Kammer 1

UNTERWERFUNG / PLATTFORM

NACH DEN ROMANEN VON MICHEL HOUELLEBECQ

Inszenierung: Nicolas Stemann und Ensemble (nach Julien Gosselin)

Schauspiel

„Der Islam gehört zu Deutschland.“ (Christian Wulff) – Am Ende gibt es einen Terroranschlag. Oder einen neuen Präsidenten. Vielleicht gibt es auch zuerst eine islamistische Attacke und anschließend die Wahl eines Moslems zum Staatsoberhaupt. In Michel Houellebecqs 2015 erschienener politischer Fiktion „Unterwerfung“ markiert die Wahl eines muslimischen Präsidenten das Ende von bürgerkriegsähnlichen Unruhen in der französischen Hauptstadt. Statt sich angesichts erodierender Sicherheiten und brüchig gewordener bürgerlicher Werte den einfachen Lösungen des Front National (oder der AfD oder der Pegida oder der Dänischen Volkspartei oder der italienischen Forza Nuova oder der ungarischen Jobbik-Partei oder der polnischen Partei Recht und Gerechtigkeit oder oder oder oder) zu überlassen, entscheidet sich Houellebecqs Frankreich für die islamische Alternative. Die Vorteile sind nicht von der Hand zu weisen, sagt sich François, seines Zeichens Literaturprofessor an der Sorbonne und Protagonist von Houellebecqs Roman, und konvertiert kurzerhand zum Islam: Sind neben der öffentlichen Ordnung doch auch eindeutige Geschlechterverhältnisse wiederhergestellt. Der Mann François darf sich endlich wieder als solcher fühlen, schließlich hat in Houellebecqs Version des Islam nur er Zugang zu öffentlichen Ehren und Ämtern und die aus der Öffentlichkeit verdrängte Frau kann alle Zeit und Kraft in die Befriedigung der sexuellen und sonstigen Bedürfnisse des Mannes investieren. Genau wie ihre Mitfrauen, Polygamie ist schließlich erlaubt ...
Bevor allerdings der Islam Westeuropa befrieden kann, gilt es brutale islamistische Anschläge zu überstehen. 15 Jahre vor „Unterwerfung“ schreibt Houellebecq „Plattform“: Mit Bomben weisen die Terroristen hierden westlich-aufgeklärten Laizismus in seine Schranken. Eine Kultur, die nicht Transzendenz sondern Hedonismus, Lust und Selbstverwirklichung befördert, hat gegen eine sinnstiftende Religion, die erst durch Bomben ihre Ernsthaftigkeit und dann durch soziales Engagement ihre Fürsorge beweist, schlechte Karten. Der junge französische Regisseur Julien Gosselin, der mit seiner Adaption von Houellebecqs „Elementarteilchen“ vor drei Jahren europaweit bekannt wurde und im Juli 2016 mit der Aufführung von Roberto Bolaños Monumentalwerk „2666“ beim Festival d’Avignon Premiere hat, inszeniert für seine erste Arbeit außerhalb von Frankreich Houellebecqs Romane „Unterwerfung“ und „Plattform“.

Premiere am 19. November 2016