Kammer 2

K.I.-DISKURS #4: POPKULTUR

VORTRAG VON LIZ PELLY – STREAMING-DIENSTE: PERSONALISIERTE WIEDERGABELISTEN UND IHR EINFLUSS AUF MUSIK / PANEL MIT PETER KIRN, LIZ PELLY, VILLE HAIMALA (AMNESIA SCANNER), MODERATION: CAROLINE BUSTA // AUF ENGLISCH, EINTRITT FREI

Panel

In den vergangenen 20 Jahren hat die technologische Entwicklung zur einer radikalen Neuordnung der Musikbranche geführt. Insbesondere die Fortschritte im Bereich des Deep Learning, einhergehend mit der Möglichkeit, die Auswahl von Musiktiteln über Algorithmen zu steuern oder einen Track gleich von Maschinen komponieren zu lassen, wirft grundlegende Fragen zu Identität, Autor*innenschaft und Kreativität auf. Ist es überhaupt noch möglich, zwischen Musik als einer von Menschen hervorgebrachten sozialen Kraft und ihrem algorithmisch erzeugten Gegenteil zu unterscheiden?


am 15. Juni um 16 Uhr:

Vortrag: LIZ PELLY – Streaming-Dienste: Personalisierte Wiedergabelisten und ihr Einfluss auf Musik

In dem Maße, wie Streaming-Dienste mit makellosen und konfliktfreien Produkten ihre Gewinne steigern, wird die Musik selber entwertet. Bei Spotify sind algorithmisierte und auf Nutzerdaten basierende Wiedergabelisten das zentrale Instrument der Profitmaximierung. Die Mechanismen dieser Personalisierungsprozesse sind nicht zuletzt deshalb zu hinterfragen, weil datengetriebene Werbestrategien zunehmend mit Verhaltensmanipulationen einhergehen. Eine Plattform, die behauptet, neutral zu sein, schafft wiederholt Anreize für bestimmte Arten von Musik und für Interaktionen mit Musik, die der Selbststabilisierung des Systems dienen. Streaming verändert alles – von der sozialen Ökonomie der Musik bis hin zu der Art und Weise, wie die Songs klingen, die wir hören.


Anschließend Panel mit: PETER KIRN, LIZ PELLY, VILLE HAIMALA

Moderation: CAROLINE BUSTA

Als Spotify im Jahr 2006 gegründet wurde, ging es darum, das Problem des Online-Musikvertriebs zu lösen und Künstler für jeden Einsatz eines Tracks zu vergüten. 13 Jahre später hat sich der Streamingdienst zu einem riesigen Datenknotenpunkt entwickelt, der einen tiefgreifenden Einfluss darauf hat, wie Künstler und Publikum sich verbinden. Das auf den Vortrag von Liz Pelly folgende Panel wird einen Schwerpunkt auf den Begriff der Autonomie für die zeitgenössische Kulturproduktion legen. Welche Rolle hat die sogenannte Indie-Musik bei der Entwicklung von Big Tech gespielt? Zu welchen Bedingungen und zu welchem Preis kann sie heute ihren Claim auf Unabhängigkeit definieren und aufrechterhalten?

Welche Strategien der Kreativität stehen Künstler*innen im Zeitalter maschineller Produktion und Selektion von Musik zur Verfügung? Ein interessantes Beispiel für die letztere Frage ist das Duo Amnesia Scanner, das die hier angesprochenen Phänomene aufgreift und weitertreibt. Die beiden Mitglieder verschleiern selber ihre Identität. In einer Zeit, in der von Künstler*innen gefordert wird, in allen Lebensbereichen ihr persönliches Selbst auf die Bühne zu bringen und auszubeuten, haben sie über diese Geste der Weigerung einen geschützten Raum der Kreativität bewahrt.

Welche Modelle der Produktion, der Rezeption, des Vertriebs und der Vergütung können wir uns überhaupt vorstellen?

Das Panel bringt vier Personen auf die Bühne, die in der aktuellen Musikbranche in unterschiedlichen Funktionen tätig sind:

Die New Yorker Musikerin und Musikjournalistin Liz Pelly hat ausführlich über Spotify und über die Frage geschrieben, was wir in Zeiten von Musik-Streaming-Plattformen unter dem Begriff "Independent Music" verstehen könnten.

Der Musiker, Komponist und Journalist Peter Kirn hat im Jahr 2005 das Portal Create Digital Music (cdm.link) gegründet, ein Online-Magazin für kreative Technologie im Musikbereich.

Ville Haimala ist Künstler, Musikproduzent und eine Hälfte des Duos Amnesia Scanner. In den vergangenen Jahren hat er auch mit Künstler*innen wie FKA Twigs, Holly Herndon und Anne Imhof zusammengearbeitet.

Caroline Busta ist Gründerin des technologiekritischen Medienportals newmodels.io und ehemalige Chefredakteurin von Texte zur Kunst.



Im Kontext des Festivals „Politik der Algorithmen – Kunst, Leben, Künstliche Intelligenz“ von 11. bis 16. Juni 2019


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