Junge Arbeiter
Wenn man sich mit MOHUNNID-ALI (Muhammed-Ali Akyüz), CHAWE (Theo Chawenetidis) und MARCIRATI (Marcel-Denis Çiğ) unterhält, wird schnell klar: Die drei sprühen vor Kreativität, Tatendrang und Eigeninitiative. Zusammen formen sie JUNGE ARBEITER — eine neue Stimme für junge Menschen mit Migrationsgeschichte, für die Zusammenhalt und Brüderlichkeit an oberster Stelle steht. “Wir sind eins”, sagen sie und meinen es ernst. Als Gastarbeiterkinder der dritten Generation, mit Wurzeln in der Türkei, Griechenland und Kurdistan, bedeutet echte Brüderlichkeit für sie nicht nur, gemeinsam Spaß zu haben, sondern auch, durch schwierige Zeiten zu gehen. Und genau das wollen die drei in ihrer Musik ausdrücken. Inspiriert von einem UK-Sound à la JME, Nines und Mall Grab sowie französischem und türkischem Rap suchen sie seit ihren frühen Anfängen immer nach neuen Wegen, ihren Flow zu erweitern. Klassischer US-R’n’B und Rap wie Lauryn Hill, Fugees und 2Pac trifft dabei auf japanische Einflüsse wie die Producer-Legende Nujabes, dessen Beats sie gerne mal als Samples in ihre Tracks einfließen lassen. Marcirati und MoHunnid Ali (beide 1999 geboren) kennen sich bereits seit ihrer Kindheit, denn ihre Großväter kamen 1968 als Gastarbeiter gemeinsam nach Deutschland. Zusammen sind sie in Böblingen, Baden-Württemberg, aufgewachsen, wo sie durch den einzigen Streetwearladen der Stadt, der ihren Onkeln gehörte, schon früh mit Hip-Hop-Klassikern wie Rakeem, N.W.A. und “Boys in the Hood” sozialisiert wurden. 2013 lernten sie hier auch Chawe (2000 geboren) kennen, der das Trio schließlich vervollständigte. Die Eigeninitiative, für die sie auch heute noch mit jeder Faser stehen, war schon damals spürbar: Marcirati kritzelte mit 10 seine ersten eigenen Raptexte auf Taschentücher und mit 12 war ihnen allen klar: Hier in Böblingen “müssen wir selber machen.” Mit 15 Jahren designten sie ihre ersten eigenen T-Shirts mit ihren Rap-Idolen drauf und als sie sich kein professionelles Studio leisten konnten, machten sie hinter einem kleinen Nagelsalon einfach ihr eigenes auf. In Drei-Tage-Sessions schrieben sie erste gemeinsame Tracks, nahmen auf und veröffentlichten dann direkt auf ihren Social-Media-Kanälen. Danach ging alles Schlag auf Schlag: 2023 meldete sich NIMO bei ihnen und lud sie nach Frankfurt für regelmäßige Studio-Sessions ein; gemeinsame Live-Auftritte und Kollaborationen mit etablierten Produzenten folgten. Seitdem wussten die drei: JUNGE ARBEITER kann für etwas größeres stehen — ein Movement, in dem die dritte Generation der Gastarbeiterkinder endlich für sich selbst spricht. Doch die frühen Einflüsse ihrer Jugend spiegeln sich nicht nur in ihrer Art zu arbeiten, sondern auch in ihrer dynamischen Soundpalette wider, die von rauen, über langsamere Trapsongs bis zu Clubhits reicht. Der Sound von JUNGE ARBEITER geht nach vorne und fühlt sich durch die abwechselnden Parts wie eine Box-Kombi von drei Seiten an – oder wie sie selbst sagen: “Unser Sound ist eine gute Links, Rechts - Haken Kombination”. MoHunnid-Ali besticht mit seiner tiefen, erdenden Stimme, Marcirati überzeugt durch seinen einzigartigen Flow und Chawes Parts packen einen durch seine vielseitigen Stimmlagen. JUNGE ARBEITER möchten mit ihrer Musik Menschen ansprechen, welche das Gefühl kennen, hin- und hergerissen zu sein: zwischen ihrer Herkunft und den Erwartungen der deutschen Mehrheitsgesellschaft. Genau diese Zerrissenheit, “die man sonst so oft unter sich ausmacht”, möchte das Trio in seiner Musik verarbeiten. JUNGE ARBEITER machen Musik für die nächste Generation und klingt auch so: roh, ungeschönt, aber immer aufrichtig, mit dem gemeinsamen Ziel vor Augen. Viel wird es in den nächsten Monaten von ihnen zu hören und zu sehen geben. Jetzt heißt es, gespannt sein.