Kammer 3

KATASTROPHE #2

Eine Reihe des Ensembles / Thomas Hauser: „Nigorozorudoka“

Performance

Der englische Begriff „Speedrun“ beschreibt das Durchspielen eines Videospiels innerhalb einer schnellstmöglichen Zeit.

Narcissa Wright (geboren Cosmo Wright) belegte 2015 bei der „Nintendo World Championship“, unter 16 weiteren ausgewählten Gamern, den zweiten Platz. Im selben Jahr begann sie mit ihrer Umwandlung zur Trans-Frau, woraufhin sie im April ihren Account auf dem Live-Streaming Videoportal Twitch – unter Anführung diverser Beschimpfungen und Kritik – für kurze Zeit löschte. Selbige Online-Plattform wird jährlich zum digitalen Übertragungsort der „Awesome Games Done Quick“, einem Speedrun-Spendenmarathon, welcher im Jahr 2017 durch 296.378 Spender einen Beitrag von 12.317.535,28 US-Dollar zur Krebsforschung sammeln konnte.

Während Amokläufern ihr Hang zum exzessiven Gaming als Gewaltpotenzierung nachgesagt wird und die Bundeskanzlerin die Kölner Videospielmesse mit einem Bekenntnis zur Branche und deren Kundenstamm eröffnet, liest sich der Dialog zwischen Rémy Marathe und Hugh Steeply in David Foster Wallace’s Epos „Infinite Jest“ wie ein philosophischer Konsumkommentar, äquivalent angesiedelt in der Unterhaltungsindustrie des Film und Fernsehens.

In Katastrophe #2 – „Nigorozorudoka“ wird das Videospiel zum heiß begehrten Objekt der in der Realität schwebenden Figuren von David Foster Wallace. Ein unendlicher „Speedrun“.

Das Öffentlich-Rechtliche kooperiert in Deutschland mit Bezahlsendern, um dem amerikanischen Wust der nicht enden wollenden Serienkonzepte ebenbürtig zu werden. Für diejenigen, die es sich „leisten können“, liegt der Zugang zum „Komaglotzen“ – seit geraumer Zeit – einen Mausklick entfernt. Und was passiert zwischen den Bildraten? Warum die nicht zu erschöpfenden Mühen von Programmdirektor_innen und Programmierer_innen, einen unendlichen Spaß zu schaffen? „Denn du kannst dir bestimmt denken, welche Folgen das für eine industrialisierte Marktwirtschaft mit großen individuellen Handlungsspielräumen hätte.“ (Hugh Steeply – „Infinite Jest“)

Mit

Niklas Herbert Wetzel, Thomas Hauser

Ausstattung

Katharina Pia Schütz

Dramaturgie

Thomas Hauser

Künstlerische Mitarbeit

Felix Lübkemann

Dramaturgische Beratung

Christine Milz, Christopher-Fares Köhler

Konzept und Idee

Thomas Hauser