MK:

Ein Abend mit Texten von Claude Cahun

Uraufführung
Regie: Pınar Karabulut

 Premiere: Juni 2022
 Premiere: Juni 2022

„Unter dieser Maske noch eine Maske. Es gelingt mir nicht, all diese Gesichter zu lüften.“ – Claude Cahuns (1894–1954) poetisches Spiel mit dem eigenen Ich, ihre Suche nach unbegangenem Terrain jenseits vorgeschriebener Geschlechteridentitäten frappiert in ihrer Aktualität. In ihren Texten, Fotografien und Collagen verbindet sie Motive des Surrealismus – den Spiegel, das Auge, den Blick – mit einer radikalen Infragestellung des binären Geschlechter-Systems.
Cahuns Texte erfinden in „Héroïnes“ (Heldinnen, 1925) neue Frauenbilder durch die Überschreibung antiker Mythologie und biblischer Stoffe, entfalten in „Vues et visions“ (Ansichten und Visionen, 1914/19) Bilder voller Schönheit und Erotik jenseits von Zuschreibungen, entwickeln in „Aveux non avenus“ (Ungültige Geständnisse, 1930) neue Formen poetischer Introspektion.

Während ihre fotografischen Selbstportraits und Collagen seit den 90er Jahren vermehrt Aufmerksamkeit erhalten, sind ihre experimentellen literarischen Werke heute nahezu vergessen: Für die Inszenierung von Pınar Karabulut werden ausgewählte Texte erstmals ins Deutsche übersetzt.