Kammer 2

FESTIVALPROLOG: ÁNGEL HERNÁNDEZ: THE EXODUS LECTURE – DER KRIEG, DAS VERLANGEN UND DER VERRAT

IM WELCOME CAFÉ, EINTRITT FREI

Lesung

Ángel Hernández ist ein junger Autor und Regisseur aus Tampico im Bundesstaat Tamaulipas, eine der gefährlichsten Gegenden in Mexiko. Er initiiert Theaterprojekte an Orten, die von Gewalt, Verwahrlosung und Verzweiflung geprägt sind. Mit „The Exodus Lecture“ präsentiert er eine im Auftrag der Münchner Kammerspiele entstandene Arbeit. Sie basiert auf Recherchen, die er während der letzten sechs Monate in München, entlang der Flüchtlingsrouten an den Grenzen Europas und in seinem Heimatland unternommen hat. Insofern beschäftigt sich Ángel Hernández hier auch mit der Frage, was die Migrationsbewegungen in Mittelamerika und die Situation an der südlichen Grenze der Vereinigten Staaten mitsamt ihrer langen Vorgeschichten, mit der aktuellen Flüchtlingsthematik in der „Alten Welt“ und im Nahen Osten gemeinsam haben könnten.

„The Exodus Lecture“ ist eine szenische Intervention, angesiedelt im Setting des „Welcome Cafés“, das die Kammerspiele seit dem Frühjahr 2016 für Geflüchtete, ihre Angehörigen und Unterstützer in München veranstaltet. Unter Rückgriff auf das Format der Glücksspiels, möchte Ángel Hernández die Anwesenden ermutigen, von ihren Lebensumständen zu berichten und sich anhand konkreter Geschichten untereinander über die unterschiedlichen Migrationsbewegungen, die sich stetig verändernden Klassifizierungen, Terminologien, Einwanderungsgesetze und rechtliche Rahmenbedingungen auszutauschen. Begleitend sind Videoaufnahmen zu sehen, die der Regisseur an den verschiedenen Orten seiner Recherche gemacht hat.

Dieses Projekt versteht sich als Annäherung an ein Phänomen, das die Lebensumstände von zahllosen Menschen auf dramatische Weise verändert und sie in die Rolle von Einweg-Objekten drängt. „The Exodus Lecture“ beschreibt die Faktoren, die diese Schicksale bedingen, und projiziert sie auf eine Spielfläche, „damit wir gemeinsam“, so Ángel Hernández, „andere Möglichkeiten für die Zukunft entwickeln können“.

In den vergangenen Jahren ist der Regisseur unter anderem durch das jährlich stattfindende Festival „La Bestia“ bekannt geworden. Seinen Namen verdankt es den zu trauriger Berühmtheit gelangten Güterzügen, mit dem Migranten aus Mittelamerikas durch ganz Mexiko an die Grenze zu den USA fahren. Wie ihre Leidgenossen in Europa sind die Passagiere illegal und oftmals ohne gültige Dokumente auf der Flucht. Die Fahrten sind von schwierigen klimatischen Bedingungen, von Hunger und Durst bestimmt.

Während der rund dreiwöchigen Reise kommt es immer wieder zu Überfällen, Raub und Vergewaltigungen. Die gedemütigten Migranten laufen Gefahr, vom Zug zu fallen, einzelne Körperteile zu verlieren, oder sogar das Leben selbst. Allein in Tamaulipas, dem Bundesland, aus dem Ángel Hernández stammt und das auf der Route von „La Bestia“ liegt, wurden im Jahr 2010 an die 72 Passagiere durch Mitglieder des Zetas-Kartell ermordet.

Während des von Ángel Hernández organisierten Festivals zeigen verschiedene lateinamerikanische Kollektive ihre Werke und geben Workshops. Sie sollen ein Bewusstsein für die Bedingungen wecken, unter denen die Migranten während ihrer Reise durch Mexiko leben. Im Zug, auf den Gleisen und an Stationen, an denen das Fahrzeug anhält und auf die Weiterfahrt wartet, gibt es szenische Handlungen, die sich an die Reisenden selber richten. Sie werden aufgefordert, aktiv an den Spielhandlungen teilzunehmen und – beispielsweise – Briefe ihrer Angehörigen vorzulesen.


VON Ángel Hernández, Amadis de Murga, Susana Morales Carrera -Suetzu-, Gabriel Yépez

Eine Koproduktion mit den Münchner Kammerspielen



Teil von ENDSTATION SEHNSUCHT – THEATER IN MEXIKO: EIN FESTIVAL ÜBER FLUCHT, IDENTITÄT UND DIE DARSTELLBARKEIT VON GEWALT

22. bis 27. November in allen Kammern

Kuratiert von Christoph Gurk und Ilona Goyeneche. In Kooperation mit dem Goethe-Institut Mexiko. Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes. Mit Unterstützung von Secretaría de Cultura de México und dem Instituto Cervantes.



Neben dem Ticket für die einzelne Veranstaltung ist an der Tageskasse auch ein FESTIVALPASS erhältlich.

FESTIVALPASS (für 6 Tage): 60 Euro / erm. 40 Euro

Zum gesamten Programm geht es hier.
In Kürze finden Sie hier den Programmflyer als PDF-Version.