Kammer 1

MACBETH

VON WILLIAM SHAKESPEARE, INSZENIERUNG: AMIR REZA KOOHESTANI

Schauspiel

Was trieb Shakespeare an, die Tragödie eines Königsmörderpaares zu schreiben und was spielt das vierhundert Jahre später im politischen Alltag für eine Rolle? Danach fragt der iranische Regisseur Amir Reza Koohestani in seiner Adaption von „Macbeth“.

Alle Mittel sind ihnen recht, um den selbstempfundenen Anspruch auf den Thron durchzusetzen: In einer seiner bekanntesten Tragödien erzählt Shakespeare die Geschichte von Macbeth und Lady Macbeth, die sich skrupellos mordend auf den Thron von Schottland vorkämpfen und am Ende dafür büßen müssen. Kurz nachdem sich Macbeth durch die Beseitigung des amtierenden Königs die Krone gesichert hat, verliert seine Frau den Verstand. Erst treibende Kraft hinter den Gräueltaten, umnebelt das schlechte Gewissen ihren Geist. Auf diese Weise vereinsamt, entwickelt sich Macbeth zum verbitterten Tyrann. Schließlich verliert er im Zweikampf Krone und Leben.

Shakespeare schrieb „Macbeth“ 1605/06 als Hofdichter von Jakob I., der als großer Förderer der Künste galt und Shakespeares Truppe nach seiner Thronbesteigung weitreichende Privilegien zugestanden hatte. Zur Parlamentseröffnung war Jakobs Herrschaft durch den sogenannten „Gunpowder Plot“ (Pulververschwörung) jedoch kurzfristig stark in Gefahr geraten: Katholiken versuchten, den protestantischen König, seine Regierung und die Parlamentarier zu töten. Shakespeare hatte also allen Grund, sich seinem König erkenntlich zu zeigen und ein Drama zu schreiben, in dem die Königsmörder ein düsteres und schmerzensreiches Ende nehmen. Er stärkte damit sowohl die Position Jakob I. als auch seine eigene.

Der iranische Regisseur Amir Reza Koohestani inszeniert nach den Romanadaptionen „Der Fall Meursault – Eine Gegendarstellung“ und „Die Attentäterin“ zum ersten Mal an den Münchner Kammerspielen ein zentrales Stück des westlichen Theaterkanons. In seiner Inszenierung beschäftigt er sich damit, wie durch das Erzählen von fiktionalen Geschichten politische Machtverhältnisse gestärkt oder hinterfragt werden können. Wie unschuldig oder wie gefährlich ist die Kunst? In einer Zeit, in der die Regierungen vieler Länder auch im Westen versuchen, Einfluss auf Kunstschaffende und Institutionen zu nehmen und missliebigen Positionen die Fördermittel zu streichen, sie zu zensieren oder ins Gefängnis zu stecken, ist eine solche Perspektive auf die Geschichte des Königsmörders „Macbeth“ keine spezifisch iranische.