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φιλία – dostluk – Freundschaft in Athen, kuratiert vom Team des Habibi Kiosk
Auf nach Athen! Denn dort eröffnet der Habibi Kiosk Aman Aman: Ein transnationales Kulturprojekt, das gemeinsame Geschichten von Migration, Exil, Arbeit, Solidarität und kulturellem Schaffen nachzeichnet. Aman Aman bewegt sich zwischen Athen, Berlin, Izmir, Thessaloniki, München, Istanbul und darüber hinaus. Anstelle einer linearen historischen Erzählung verfolgt das Projekt einen polyzentrischen, langfristigen und relationalen Ansatz: Geschichten, Klänge und Bilder zirkulieren, überschneiden sich und werden über Orte und Formate hinweg reaktiviert. Von der eindringlichen Stimme Roza Eskenazis über diasporische Freundschaften und Bündnisse zwischen griechischen und türkischen Arbeiter*innen in Kreuzberg in Giorgos Karypids Film bis hin zu den post-osmanischen Klagen im „Cafe Amans“ in New York. Oder mit Blick auf München, das mit einem griechisch-anatolischen Bevölkerungsanteil von ca. 9% vielen als Welthauptstadt der griechisch-türkischen Freundschaft gilt! Denn durch die gemeinsam gelebte Arbeitsmigration, besonders seit 1961, kamen Menschen zusammen, die vom tragischen Verlauf der Geschichte getrennt wurden. Aman Aman ermöglicht kulturelle Vorstellungswelten, die ethnozentrische Erzählungen zwischen Griechenland, der Türkei und Deutschland hinterfragen.
Zum Beispiel in Form einer Gartenparty. In Athen präsentiert der Habibi Kiosk Projekte von Menschen, die diese Freundschaft in München seit Jahrzehnten leben. Im Zentrum steht eine Garten-Adaption der erfolgreichen musikalischen Lecture Performance Biz - Wir - εμείς (Münchner Kammerspiele 2023) von Tuncay Acar und Costas Gianacacos. In diesem „kommentierten griechisch-türkischen Freundschaftsspiel“ werden die traumatischen Ereignisse der Zwanziger Jahre aus unterschiedlichen Perspektiven aufgearbeitet. Denn zwischen den Wordings von der „kleinasiatischen Katastrophe“ und dem „türkischen Befreiungskrieg“ liegen Welten und Wunden. Und wo Wunden sind, da hilft Musik: Biz - Wir - εμείς hat eine eigene Band, die sich aus Musiker*innen sowohl griechischen als auch türkischen Hintergrunds zusammensetzt. Das Ergebnis ist gemeinsam gelebter musikalischer Reichtum, der zwar zum Münchner Nachtleben gehört — aber selten erzählt wird.
Aus Bremen kommt die Autorin Anna Irmgard Jäger. Deren Name lässt es sofort vermuten, aber sie kommt aus einer griechischen Familie. Und sie liest aus ihrem halbbiographischen Roman „Ganz normale Tage“ (Marta Press 2023) aus Sicht ihrer Protagonistin Erika: das Kind verrückter Eltern, das irgendwann selbst verrückt wird. Die Mama schizophren und bipolar, der Papa Alkoholiker. Zwischen Griechenland und Deutschland, Athen und Bremen, ein ständiges Hin und Her. Großwerden im Zigarettenrauch der Eltern; ein Schluck Bier zum Einschlafen, wenn „Lalelu“ nicht wirkt. Für Erika bestand ihre besorgniserregende Kindheit aus ganz normalen Tagen. Anna Irmgard Jäger glaubt, dass jede Seele ein Anliegen hat. Ihres ist das Teilen von Geschichten: Es gibt einen Weg raus aus dem Dunklen, zu einem Leben, das weiterhin lebenswert ist.
Wo Sebastian Reier alias Booty Carrell ist, wird meist in Schallplatten gebadet. Das hat mit Musik zu tun — aber sie erzählen auch Geschichten. Im Vinyltalk trifft Sebastian u.a. die Jugendfreunde Iosif Angelidis und Salih Karagöz. Sie wuchsen zusammen in Istanbul auf. Doch wurden sie Mitte der Siebziger in den Wirren des Zypernkriegs getrennt, als Iosifs griechische Familie, wie so viele andere auch, nach Griechenland zog. Später, viel später wählten beide Herzensfreunde den gleichen außergewöhnlichen Beruf: Sie wurden Schallplattenladenbesitzer, in Istanbul und Athen. Und machten ihre jeweiligen Geschäfte zur Plattform für regen Kulturaustausch.
Eine Installation der Athener Künstlerin Iria Vrettou gibt es auch, und zwar auf dem Balkon des Goethe-Institut. Hier wehen philosophische Fragmente, persönliche Träume und innere Kämpfe im Athener Abendwind.
Ebenfalls von der Partie ist unsere rasende Regisseurin Gina Penzkofer. Und Frangiskos Kakoulakis aus dem Ensemble der Kammerspiele. In seiner Brust schlagen zwei Herzen: Ein deutsches und ein griechisches. Oder ist es für ihn gar nicht so kompliziert? Im Dachgarten des Goethe Institut Athen haben wir Gelegenheit, das mit ihm zu besprechen.
Im Vorfeld der Gartenparty findet ein Online-Workshop mit der Athener Autorin und Verlegerin Anastasia Pappa statt. Dessen Ergebnisse im Garten präsentiert werden: Die sechs Partnerstädte des Aman-Aman-Projekts werden hier verbunden, durch Text, Erzählung und Erinnerung.
Abseits der großen Erzählung liegt der Reiz einer Gartenparty jedoch in ihrer Kleinteiligkeit: Von Tisch zu Tisch werden Geschichten ausgetauscht, Gräben aufgetan, Gemeinsamkeiten entdeckt, Menschen kennengelernt, Verbindungslinien gezogen. Mit etwas Glück werden wir bereichert in die Nacht entlassen.
- Moderation Anna Irmgard Jäger, Frangiskos Kakoulakis
- Sprecher Tuncay Acar, Costas Gianacacos
- Live-Musik Chrisa Lazariotou, Bora Yıldız, Soner Aksan, Ufuk Bakirdogen, Georgios Pisiotis
- Lesung Anna Irmgard Jäger
- Vinyl-Talks Sebastian Reier, Iosif Angelidis, Salih Karagöz
- Videoinstallation & Workshop Anastasia Pappa
- Visual Arts Iria Vrettou
- DJs DJ Booty Carrell, DJ Lopez
- Konzeption Gina Penzkofer, Sebastian Reier
- Live Regie Gina Penzkofer
- Künstlerische Beratung Sophie Eisenried
- Künstlerische Produktionsleitung MK Daniela Schroll
- Projektleitung Goethe Institut Marc-André Schmachtel
- Künstlerische Produktionsleitung Goethe Institut Myrto Kakara, Eleanna Papathanasiadi