Kammer 1

DER ERFOLG

VON OLGA BACH, NACH LION FEUCHTWANGER, INSZENIERUNG: ERSAN MONDTAG

Schauspiel

EINE FRAU LIEBT EINEN MANN, UM DEN SIE PLÖTZLICH KÄMPFEN MUSS: ER WIRD AUS POLITISCHEN GRÜNDEN ZU EINER KERKERSTRAFE VERURTEILT. WARUM? WER STECKT DAHINTER?

Vielleicht wäre alles anders gekommen, hätte Kunsthistoriker Dr. Martin Krüger nicht dieses Gemälde angeschafft und ausstellen lassen, das seine Betrachter provoziert und aggressiv macht. Aber nun hängt es in einem Münchner Museum und Krüger, ein fortschrittlicher Wissenschaftler, gerät mit den reaktionären Kräften der Stadt in Konflikt. Fadenscheinige Argumente werden gefunden, Intrigen gesponnen, um ihn schließlich offiziell wegen Verstoßes gegen die Sittlichkeit zu drei Jahren Haft zu verurteilen. Anhand dieses Kunst- und Justizskandals, der auf einer wahren Begebenheit beruht, entwirft der Schriftsteller Lion Feuchtwanger in seinem Roman „Erfolg“ eine Geschichte von Recht und Gerechtigkeit in München zur Zeit der Weimarer Republik. Feuchtwanger setzt sich kritisch mit der bayerischen Politik und Mentalität sowie dem Aufstieg der Nationalsozialisten auseinander. „Drei Jahre Geschichte einer Provinz“ lautet der Untertitel dieser gnadenlosen Analyse von Land und Leuten: „Die Bayern knurrten, sie wollten leben wie bisher, breit, laut, in ihrem schönen Land, mit einem bisschen Kultur, einem bisschen Musik, mit Fleisch und Bier und Weibern und oft ein Fest und am Sonntag eine Rauferei. Sie waren zufrieden, wie es war. Die Zugreisten sollten sie in Ruhe lassen, die Schlawiner, die Saupreussen, die Gselchten.“

Wie mit dem Recht gespielt wird und wie dies bei ausbleibendem Erfolg zu unrechtmäßigem Handeln verführt, wie rechtmäßiges Handeln als Unrecht wahrgenommen werden kann und wie schwer es aufklärerische Kräfte haben, sich Gehör zu verschaffen, erzählt der Gesellschaftsroman und erste Teil der „Wartesaal“-Trilogie von Lion Feuchtwanger. Nach Stefan Puchers Auseinandersetzung mit „Exil“ (dem letzten Roman der Trilogie) gehen Regisseur Ersan Mondtag und Autorin Olga Bach zurück zum Anfang und werfen in ihrer zweiten Arbeit an den Münchner Kammerspielen einen neuen Blick auf alte und nicht ganz so alte Verhältnisse.