Ein Foto wird aus einem Glas geholt

Foto: Kiana Rezvani

MK:

fragments of x

Kiana Rezvani. Eine Ausstellung über das Archivieren des Vergessenen

 Habibi Kiosk
 26.2. bis 13.3.2026
 Geöffnet von 16:00 – 20:00 Uhr
 Eintritt frei
 Habibi Kiosk
 26.2. bis 13.3.2026
 Geöffnet von 16:00 – 20:00 Uhr
 Eintritt frei

fragments of x

In einer Zeit, die von einem Gefühl kollektiver Ohnmacht durchzogen ist, verändert sich das Erinnern selbst. Worte greifen zu kurz, Bilder bleiben brüchig, und das Verstehen erreicht den Körper verspätet. Was bleibt, sind Fragmente — Bewegungen, Spannungen im Muskelgedächtnis, Atemrhythmen, Empfindungen, die sich der linearen Erzählung entziehen.

Die Künstler:in, Choreograf:in und Tänzer:in kiana rezvani (West-Iran/Berlin) öffnet in fragments of x ein persönliches Archiv des Vergessenen — ein bewegliches Gefüge aus Spuren, verborgenen Orten und überschriebenen Geschichten. Dieses Archiv ist kein stabiler Ort, sondern ein körperlicher Zustand: etwas, das sich verschiebt, stockt, wieder einsetzt — wie ein Atem, der innehält.

kiana entfaltet deren Praxis im Fabulieren — im tastenden Verbinden dessen, was verloren scheint, im Annähern an das, was sich nicht vollständig aussprechen lässt. Fiktion wird zu einer körperlichen Vorstellungskraft und kuratorischen Praxis, die Fragmente rhizomatisch verknüpft. Zeit legt sich übereinander wie Schichten von Bewegung; Erinnerung berührt die Gegenwart und fragt: Was entsteht im Körper, wenn Schmerz bleibt? Wie bewegt man sich weiter, wenn Orientierung fehlt?

Die Ausstellung sucht nach Fragmenten im Dazwischen — nicht als Rückkehr zu einem früheren Zustand, sondern als neue Beziehung zum Verlust. Wie verbindet man sich mit dem, was verloren scheint? Wie beginnt Leben erneut, während die Ruinen im Körper nachhallen?

Im Zentrum steht der Moment: ein flüchtiges Jetzt, das durch Wahrnehmung politisch wird. Politik erscheint als verkörperte Erfahrung — als Praxis des Bleibens im eigenen Körper:

Ein Körper, der weiteratmet.
Eine Hand, die eine andere hält.
Sonne auf warmer Haut.
Wasser, das Bewegung erinnert.

In diesen kleinen Handlungen liegt eine leise Widerständigkeit — innere Akte des Revolutionären. Sie halten Trauer, ohne den Körper erstarren zu lassen, und ermöglichen eine Rückkehr zum Leben durch Berührung, Rhythmus und Präsenz.

fragments of x entfaltet sich als Reise und zugleich als Journal: eine fortlaufende Aufzeichnung des Moments — Schritt für Schritt, Atemzug für Atemzug. Gemeinschaft ist hier keine Voraussetzung, sondern entsteht im gemeinsamen Wahrnehmen, im Synchronisieren von Blicken, Bewegungen und Pausen.

Vielleicht beginnt Veränderung genau dort:
wo Körper nebeneinander verweilen,
wo Ohnmacht geteilt wird,
wo Leben — fragil, warm und beharrlich — weiterpulsiert.