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MK:

Digital Program Booklet "Glitsch"

Alles im Fluss – ein neues Tanztheaterstück von Doris Uhlich

„Glitsch“ ist eine eigenwillige Zeremonie des Fluiden und Uneindeutigen. Während in unserer Gegenwart binäre Denkweisen um sich greifen und Zwischenwelten austrocknen, tauchen sechs Schauspieler*innen ein in rutschige Welten aus Schleim, unterlaufen Körpergrenzen und erweitern sie. Schlitternd und gleitend erobern sie sich den Raum und gebären einen entgrenzten Körper. Wenig bleibt hier fix, alles im Fluss: Willkommen in der Schleimzeit!

Es läuft wie geschmiert?

Schleim selbst ist eine Substanz im Dazwischen: er ist weder fest noch flüssig, er wird von allen Körpern produziert und unterläuft Körpergrenzen. Er löst Faszination und Ekel aus. Schleim verbindet unser Körperinneres mit der Außenwelt, macht Verbindungen zwischen Körpern möglich und beeinflusst sogar als Sediment die Bewegungen der tektonischen Platten. Schleim ist in uns, um uns und mit uns. Als veränderliche Substanz, fordert er das menschliche Denken heraus, das sich an festen Formen orientiert. In „Glitsch“ ist der Schleim Material, macht mit und macht möglich, er stört auch auf produktive Weise: die Performer*innen untersuchen neue Verbindungen, Intimität und körperliche Visionen.

Wir erkennen, dass Körper keine Fixpunkte sind, keine Endstationen.

aus: Legacy Russell, Glitch Feminism

„Körper sind Reisen“ (Legacy Russell). Die schleimige Welt von „Glitsch“ ermöglicht den Körpern, auf diese Reise zu gehen. Vieles wird derzeit wieder in Boxen gedrückt, und in Schubladen gesteckt - im feuchten Bühnensetting von Juliette Collas, mit den Kostümen von Yannik Zamboni, bekannt für seine genderfluiden Designs für maison blanche, und zu einem DJ Set von Boris Kopeinig fluten die Spielenden die Black Box und entwerfen ein Dasein im Werden.

Die Choreografin Doris Uhlich stellt in ihren Stücken gängige Vorstellungen von Tanz und Körpern infrage und lädt Menschen auf die Tanzfläche ein, deren Körper in der Öffentlichkeit verschwinden. Oft zeigen ihre Stücke nackte Körper jenseits von einfacher Erotisierung und Provokation. 2024 erhielt sie für ihr international anerkanntes Gesamtkunstwerk den Österreichischen Kunstpreis. Doris Uhlich glaubt an die Kraft der Gruppe und daran, dass Theater Veränderung nicht nur proklamiert, sondern selbst schaffen kann.

Portrait of Doris Uhlich. She is looking over her left shoulder into the camera and is wearing a shiny gold jacket.

Erfahren Sie mehr über die Choreografin.

Sich auf eigensinnige Weise verwandt zu machen anstatt, oder zumindest zusätzlich, mit der göttlichen, genealogischen und biogenetischen Familie, rührt wichtige Dinge auf; zum Beispiel die Frage, wem gegenüber man eigentlich verantwortlich ist.

Donna Haraway, Unruhig bleiben
Deutschlandfunk  

Im Gespräch über Schleim mit der Wissenschaftsjournalistin Susanne Wedlich, Autorin von „Das Buch vom Schleim“.

Zum Artikel  

Anti-Gender-Krisendiskurse in Deutschland und Österreich

Der Geschlechterkampf fügt sich in den Kampf der Rechten um kulturelle Hegemonie und politische Macht ein. Mit Bedrohungsszenarien wird gegen Gender-Vielfalt und reproduktive Rechte mobilisiert.

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