Kammer 2

DIE KRÄNKUNGEN DER MENSCHHEIT

INSZENIERUNG: ANTA HELENA RECKE

Schauspiel

GIBT ES TATSÄCHLICH NUR EINE MENSCHHEITSGESCHICHTE? UND WAS IST, WENN ES KEIN WEISSER MENSCH MEHR IST, DER SIE SCHREIBT UND DEUTET? ANTWORTEN DARAUF SUCHT DIE REGISSEURIN ANTA HELENA RECKE.

Das Musikvideo „Apeshit“ von Beyoncé Knowles und ihrem Mann Jay-Z wurde allein auf YouTube 150 Millionen Mal geklickt. Es zeigt „The Carters“ mit einer Performance im Pariser Louvre. Das Museum ist Sinnbild europäischer Kunst, es steht für die eine Kunstgeschichte und ist bestückt mit den Kunstwerken bedeutender weißer Männer – auf und hinter der Leinwand. Beyoncé steht im Vergleich zu all dem Vergangenen als lebendiges Kunstwerk vor dem ikonischen Bild „Mona Lisa“ und zeigt uns ganz deutlich: Im Hintergrund liegt die Vergangenheit, im Vordergrund die Gegenwart. Andere Körper, andere Geschichten, andere Kunst.

In der neuen Arbeit von Anta Helena Recke steht diese eurozentrische Behauptung einer universellen Menschheits- und Kunstgeschichte ebenfalls auf dem Prüfstand. Ausgehend von Sigmund Freuds Text „Eine Schwierigkeit der Psychoanalyse“ werden die von ihm diagnostizierten drei Kränkungen der Menschheit – die Erkenntnis, dass der Mensch nicht der Mittelpunkt des Universums ist, dass er vom Affen abstammt und dass er ein Unterbewusstsein hat, welches er nicht steuern kann – um eine vierte Kränkung erweitert. Die ungeheure Kränkung, dass es nicht nur die „eine Menschheit“ gibt. Mal sehen, wo uns diese Erkenntnis hinbringt!

Anta Helena Recke ist eine konzeptuell arbeitende Regisseurin. Sie spielt mit den Genres Theater, Performance und bildende Kunst und inszeniert in Stadttheatern genauso wie in der Freien Szene. Reckes Inszenierung „Mittelreich“, die 2017 an den Münchner Kammerspielen Premiere feierte, war 2018 beim Theaterfestival „Radikal jung“ vertreten und wurde zum Berliner Theatertreffen eingeladen. In der Kritiker*innenumfrage von Theater heute wurde sie zur Nachwuchskünstlerin des Jahres 2018 gewählt. Sie ist zudem Preisträgerin des Internationalen Theaterinstituts (ITI) 2019.

Uraufführung am 26. September 2019