Kammer 1

WHAT THEY WANT TO HEAR

EIN PROJEKT VON LOLA ARIAS UND DEM OPEN BORDER ENSEMBLE. TEXT: LOLA ARIAS, IN ZUSAMMENARBEIT MIT RAAED AL KOUR / AUF DEUTSCH, ARABISCH UND ENGLISCH, MIT ÜBERTITELUNG

Inszenierung: Lola Arias, Lola Arias

Schauspiel

Du fliehst aus dem einen und landest in einem anderen Land. Wenn Du dort ankommst, hast Du keinen Pass, keine Fotos, keine Papiere, keine wie auch immer gearteten Dokumente, die beweisen würden, wer Du bist und wieso Du geflohen bist. Du hast nur Deinen Körper und eine Geschichte. Die Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 stellt fest, dass jede Person, die in ihrem Land verfolgt wird, das Recht auf Asyl hat. Der wichtigste Teil des Asylverfahrens ist ein Interview, das ein/e Staatsbedienstete/r, ein/e ÜbersetzerIn und der/die AntragstellerIn hinter verschlossenen Türen führen. Die Glaubwürdigkeit des/r AntragsstellerIn wird anhand seiner/ihrer Worte und Gesten beurteilt und jedes Wort wird schriftlich festgehalten, wie ein kleines Kammerspiel. Wie sagst Du, was sie hören wollen? Welche Gesten, Pausen oder Gefühle werden Dein Schicksal bestimmen? Wie erzählst Du jemandem eine glaubwürdige Geschichte, der/die Dein Land nur von Google Maps her kennt?

„What They Want to Hear“ basiert auf der Geschichte eines syrischen Mannes, der seit vier Jahren ohne irgendeinen Status in den Fängen der Bürokratie feststeckt. Es ist ein Projekt, das in einer Zeit sich schließender Grenzen aus der Zusammenarbeit von syrischen und deutschen SchauspielerInnen, AktivistInnen und Geflüchteten entsteht.



Mit fachlicher Unterstützung von Refugio München, Beratungs- und Behandlungszentrum für traumatisierte Menschen mit Fluchterfahrung.


Hinweis: Scrollen Sie bis zum Ende der Seite, um das Abendprogramm als PDF zu finden.

Mit

Hassan Akkouch, Raaed Al Kour, Jamal Choucair, Kinan Hmeidan, Kamel Najma, Michaela Steiger

Inszenierung

Lola Arias

Bühne

Dominic Huber

Kostüme

Lena Mody

Video

Mikko Gaestel

Musik

Jens Friebe

Licht

Charlotte Marr, Charlotte Marr

Stagehand

Sajad Hosayni

Übersetzung

Rabelle Erian

Dramaturgie

Katinka Deecke, Anna Gschnitzer, Krystel Khoury

Gefördert durch die

Kulturstiftung des Bundes
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Uraufführung am 22. Juni 2018

pressestimmen

„Und ja: Man kann mit solchen Geschichten auch anders in Berührung kommen, und doch sei "What I Want to Hear" [sic!] unbedingt jeder Münchner Schulklasse empfohlen. Den bayerischen Ministerpräsidenten und seinen Vorgänger dagegen sollte man dauerverpflichten und gar nicht mehr rauslassen aus dem Theater. Damit wären auch gleich viele Probleme auf einmal gelöst.“
(nachtkritik.de, Sabine Leucht)

„Lola Arias ist international bekannt für den sehr respektvollen Zugriff ihres Dokumentartheaters auf Menschen und ihre Schicksale, die immer auch für etwas Größeres stehen. Und so wirft sie auch jetzt wieder mit „What they want to hear“ ein behutsames Schlaglicht auf Menschenleben, diesmal auf jene, die zu Spielbällen bürokratischer Verfahren werden. Dabei lässt sie auch noch die Geschichten einiger anderer ihrer Darsteller aufscheinen, seien es solche aus dem Ensemble der Münchner Kammerspiele oder auch jene aus dem Open Border Ensemble, das aus syrischen Schauspielern besteht, die auf Einladung der Kammerspiele seit Kurzem für ein Jahr mit Arbeitsvisa in München auf der Bühne stehen. Und so zeigt sich "What they want to hear" als eindringlicher und ruhiger, theatraler Kommentar zur gerade jetzt wieder hochgepeitschten Flüchtlingsdebatte.“ (deutschlandfunk.de, Sven Ricklefs)

„Wie kräftezehrend die letzten vier Jahre für Raaed Al Kour gewesen sein müssen, lässt sich im Laufe des Abends immer mehr nachempfinden. […] Eigentlich findet hier ein existentielles Drama statt, aber das akkurate Behörden-Interieur, das Dominic Huber in der Kammer 1 eingerichtet hat, ist von steriler Nüchternheit – ähnlich, wie die Menschlichkeit im ritualisierten Befragen unterschwellig und manchmal ganz offenbar verloren geht.“
(Abendzeitung, Michael Stadler)

„Es darf gelacht werden. Denn gelegentlich ist dieser Abend überraschend komisch, obwohl es um ein trauriges Thema geht in der letzten Kammerspiel–Premiere der Saison. Nämlich um Flüchtlingsschicksale und die automatische Verwandlung hilfsbedürftiger Menschen in Verfügungsmasse der Verwaltung. […] Lola Arias hütet sich aber vor wohlfeilen Schuldzuweisungen. Sie will hier keine im Prinzip ja sinnvolle Verwaltung als böse Bürokratie denunzieren, so als wäre die ein moralisches Subjekt. Vielmehr zeigt die argentinische Theatermacherin, wie aus der Begegnung von Bürokratie und leidendem Individuum notwendig Inhumanität entstehen muss. Begeisterter Jubel.“
(Münchner Merkur, Alexander Altmann)

„Wie viel in Übersetzungsfehlern verloren geht, wie viel Schmerz es bereiten muss, wenn der Muttername falsch geschrieben wird, einem eine Religion zugeteilt wird und Worte in den Mund gelegt werden, lässt sich im Laufe des Abends immer mehr nachempfinden. […] „What they want to hear“ in den Kammerspielen bringt uns die Situation von Asylbewerben mitreißend nahe. Ein existenzielles Drama, das sich tagtäglich in Deutschland abspielt.“
(kulturinmuenchen.de, Carolina Felberbaum)

„Warum schutzbedürftige Flüchtlinge auch nach ihrer Flucht in permanenter Angst leben, zeigt Lola Arias Abend in einer Mischung aus dokumentarischen Szenen und fiktionalen Einschüben. Arias spielt die einzelnen Stationen eines Flüchtlingsschicksals durch, von der Bamf-Befragung über das Zusammentreffen mit einer ehrenamtlichen Helferin und einer Juristin, die immerhin eine Aufschiebung der Abschiebung erreicht.“
(schwaebische.de, Jürgen Berger)


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