Kammer 2

DIE KRÄNKUNGEN DER MENSCHHEIT

Inszenierung: Anta Helena Recke

Performance

Das Musikvideo „Apeshit“ von Beyoncé Knowles und Jay-Z wurde allein auf YouTube 150 Millionen Mal geklickt. Es zeigt „The Carters“, wie sich das Paar nennt, mit einer Performance im Pariser Louvre. Das Museum ist Sinnbild europäischer Kunst, es steht für die eine Kunstgeschichte. Beyoncé steht im Vergleich zu all dem Vergangenen als lebendiges Kunstwerk und zeigt uns ganz deutlich: Im Hintergrund liegt die Vergangenheit, im Vordergrund die Gegenwart. In der neuen Arbeit von Anta Helena Recke steht die eurozentrische Behauptung einer universellen Menschheits- und Kunstgeschichte ebenfalls auf dem Prüfstand. Ausgehend von Sigmund Freuds Text „Eine Schwierigkeit der Psychoanalyse“ werden die von ihm diagnostizierten drei Kränkungen der Menschheit – die Erkenntnis, dass die Erde nicht der Mittelpunkt des Universums ist, dass der Mensch vom Affen abstammt und dass er ein Unterbewusstsein hat, das er nicht steuern kann – um eine vierte Kränkung erweitert. Die Tatsache, dass die größte Illusion darin besteht, von einer Menschheit auszugehen, wird hartnäckig übersehen. Vielleicht, weil das eine der tiefgreifendsten Kränkungen des „menschlichen Egos“ darstellen würde.
Gerade das gegenwärtig zu beobachtende globale Wiedererstarken faschistischer Kräfte, Phänomene wie „Men’s Right Activism“ und das selbstbewusste Auftreten von White Supremacy Gruppierungen zeigen, wie tiefgreifend die Illusion einer weißen männlichen Menschheit im weißen Körper verankert ist. Alle wehren sich mit Haut und Haaren – und sind sich für nichts zu schade.

„Die Kränkungen der Menschheit" ist eine Produktion von Anta Helena Recke mit den Münchner Kammerspielen. In Koproduktion mit dem HAU Hebbel am Ufer Berlin, Kampnagel Hamburg und Mousonturm Frankfurt.

Gefördert durch das Kulturreferat der Landeshauptstadt München und den Fonds Darstellende Künste.

Diese Vorstellung ist nur bis Januar 2020 an den Kammerspielen zu sehen.

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Anta Helena Recke ist eine konzeptuell arbeitende Regisseurin. Sie spielt mit den Genres Theater, Performance und bildende Kunst und inszeniert in Stadttheatern genauso wie in der Freien Szene. Reckes Inszenierung „Mittelreich“, die 2017 an den Münchner Kammerspielen Premiere feierte, war 2018 beim Theaterfestival „Radikal jung“ vertreten und wurde zum Berliner Theatertreffen eingeladen. In der Kritiker*innenumfrage von Theater heute wurde sie zur Nachwuchskünstlerin des Jahres 2018 gewählt. Sie ist zudem Preisträgerin des Internationalen Theaterinstituts (ITI) 2019. Ihre neue Arbeit „Die Kränkungen der Menschheit“ entstand in Zusammenarbeit mit Anna Froelicher und Maxi Menja Lehmann.

Künstlerische Mitarbeit

Anna Froelicher, Maxi Menja Lehmann

Gong

Leon Frei

Kinder

Lendita Daffeh, Siri Fatou Seidl

Produktion

Olaf Nachtwey, Johanna Thomas

Choreografie, Text, Performance

Ariane Andereggen, Jean Chaize, Noah Donker, Sir Henry, Kinan Hmeidan, Mario Lopes, Samuel Lopes, Lara-Sophie Milagro, Benjamin Radjaipour, Vincent Redetzki, Joana Tischkau, Else Tunemyr, Hayato Yamaguchi, und weitere Mitwirkende aus München

Recherche

Marja Christians, Chiara Galesi

Inszenierung

Anta Helena Recke

Bühne

Carlo Siegfried

Licht

Joscha Eckert

Musik

Luca Mortellaro

Kostüme

Pola Kardum

Dramaturgie

Valerie Göhring

Unterstützt durch

Fonds Darstellende Künste
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Uraufführung am 26. September 2019

pressestimmen

„Wer wen aus welcher Perspektive und mit welchen vorgefassten Urteilen in den Blick nimmt oder aber auch nicht, wird immer wieder verschoben.“ (br)

„Das sind stark gesetzte Bilder und Geräusche, die weite Assoziationsfelder frei legen.“ (AZ)

„Kein Theaterstück, aber eine in ihrer Bilderästhetik schöne und vom humanistischen Impetus durchpulste Performance über die notwendige und eigentlich selbstverständliche Wertschätzung und Toleranz gegenüber anderen Kulturen und Lebensweisen.“ (Donaukurier)

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