Kammer 1

DIE ATTENTÄTERIN

IN EINER FASSUNG VON AMIR REZA KOOHESTANI, NACH DEM ROMAN VON YASMINA KHADRA / IN DEUTSCH UND FARSI MIT DT. / ENGL. ÜBERTITELN

Inszenierung: Amir Reza Koohestani

Schauspiel

65% aller „erfolgreichen“ Selbstmordattentate werden von Frauen verübt. Doch von allen Selbstmordattentaten überhaupt sind es nur 15 %, für die Frauen verantwortlich sind. Weibliche suicide bombers geben der Forschung Rätsel auf: Töten sie wie die Männer im Namen eines Landes, einer Religion, eines Anführers? Sind es womöglich romantische Grunde wie die Liebe zu einem Mudschahed, die Frauen in den „altruistischen Suizid“ treiben? Oder kämpfen sie auch für ihr Geschlecht und gegen die fast immer patriarchal organisierten Gesellschaften, in denen sie meist leben und die Frauen oftmals nur einen sehr eng bemessenen Entfaltungsspielraum zumessen? Der 1978 in Schiras im Iran geborene Regisseur und Autor Amir Reza Koohestani, der seit vielen Jahren seine mit der „Mehr Theatre Group“ in Teheran erarbeiteten Stücke auf Gastspielen in Europa zeigt, inszeniert zum zweiten Mal an den Kammerspielen. Nach seiner identitätspolitisch versierten und poetisch aufgeladenen Inszenierung von „Der Fall Meursault – Eine Gegendarstellung“ von Kamel Daoud inszeniert er nun den Roman „Die Attentäterin“ des algerischen Schriftstellers Yasmina Khadra. Mit seinem 2005 erschienenen Buch verursachte er eine kleine literarische Sensation, indem er sich nicht mit der Unfassbarkeit des Grauens abfand, sondern die terroristische Psyche zu verstehen suchte.

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Premiere am 09. März 2018

pressestimmen

,,Aus der Romanvorlage wird auf der Bühne ein erhellend beklemmendes Verwirrstück, das den ganzen Irrsinn der Nahost-Situation erfahrbar macht, ohne zu werten und zu verurteilen. Mit allen Sinnen wird der Zuschauer in den Sog des Unausweichlichen hineingezogen. Ganz unspektakulär gespielt und ausgefeilt inszeniert. Überwältigend beeindruckend.“ (Deutschlandfunk, Rosemarie Bölts)

„Auf der Suche nach Antworten macht Amin sich auf zur ,anderen Seite der Mauer', in die Palästinensergebiete. Koohestani inszeniert sie als Widerschein der israelischen. Maja Beckmann spielt Amins israelische Freundin Kim und seine Schwester Leila mit feinem Sinn für die tragikomische Seite der Geschichte. Walter Hess ist Kims Großvater, der den Holocaust überlebt hat , und zugleich der sinistere Scheich Marwan; Samouil Stoyanov stattet den israelischen Kommissar Mosche und Amins Schwager Yasser mit wunderbar samtiger Aasigkeit und einer Stimme wie Likör aus. Nur Thomas Wodianka wandelt als Solitär zwischen den Feinden und durchlebt dabei alle Stadien der Tragödie […].“ (Süddeutsche Zeitung, Sonja Zekri)

„Eine Lösung für den Nahostkonflikt haben natürlich weder Koohestani noch Khadra parat, aber sie öffnen den Blick auf die Perspektive beider Seiten.“ (Abendzeitung, Michael Stadler)

„Der Raum von Mitra Nadjmabadi unterstützt in seiner schlichten Vielfältigkeit die Inszenierung. Der Tisch im Zentrum eignet sich nicht nur als multiple Spielfläche – als Ess-, OP- und Verhörtisch – er impliziert auch die (theoretische) Möglichkeit, sich an einen Tisch zu setzen und zu reden.“ (Applaus, Anne Fritsch)

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