Kammer 1

DIE ATTENTÄTERIN

Nach dem Roman von Yasmina Khadra

Inszenierung: Amir Reza Koohestani

Schauspiel

65% aller erfolgreichen Selbstmordattentate werden von Frauen verübt. Doch von allen Selbstmordattentaten überhaupt sind es nur 15%, für die Frauen verantwortlich sind. Weibliche suicide bombers geben der Forschung Rätsel auf: Töten sie wie die Männer im Namen eines Landes, einer Religion, eines Anführers? Oder kämpfen sie auch für ihr Geschlecht und gegen die fast immer patriarchal organisierten Gesellschaften, in denen sie meist leben und die Frauen oftmals nur einen sehr eng bemessenen Spielraum zumessen?
Amin Jaafari lebt in Tel Aviv. Er ist ein erfolgreicher Chirurg, hat eine Frau, die er liebt und ein ihm zugetanes Umfeld. Und er ist Palästinenser. Jeden Tag, nachdem er manchem Patienten das Leben gerettet hat und von der Arbeit nach Hause fährt, wird er von militärischen Posten kontrolliert. Er sieht nicht israelisch aus, daher halten die Soldaten den Lebensretter für einen Terroristen – der Grad ist schmal, auf dem das Leben seiner Normalität gewiss sein kann. Und EINES TAGES IST DER ABGRUND DA : Jaafari muss die Leiche seiner Frau identifizieren. Als Schwangere verkleidet hatte sie mit einem Selbstmordattentat ein Café und seine BesucherInnen in die Luft gesprengt. Jaafari muss erleben, wie sehr diese israelische Gesellschaft, in der er lebt und die ihm seit Jahren ein Zuhause war, sein Zuhause doch nicht ist. Er macht sich auf, um dem Geheimnis seiner Frau und den Täuschungen seines eigenen Lebens auf die Spur zu kommen. WIE WURDE SEINE FRAU ZUR MÖRDERIN? War es Verzweiflung? Glaube? Wut?
Der 1978 in Schiras im Iran geborene Regisseur und Autor Amir Reza Koohestani, der seit vielen Jahren seine mit der „Mehr Theater Group“ in Teheran erarbeiteten Stücke auf Gastspielen in Europa zeigt, inszeniert zum zweiten Mal an den Kammerspielen. Nach seiner identitätspolitisch versierten und poetisch aufgeladenen Inszenierung von „Der Fall Meursault – Eine Gegendarstellung“ von Kamel Daoud inszeniert er nun den Roman „Die Attentäterin“ des algerischen Schriftstellers Yasmina Khadra, der mit seinem 2005 erschienenen Roman eine kleine literarische Sensation verursacht hat, indem er sich nicht mit der Unfassbarkeit des Grauens abfand, sondern die terroristische Psyche zu verstehen suchte.

Inszenierung

Amir Reza Koohestani

Bühne

Mitra Nadjmabadi

Kostüme

Negar Nemati

Video

Benjamin Krieg

Dramaturgie

Katinka Deecke