Kammer 1

Der Fall Meursault – Eine Gegendarstellung

Nach dem Roman von Kamel Daoud, u.a. in Farsi, arab. und dt. Sprache, mit dt./engl. Übertiteln

Inszenierung: Amir Reza Koohestani

Schauspiel

Der Roman „Der Fremde“ von Nobelpreisträger Albert Camus, erschienen 1942, erzählt die Geschichte des Franzosen Meursault, der einen Algerier erschießt, weil die Sonne ihn so blendete. Dieser von Meursault getötete Mann hatte bei Camus weder Name noch Geschichte, er tauchte nur auf ein paar Seiten auf, um Camus zur Entfaltung seiner existentialistischen Philosophie zu dienen. Der algerische Journalist Kamel Daoud hat das geändert und dem Opfer einen Namen gegeben. In seinem Roman „Der Fall Meursault – Eine Gegendarstellung“ erzählt er die Geschichte des „Fremden“ noch einmal – aus der Perspektive des Opfers. Daouds Erstlingsroman hat sowohl in Deutschland als auch in Algerien und Frankreich hohe Wellen geschlagen. Auf welchem Fundament beruhen westeuropäische Kunst und Werte und auf wessen Kosten werden sie gelebt? Nun kommt noch eine weitere Perspektive, ein weiterer Kontext hinzu: Der aus dem Iran kommende international renommierte Regisseur Amir Reza Koohestani verlässt für seine erste Produktion an den Kammerspielen die rein postkoloniale Perspektive und sucht über sie hinausgehend allgemeine Prinzipien von Unterdrückung, Wiederaneignung und Selbstbehauptung darzustellen. Mit Hilfe von SchauspielerInnen mit iranischen, libanesischen, lettischen, bulgarischen, schweizerischen und deutschen Wurzeln setzt er Daouds Roman in ein multiperspektivisches Sprachpanorama.


Premiere am 29. September 2016

pressestimmen

"Dass der Regisseur diese kritisch-wachen Tiraden aber in schöne, fast tableauhafte Bilder samt Sternenhimmel und ziehenden (Video-)Wolken bettet, gibt dem Abend seinen poetischen Reiz und seine leicht wehmütig hinterfangene Kontrast-Komik. Langer herzlicher Beifall" (Münchner Merkur)

"Der iranische Regisseur Amir Reza Koohestani [zeigt], dass sich der Stoff [...] hervorragend für die Bühne eignet, wenn man nicht die visuelle Überwältigung im Sinn hat, sondern die stillen, poetischen, gleichwohl schmerzenden, zweifelnden, unerhörten Töne des Romans ernst nimmt und sichtbar macht." (Spiegel Online)

"Die erfrischende Leichtigkeit und Komik, mit der Koohestani die Trauergeschichte umsetzt, kann man ihm nicht hoch genug anrechnen" (Süddeutsche Zeitung)