines Charlie Parkers im Ohr, seinen autobiographischen Roman „On the Road“ auf einer 36 Meter langen Butterbrotpapierrolle und zeichnet so die Anfänge der Beat-Generation: das Bild einer Gruppe junger Schriftsteller, die sich als NOTORISCHE HERUMTREIBER GEGEN DEN ZEITGEIST verbünden. Sie kennen die Schrecken des Weltkriegs und der Atombombe und fühlen sich vom Konformismus erdrückt, der das Amerika des Kalten Kriegs beherrscht. Wie Springteufel jagen sie ohne Geld kreuz und quer durch Amerika, immer der Erleuchtung und der Erlösung hinterher. Ihre Suche nach Glück und wahrer Liebe ist einer Sehnsucht geschuldet, die sich an Leerstellen aufreibt. „Irgendwo unterwegs, das wusste ich, gab es Mädchen, Visionen, alles; irgendwo auf dem Weg würde mir die Perle überreicht“, verspricht sich Sal Paradise. Aber das GLÜCK DER FREIHEIT bleibt als Schimäre auf Papier gebannt.
Dennoch wird „On the Road“ zum Kult, zum literarischen Anstoß umfassender gegenkultureller Bewegungen, bis hin zum Beatnik-Chic. Warum? Gegen welchen bürgerlichen Mief würde sich eine Generation heute verbünden? Wen treibt es weiter mit diesem unstillbaren Lebenshunger und wohin? Nach Westen wie Goldschürfer oder in die Traumfabrik Hollywood?

Der Regisseur David Marton, der in den vergangenen zwei Spielzeiten an den Kammerspielen ein Opernhaus gründete und darin u.a. „La Sonnambula“ und „Figaros Hochzeit“ zur Aufführung brachte, spürt mit seiner Truppe von SchauspielerInnen und MusikerInnen den Sehnsüchten einer Clique nach, die Freiräume schafft und doch gegen Wände läuft. Die Rhythmen des Bebop verweben die JazzmusikerInnen auf der Bühne mit Kerouacs eigenartig musikalischem Textfluss zu Klangflächen, die Wort und Musik verknüpfen. David Martons Musiktheater führt so in die Geschichten der GlückssucherInnen und ihrer Reise in die Zwischenräume des Lebens hinein.


Mit

Hassan Akkouch, Jelena Kuljić, Julia Riedler, Thomas Schmauser

Inszenierung

David Marton

Bühne

Amber Vandenhoeck, David Marton

Kostüme

Pola Kardum

Video

Kevin Barz

Licht

Henning Streck

Musik

Daniel Dorsch, Michael Wilhelmi, Paul Brody

Dramaturgie

Christine Milz, Christoph Gurk

Premiere am 28. September 2017