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MK:

DGS-Briefing

Sprechen über Gehörlosen-Kultur und -Kunst.
Hier können Sie unterschiedliche Kunstformen in der Gehörlosen-Kultur kennenlernen.

Deutsche Gebärdensprache

Die Deutsche Gebärdensprache, kurz DGS, ist eine visuell-manuelle Sprache, die sich vom gesprochenen und geschriebenen Deutsch unterscheidet. Sie besitzt eine eigene Grammatik sowie ein spezifisches Lexikon und wird in Deutschland, Belgien, und Luxemburg von insgesamt ca. 80.000 Gehörlosen sowie 120.000 Hörenden und Schwerhörigen gesprochen. Die DGS ist dabei nicht landesweit standardisiert. Stattdessen gibt es eine Vielzahl an regionalen Dialekten, weshalb Deutschland vom DGS-Korpus in 13 Spracherhebungszonen eingeteilt ist. Sogar eine eigene Jugendsprache gibt es.

Der Ausdruck geschieht hauptsächlich mit den Armen und Händen in sogenannten Gebärden, aber auch Mimik, Blick, Kopf, Oberkörper und Mundbild spielen eine große Rolle. Für Eigennamen oder unbekannte Vokabeln wird auch das Fingeralphabet verwendet. Die Sprache findet dabei räumlich statt: Personen und Orte können in einem Gespräch sozusagen in der Luft positioniert werden, wobei sich je nach der Bewegungsrichtung von Gebärden zwischen diesen „Raumpunkten“ die Bedeutung ändert.

Visual Sign

Visual Sign ist eine lautlose Kunstform, die eine Abwandlung von Visual Vernacular darstellt. Genau wie bei VV werden die Geschichten hier nicht über das gebärdete Wort, sondern auf pantomimische Weise erzählt. Bei Visual Sign sind die Gesten jedoch stark vereinfacht: im Mittelpunkt steht eine bewegte Körpersprache, die Menschen während der täglichen Kommunikation unbewusst sowieso schon verwenden. Die performende Person versucht Handlung und Szenerie so direkt wie möglich abzubilden und nutzt dafür allgemeingültige und für alle verständliche Zeichen. Auf diese Weise macht Visual Sign lautlose Kunst auch für hörende Menschen leicht verständlich.

Gebärdenpoesie

Gebärdenpoesie entsteht durch die lyrische Verwendung einer Gebärdensprache, wie beispielsweise der DGS. Die meist gehörlosen Performer*innen / Autor*innen entwickeln dafür die klassischen Gebärden oft auf kreative Weise weiter, sodass eine Poesie entsteht, die ganz ohne Worte auskommt und gleichzeitig den gesamten Raum füllt. Eine Übersetzung in Schriftsprache ist in annähender Weise durch den Austausch mit den Performer*innen / Autor*innen möglich, gestaltet sich jedoch weitaus komplexer als die simple Übersetzung von Poesie zwischen zwei Schriftsprachen wie Englisch und Deutsch.

Visual Vernacular

„Visual Vernacular“, zu Deutsch „visuelle Umgangssprache“, ist eine Kunstform, bei der Geschichten ausschließlich durch Körperbewegung, Symbole, Gesten und intensive Gesichtsausdrücke erzählt werden. Sie funktioniert somit rein auf der visuellen Ebene und richtet sich spezifisch an gehörlose Menschen. Für hörende Menschen hingegen ist sie aufgrund der fehlenden Gewohnheit von visueller Sprache nur bedingt zugänglich.

Ursprünglich stammt „Visual Vernacular“ (VV) aus der Gebärdensprache, kommt mittlerweile jedoch ganz ohne Worte aus und wird darum auch manchmal als „Musik für Gehörlose“ beschrieben. Entwickelt in den 1980er Jahren und erstmals benannt vom bekannten gehörlosen US-amerikanischen Schauspieler Bernhard Bragg, wird VV heute weltweit von vielen taube Performer*innen auf der Bühne genutzt und dabei ständig weiterentwickelt.

Deaf Slam

„Deaf Slam“ ist eine Kunstform, die in erster Linie von tauben Performer*innen praktiziert wird und rein auf der visuellen Ebene stattfindet. Ähnlich wie beim Poetry Slam treten hier nacheinander verschiedene Künstler*innen auf, die auf der Bühne ihre Geschichten erzählen und gegeneinander um den Sieg kämpfen. Während bei ersterem jedoch eine starke Bindung an den Text besteht, kann sich im Deaf Slam vom (gebärdeten) Wort befreit werden: auch schauspielerische Elemente, rhythmische Bewegungen sowie die Verzierung und Umgestaltung der klassischen Gebärden sind oft fester Bestandteil der Performance.