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Digital Program Booklet "Eurydike und Orpheus"

Orpheus kann im antiken Mythos durch seinen Gesang die Herzen der Götter und aller lebendigen Geschöpfe erweichen und beherrschen, er verkörpert die Essenz der Kunst. Doch das Unvermeidliche des menschlichen Schicksals, den Tod der Geliebten, vermochte er nicht abzuwenden. Um seine Geliebte Eurydike aus dem Hades zurückzuführen steigt er ins Reich der Unterwelt herab – und scheitert!

Bei „Eurydike und Orpheus“, in einer nicht mehr fernen Gegenwart, hat sich die Situation nicht grundlegend verändert: Menschen wissen zwar auf die Sekunde genau, wann sie sterben werden, ihr Todesdatum wird täglich auf medizinischer Grundlage aktualisiert. Aber die Unsterblichkeit des geliebten Menschen bleibt der unerfüllte Traum der Menschheit. Beim morgendlichen Routinecheck durch Amor, einen intelligenten Roboter, erfährt Eurydike – die in Robert Bolestos Libretto mehr in den Fokus rückt – dass sich ein Aneurysma in ihrem Gehirn bildet. Sie hat nur noch eine Stunde zu leben. Diese, ihre letzte Stunde, wird zur Metapher für ein ganzes Leben.

Die Philosophin Hannah Arendt schreibt: „Das ‘Wunder’ besteht darin, daß überhaupt Menschen geboren werden, und mit ihnen der Neuanfang, den sie handelnd verwirklichen können kraft ihres Geborenseins. Nur wo diese Seite des Handelns voll erfahren ist, kann es so etwas geben wie Glaube und Hoffnung.“ – Ist das „Wunder“ des Neuanfangs, die Natalität, mit dem Ende des Endes, mit der Unsterblichkeit vereinbar? Wären wir unsterblich in der Lage, überhaupt zu handeln? „Das Ende wird überbewertet“ sagt Orpheus, die ehrgeizige und fantasievolle Kryomedizinerin, die an der Überwindung der Sterblichkeit forscht. In ihrer Klinik warten die „Patienten“ auf ihre Wiederauferweckung, um von der „Krankheit“ des Todes geheilt werden zu können. Eurydike steht Orpheus‘ Forschung skeptisch gegenüber, zumal sie vorerst nur den Reichen zugutekommt.

Befinden wir uns in einer Dystopie oder einer Utopie? Mehrfach treffen in dieser Version der Geschichte Menschen mit Hilfe einer Technik, an die nur geglaubt werden kann, die nicht beweisbar ist, Entscheidungen über Leben und Tod und geraten in die Nähe von Panik und Wahnsinn. Wird der Tod zukünftig eine Entscheidung? Wozu wäre es gut, wenn wir kein Ende hätten? Können wir unsere menschlichen Körper hinter uns lassen? Werden wir uns ewig lieben?

Hörproben

Hören Sie hier eine kurze Kostprobe aus der Komposition von Jan Duszyński:

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Ein Gespräch mit der Regisseurin Anna Smolar, dem Komponisten Jan Duszyński und dem Librettisten Robert Bolesto über die Suche nach einer neuartigen (Theater-)Sprache, um über Liebe, Tod und Wissenschaft zu sprechen – und unsere Suche nach Erlösung.

„Dann müssen wir heiraten, sagte ich, damit Kunst und Wissenschaft ihre Kräfte vereinen.“

Zum Gedicht

Ein Gedicht von Annika Neugart, aus der Perspektive ihrer Figur geschrieben.

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Elisabeth Nittka schreibt als Orpheus an Eurydike.

„In den Jahren ohne Dich werde ich zu jemandem, der Dir fremd ist.“

„Ich will in dem gleichen Zustand sein wie sie!“

Ein kurzer Einblick in Johanna Seggelkes Arbeit in „Eurydike und Orpheus“

Zum Glossar

Ein kurzes Glossar zu den wichtigsten Begriffen unserer Geschichte von „Eurydike und Orpheus“.

„Später kommen dann alle in Genuss der Ewigkeit.“

Mehr erfahren

Philosophische Argumente gegen das Konzept der Unsterblichkeit. Lesen Sie Passagen von Janina Loh und Hannah Ahrendt.

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Sternstunde mit Technikphilosophin Janina Loh und Theologen Johannes Hoff beim SRF

Zum Gedicht  

Die Poetin Andrea Gibson, die 2025 an einem Krebsleiden verstarb, war eine wichtige Inspirationsquelle dieser Inszenierung. Lesen Sie hier eines ihrer Gedichte.

„Ich will keine Erinnerungen, in denen Du nicht vorkommst.“

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Mind-Uploading – Ersatz fürs veraltete Jenseits. Lesen Sie eine philosophische Betrachtung.

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Begründung des modernen Transhumanismus

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Was die Psychoanalyse dem Transhumanismus entgegenzusetzen hat.

„Der Tod ist eine Krankheit.“

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Lesen Sie Orpheus‘ Scheitern bei Rainer Maria Rilke!