MK:

"Oh Schreck!" – Die handelnden Personen

Max Schreck, Stummfilmstar und Vampir
Johanna Kappauf

Stummfilm-Star und Kammerspiele-Schauspieler aus den 20er- und 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Er wurde berühmt durch seine Rolle als Vampir in F. W. Murnaus „Nosferatu“ (1922). Seit seinem angeblichen Tod 1936 hält sich hartnäckig das Gerücht, dass Schreck tatsächlich ein Vampir war und folglich immer noch lebt. Nun kommt das Phantom tatsächlich aus den Kellern der Münchner Kammerspiele hervor, engagiert, um noch einmal seine große Rolle – den Grafen Orlok – zu spielen. Schrecks verschrecktes Naturell tritt in den Proben zur Nosferatu-Neuauflage immer mehr zu Tage. Wir sehen eine Kultfigur, die eigentlich viel mehr war als nur das. Aber möchte das jemand sehen?

Wolfgang, Regisseur
Sebastian Brandes

Der Theaterregisseur der Produktion „Nosferatu“ möchte mit seiner Arbeit auf der Vampir-Welle dieser Zeit reiten. Die Sehnsüchte des Publikums nach Stoffen, die die aktuellen Krisen der Welt vergessen machen, sind groß – denkt zumindest Wolfgang. Er will mit einem Superstar aus der Vergangenheit der Kammerspiele punkten. Überhaupt steht der Regisseur unter großem Erfolgsdruck. Er lässt die Proben zu Dokumentationszwecken sogar filmisch von seiner Assistentin begleiten. Die Arbeit an den Kammerspielen gestaltet sich aber schwierig: nahezu das gesamte Theater ist von Vampiren unterwandert, Wolfgang wird selbst gebissen und verwandelt sich in einen Vampir. Die Proben werden durch den schmerzhaften Verwandlungsprozess stark beeinträchtigt. Als die Verwandlung abgeschlossen ist (und er seinen Sarg zum Schlafen ausgesucht hat), sieht der Regisseur aber seine große Stunde gekommen: er lädt zu einem überbordenden, verwirrenden Spektakel – dem Ball der Vampire!

Isabell, Regieassistentin
Leoni Schulz

Sie ist seit langer Zeit Regieassistentin am Theater. Wenn sie wie viele andere in dieser Position Selbstausbeutung betreibt, dann auch, um sich endlich den Biss zu verdienen und in einen Vampir verwandelt zu werden. Von etablierten Vampiren wie Vlad (s.u.) wird das ausgenutzt. Sie versprechen ihr immer wieder, sie endlich zu beißen – aber natürlich nur, wenn sie genug gearbeitet hat. Durch ihre Abhängigkeit gerät sie in moralisch schwierige Situationen: Seit Jahren organisiert sie Opfer zum Aussaugen, vertuscht die Spuren der Blutexzesse usw. Wer wird am Ende ihren Traum erfüllen?

Svetlana, Zukunfts-Vampir
Jelena Kuljić

Ein Vampir mit Blick für die Zukunft. Seit Kurzem tötet Svetlana keine Menschen mehr. Die Ernährungsumstellung – auf Ratten und Katzen – fällt ihr nicht leicht, weshalb sie auf Blutkonserven zurückgreift. Ab und an organisiert die Assistentin jemanden, den Svetlana ansaugen kann – der Biss ist so nicht tödlich, setzt aber bei der gebissenen Person Rauschgefühle frei. Daher bieten sich dafür immer wieder Menschen an. Svetlana träumt von einer Welt, in der Vampire und Nicht-Vampire zusammenleben können.

Vlad, klassischer Dandy-Vampir
Frangiskos Kakoulakis

Seit der Spielzeit 1912 an den Kammerspielen engagiert. Ein Groß-Schauspieler, der das Dandy-Leben eines Vampir-Stars zelebriert. Dass er sich nach wie vor Hospitanten und Hospitantinnen in die Garderobe zuführen lassen will, stößt im Ensemble mehr und mehr auf Ablehnung. Seine Machtspiele mit der Regieassistentin trieb er auf die Spitze, als er vor ihren Augen eine ganze Schauspielklasse aussaugte, aber ihr selbst den ersehnten verwandelnden Biss verweigert. Er wird mehr und mehr damit konfrontiert, was ihm sehr zusetzt – letztlich will er ja auch versuchen, in “der neuen Zeit” anzukommen. Aber was bleibt vom ewigen Leben, wenn der Rausch (auf Kosten anderer) ausbleibt?

