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Theater gestern, heute und morgen

Athena Lange ist Autorin und Schauspielerin. Athena ist im Alter von 20 Jahren ertaubt. Sie beherrscht die Deutsche Gebärdensprache fließend und identifiziert sich als bilinguale Künstlerin. In der Spielzeit 2026/27 wird Athena in „heaven will come“ zu sehen sein. Der Stücktext von Thomas Köck entsteht im künstlerischen Austausch mit Athena.

Wir haben die Schauspielerin Athena Lange gebeten, Gedanken zum Theater gestern, heute und morgen aufzuschreiben.

Was ist deine erste Erinnerung an Theater?

Athena Lange Meine erste Erinnerung an Theater kam überraschend spät, ich war 17 oder 18. Als ehemalige Leistungssportlerin hatte ich kaum Berührungspunkte mit Kunst, an meiner Schule gab es weder Theater-AGs noch ähnliche Angebote. Ein einziges Mal sind wir mit unserem Tutor ins Staatsschauspiel Dresden gegangen, zu einer offenen Probe. Ich weiß nicht mehr, welches Stück es war, aber ich weiß noch genau, was es in mir ausgelöst hat. Diese riesige Bühne, die Spielenden, die Art, wie der Regisseur gearbeitet hat und Anweisungen gab. Plötzlich hatte ich das Gefühl, in einem Paralleluniversum zu sein, das mir gleichzeitig wirklich völlig neu und trotzdem zutiefst vertraut war. Es war magisch, echt. Ich wollte schon immer Schauspielerin werden, aber in diesem Moment wusste ich: Das ist mein Ort. Hier will ich öfter sein.

Stell dir vor, du könntest einen neuen Theaterraum schaffen – wie würde er aussehen?

AL Mein Theaterraum wäre radikal zugänglich. Nicht als Zusatz, sondern als Voraussetzung. Deutsche Gebärdensprache wäre selbstverständlich auf der Bühne präsent, genauso wie Lautsprache. Ich wünsche mir mehr bilinguale Stücke, in denen Taubheit nicht permanent verhandelt werden muss, sondern einfach Teil der Realität ist. Im Moment werden Taube Schauspielende noch viel zu oft auf ihre Behinderung reduziert. Dadurch bleibt ihr künstlerisches Potenzial unsichtbar und das ist ein großer Verlust für das Theater insgesamt. Mein idealer Raum wäre einer, in dem genau das nicht passiert. Also ein Raum, der Vielfalt nicht erklärt, sondern zeigt. In dem unterschiedliche Sprachen und Körper gleichwertig nebeneinander existieren und in dem alle Zugang haben, ohne sich erst anpassen zu müssen.

Was braucht das Theater im Jetzt?

AL Ein Erwachen. Wirklich. Und die Bereitschaft zur Selbstkonfrontation. Theater trägt Verantwortung. Es repräsentiert unsere Gesellschaft, und die ist divers. Wir müssen anfangen, einander zuzuhören, uns auf Augenhöhe zu begegnen und unterschiedliche Bedarfe ernst zu nehmen. Nur so können wir Veränderung schaffen und die Zukunft gestalten. Gemeinsam.

Wie wünschst du dir das Theater in 100 Jahren?

AL Ehrlich gesagt hoffe ich, dass in 100 Jahren niemand mehr darüber spricht, wie „toll inklusiv“ ein Stück ist. Dass wir aufhören, uns für Selbstverständlichkeiten zu feiern und das Wort „inklusiv“ am besten ganz aus unserem Vokabular verschwunden ist.

Was braucht das Theater, um gut in die Zukunft zu kommen und sie zu gestalten?

AL Theater braucht den Mut, sich wirklich zu öffnen. Nicht nur thematisch, sondern strukturell. Aber diese Veränderung beginnt viel früher: in den Auswahlprozessen staatlicher Schauspielschulen. Dort muss sich dringend etwas ändern. Das ist längst überfällig. Wer überhaupt Zugang zur Ausbildung bekommt, bestimmt, wie Theater später aussieht. Und Theater muss aufhören, Menschen auf einzelne Merkmale zu reduzieren. Wenn Künstler*innen ihr volles Potenzial entfalten können, entsteht ein vielfältigeres, relevanteres Theater. Die Zukunft liegt für mich in einem Theater, das nicht für ein bestimmtes Publikum gemacht ist, sondern mit vielen unterschiedlichen Menschen gemeinsam entsteht.

Was wolltest du schon immer mal im Theater machen oder sehen?

AL Lasst mich bitte einmal ans Lichtpult – ich will unbedingt das Licht für ein richtig gutes Stück entwerfen. Qualifiziert bin ich dafür nicht. Aber sehr motiviert.