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Mein erstes Mal
von Virginia Olivia Obiakor
Ich stehe im Jahr 2023 auf einer Bühne. Niemals zuvor stand ich auf einer richtigen Bühne.
Ein weicher, lilafarbener Flausch-Teppich zieht sich über den Boden, dort, wo viele im Schneidersitz hocken. Der Raum ist gefüllt. Flüstern und Lachen vermischen sich zu einem rauschenden Einheitsbrei.
Draußen, dort, wo Prada, Gucci und Chanel wohnen, ist es kalt.
Ich freue mich.
Gleichzeitig sterbe ich
innerlich
vor Aufregung.
Weiche Knie, zittrige Hände und Angstschweiß.
Ich frage mich, warum ich mich in diese Situation gebracht habe.
Egal, jetzt wird durchgezogen.
Ich habe mich ja extra schick angezogen.
Der rauschende Einheitsbrei verstummt.
Stille füllt nun den Raum.
Liebevolle Augen sind auf mich gerichtet.
Es folgt ein Moment der
Verletzlichkeit,
der Ehrlichkeit
und ein bisschen Freiheit.
Mitten auf der Maximilianstraße.
Dort, wo die Schönen und Reichen ihre Zeit verbringen,
hab ich meine Stimme gefunden.
In einem kleinen Raum der Utopie.
Der Habibi Kiosk wird für mich in diesen Augenblicken zu meinem Lieblingsort.
Der Ort, an dem ich noch so viele weitere Abende als Gast oder als Moderatorin Veranstaltungen besuchen werde. Ab und zu wird es zu einem frechen Flirt kommen, und ich werde dort mit zukünftigen Freund*innen lachen. Es folgen Momente mit Tränen in den Augen – aus Trauer und Freude. Ein paar Mal werde ich dort sogar meine Idole treffen, und so viele weitere Male werde ich inspiriert und mit einem fetten Grinsen nach Hause fahren.
Ein Ort, an dem ich sein kann und den ich niemals missen möchte.