Yannik Zamboni, maison blanche

Yannik Zamboni hat einen Bachelor of Arts in Fashion Design der Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW Basel. Aufgewachsen als queere Person in einer kleinen Schweizer Stadt mit nur 700 Einwohner:innen, war er schon früh gezwungen, aus der Reihe zu tanzen. Wenn man fast zwei Meter gross und ruhelos ist, gibt es kein «unauffällig». Bestens vertraut mit den erdrückenden Zwängen des Status quo, fühlte sich Yannik in seiner Identität von allen Seiten angegriffen und entwickelte früh den Wunsch, sich für eine Zukunft einzusetzen, in der sich alle Menschen frei entfalten können.

Bevor er sein eigenes Label gründete, begann Yannik seine berufliche Laufbahn mit einer kaufmännischen Lehre. Anschliessend war er mehrere Jahre als Model tätig, bevor er sich im Rahmen einer Marketingausbildung weiterbildete und in diesem Bereich arbeitete. Trotz einer gut bezahlten Anstellung entschied er sich schliesslich bewusst dafür, diese Sicherheit aufzugeben, um seiner Kreativität zu folgen und seinen Traum zu verwirklichen, in der Mode zu arbeiten.

Yannik steht für den Beweis, dass man sich nicht auf ein einziges Ideal beschränken muss. Faire Arbeitsbedingungen, Inklusion, bewusste und zirkuläre Mode, gesellschaftspolitische Ideologien – all das kann nebeneinander existieren und gleichzeitig eine qualitativ hochwertige Welt hervorbringen, die höchsten Ansprüchen gerecht wird.

Aus diesem Anspruch heraus entstand maison blanche: als unermüdliches Streben nach einer Welt, in der kein Ziel zu weit entfernt ist und in der unsere Lebensgrundlagen nicht der Mode geopfert werden müssen. Weder die kaputte Luxusmodeindustrie noch die unsteten Bedingungen der Fast-Fashion-Arena zu bedienen, war von Anfang an eine Option. Im Spannungsfeld der Covid-19-Schliessungen und dem Abschluss an der FHNW Basel wurde maison blanche aus einem reinen Überlebensinstinkt heraus gegründet.

Zu Beginn seiner Modekarriere bewarb sich Yannik bei neun verschiedenen Institutionen um Fördermittel und nahm an Wettbewerben teil, um sein Label voranzubringen – ohne Erfolg. Erst im zehnten Anlauf gelang der Durchbruch: mit der Teilnahme und dem Gewinn der internationalen Design-Wettbewerbsshow Making the Cut. Der Sieg brachte nicht nur ein Preisgeld, sondern auch einen Vertriebsvertrag für die allererste Produktion von maison blanche.

Yannik investierte das gesamte Preisgeld konsequent in den Aufbau der Welt von maison blanche – einer Welt, in der das zuvor als «unmöglich» Bezeichnete Realität wird und in der Gerechtigkeit, Fürsprache und Verantwortung zentrale Pfeiler darstellen. In einem klaren Bekenntnis zu diesen Werten trennte sich maison blanche bewusst von Amazon, obwohl zuvor eine Partnerschaft mit Amazon Studios eingegangen worden war, um die Vision der ersten Kollektion einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Die Zusammenarbeit verschaffte dem Label zwar erste internationale Sichtbarkeit, doch die grundlegenden Werte erwiesen sich als unvereinbar. Kontrolle über die eigenen Produktionsprozesse und das kompromisslose Leben der eigenen Prinzipien hatten Vorrang.

Das Label versteht Mode als konzeptuelles Ausdrucksmittel, das gesellschafts- und sozialpolitische Themen sichtbar macht und bewusst Tabus adressiert. Der subversive Anspruch der Marke spiegelt sich in dekonstruierten Designs wider, die darauf abzielen, bestehende Regeln, Machtstrukturen und Verhaltensnormen zu erweitern und infrage zu stellen.

Yannik und maison blanche verfolgen ein ganzheitliches Verständnis von Nachhaltigkeit, das sich in vier untrennbare Sphären gliedert: ethisch-moralisch, sozio-politisch, ökologisch und ökonomisch. Alle vier Dimensionen müssen gleichermassen respektiert und konsequent umgesetzt werden.

Genauso kompromisslos, wie Yannik einst in dem kleinen Schweizer Dorf mit sich selbst war, bewahrt er bis heute dieselben rebellischen Prinzipien – und stellt mit ihnen fortlaufend die bestehenden Produktionsnormen der Modeindustrie infrage.