Claudia, Vampir, als Kind gebissen
Nadège Meta Kanku

Als Kind von Svetlana gebissen und in einen Vampir verwandelt worden zu sein, hat eine besondere Tragweite. Dem jungen Körper galoppiert der alternde Geist davon. Claudia ist bereits 124 Jahre alt. Alles wiederholt sich für sie: jede Vorstellung, jede Probe, jeder Biss – ein ewiger Höllenkreis. Sie war bereits viermal Nachwuchsschauspielerin des Jahres… In Berlin, beim Theatertreffen „hat sie immer gut gegessen“. Aggressiv depressiv (und Kettenraucherin) ist sie ist des untoten Lebens überdrüssig.

Kristine Van Helsing, Vampirjägerin
Katharina Bach

Die Journalistin und promovierte Vampirjägerin wittert überall Verschwörungen, Eliten, die die Welt steuern. Besonders in ihrem Visier: das Theater; sie vermutet, es sei von Vampiren ohne Spiegelbild unterwandert. Der Kern ihrer Kritik: Vampiren fehlen die Spiegelneuronen, sie sind so nicht zur Empathie fähig und als Psychopathen gefährlich für ein menschliches Zusammenleben. Oder ist sie psychopathisch? Leidet sie nicht letztlich selbst nur daran, ein Spiegelbild zu haben? Max Schreck lässt sie nicht mehr los, hypnotisiert sie. Sie geht dem lichtscheuen Ensemble nach und will endlich ein INTERVIEW MIT EINEM VAMPIR.

Walther von der Hess, Ensemblemitglied
Walter Hess

Der Herzog, der Graf, Bela Lugosi – all das sieht man in der Figur des erfahrensten Schauspielers des Theaters. Ein Vampir mit jovialem Ton, der sich für alle gut sichtbar in seinem Stein-Sarg schlafen legt. Seinen Namen schreibt er mit „th“: Walther von der Hess. Was keiner weiß und wissen darf, er kann kein Blut sehen und simuliert seit Jahren eine Existenz als Vampir. Folge: extremer Vitamin D-Mangel. Kraftlosigkeit. Wird er sich trauen, vom hohen Ross hinabzusteigen und gestehen, dass er einfach nur lebt?

Igor, Vampir und Stummfilm-Pianist
Anton Berman

Ihm sind in seiner 342-jährigen Karriere schon einige Orchester weggestorben. Er macht dennoch weiter, meistens alleine.

Dennis Dorn, Intendant der Münchner Kammerspiele
Dennis Fell-Hernandez

Er ist der neue Intendant des Theaters und hat den Regisseur mit der „Nosferatu“-Arbeit beauftragt. Er hat keine Ahnung, dass er ein von Vampiren verseuchtes Theater übernommen hat. Für die „Nosferatu“-Inszenierung erhofft er sich einen großen Erfolg und übt Druck aus. Mitunter besucht er gereizt die Proben oder jagt Ungeziefer. Meistens ist er in seinem Büro.

Kurt Erich, fluider Vampir
Michael Pietsch

Der Theatertechniker wurde bei einer wilden Party gebissen und in einen Vampir verwandelt. Er baut Puppen für die Inszenierung, eigentlich schnitzt er am liebsten für sich alleine und hört Opern. Seit 120 Jahren arbeitet er an der Gestaltung seines Sargdeckels. Er kennt Max Schreck von früher. Sie waren Freunde, sind sie es immer noch?

Drusilla, Vampir aus den Karpaten
Sofiia Melnyk

Die Zeichnerin aus der Ukraine kam schon vor langer Zeit nach München. Sie hat in der Vampir-Gemeinschaft ein Zuhause gefunden und schreibt die Chronik der Vampire.