Kammer 2

DAS ERBE

Eine Assoziation zum NSU von Olga Bach, Ersan Mondtag und Florian Seufert

Inszenierung: Ersan Mondtag

Schauspiel

„Sei gerecht“ (Franz Kafka, In der Strafkolonie) – Seit nunmehr vier Jahren werden am Oberlandesgericht München die Morde der rechtsextremen Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ verhandelt. Noch ohne einen Abschluss. Doch auch wenn dieser tatsächlich einmal erfolgen sollte: Könnte die Verurteilung der Schuldigen eine Art kathartische Reinigung der Gesellschaft herbeiführen? Weisen die zahllosen, ihre Deutung erwartenden Indizien nicht vielmehr darauf hin, dass der Prozess selbst nur ein Detail in den wild wuchernden Verstrickungen einer eben nicht abschließend zuzuordnenden Schuld ist?

„Das Erbe“ assoziiert ausgehend von diesem Thema der Schuld eine Gemeinschaft, die der Gegenwart entfremdet ist und die alle Antworten immer in der Vergangenheit sucht. In Olga Bachs Text verständigt sich diese Gemeinschaft ausschließlich über ihr gemeinsames kulturelles Erbe, über das Archiv der deutschen Kulturgeschichte. Muss dieses Erbe gewaltsam geopfert werden für die Möglichkeit eines neuen Anfangs? Der Regisseur Ersan Mondtag, mit den Inszenierungen „Tyrannis“ und „Die Vernichtung“ (ebenfalls ein Text von Olga Bach) zuletzt zweimal in Folge zum Berliner Theatertreffen eingeladen, lässt in „Das Erbe“ mit düster-romantischer Bildgewalt die Vergangenheit zur Zukunft werden. „Die Schuld ist immer zweifellos“.




Mit

Damian Rebgetz, Jelena Kuljić, Jonas Grundner-Culemann, Jonas Grundner-Culemann, Lena Lauzemis, Thomas Hauser, Tina Keserovic, Tina Keserovic, Wiebke Puls

Inszenierung

Ersan Mondtag

Text

Olga Bach

Bühne

Rainer Casper

Kostüme

Teresa Vergho

Video

Florian Seufert

Licht

Rainer Casper

Musik

Max Andrzejewski

Dramaturgie

Tarun Kade

Uraufführung am 22. Juni 2017

pressestimmen

„Zombies, wummernde Sounds, eine nackte Beate Zschäpe als personifizierte Schuld - Ersan Mondtag inszeniert an den Münchner Kammerspielen sein Theaterstück "Das Erbe". Mit diesem gewaltigen Bühnenkunstwerk macht Mondtag seinem Regieruf als eigenwilliger Shooting-Star alle Ehre.“
(Deutschlandfunk, Rosemarie Bölts)

„Ersan Mondtag schafft Bühnenkunstwerke. Und er liebt die Überforderung.“
(Egbert Tholl, SZ)

„Im Grunde ist dieser Bühnenrausch reine Philosophie, spekulativ und sehr klug. Die Frage, wer das Böse gebiert, legt sich über historische Massenmörder, DDR, Diktatur, Nazizeit. Mondtag geht da auf in jener Haltung, die man seit geraumer Zeit Dystopie nennt, völlige Desillusion, trotz seines schrägen Humors. Man erfährt beispielsweise viel über die Herstellung von Döner-Spießen, ohne dass konkret die Morde an Dönerbudenbesitzern erwähnt werden, für die der NSU verantwortlich gemacht wird.“
(Egbert Tholl, SZ)

„Aber die Radikalität, mit der Mondtag hier in erstaunlichen Bildern und Tönen die eigene Verantwortung für ein Scheitern der Kunst an der Realität übernimmt, ist beeindruckend und macht ihn zu den interessanteren Figuren in der gegenwärtigen Theaterlandschaft.“
(Mathias Hejny, Abendzeitung)

„Was Rainer Casper da als Bühne gebaut hat, könnte eine riesige Weltbibliothek sein, in der alles zu finden ist, was die Menschheit in Jahrtausenden gesammelt hat. Die Schönheit der Kunst und Kultur, aber auch all das Grauen der Weltgeschichte.“
(Jürgen Berger, Schwäbische)

„Und so stellt dieses "Erbe" letztlich die Frage: Was machen wir mit der Schuld? Projizieren wir sie tatsächlich in nur eine Figur hinein, wie wir das gerade mit dem NSU Prozess tun, oder bekennen wir uns zu unserer Verantwortung?
Und was passiert, wenn wir verdrängen? Das Erbe von Olga Bach, Ersan Mondtag und einem grandiosen Team auf und hinter der Bühne der Münchner Kammerspiele gibt darauf eine furios fürchterliche Antwort und endet damit so stark, eindringlich und herausfordernd, wie es begonnen hat.“
(Sven Ricklefs, Deutschlandfunk Kultur)