Geschichte

1912 Die Münchner Kammerspiele wurden als Privattheater gegründet und waren zunächst im Münchner Lustspielhaus in der Augustenstraße 89 untergebracht. Am 11. Oktober 1912 wurde die erste Spielzeit unter dem neuen Namen „Münchner Kammerspiele“ mit „Das Leben des Menschen“ von Leonid Andrejew eröffnet. Unter dem seit 1917 amtierenden Intendanten Otto Falckenberg erfolgte 1926 der Umzug in das Schauspielhaus in der Maximilianstraße und die Eröffnung mit einer Inszenierung von Büchners "Dantons Tod". Der von Richard Riemerschmid im Jahr 1901 errichtete Jugendstilbau mit seinen idealen Abmessungen und dem trotz der 720 Plätze intimen Zuschauerraum, machte eine große Nähe zwischen Schauspielern und Publikum möglich und ist bis heute Heimat der Münchner Kammerspiele geblieben.

1922 Von Anfang an war das Haus für die Qualität seines Ensembles berühmt. In den 20er Jahren galt es als die wichtigste Bühne außerhalb Berlins und hatte u.a. Elisabeth Bergner, Elisabeth Flickenschildt, Therese Giehse, Marianne Hoppe, Ernst Ginsberg, O. E. Hasse und Heinz Rühmann unter Vertrag. 1923/1924 arbeitete Bertolt Brecht als Dramaturg bei Falckenberg, der 1922 die Uraufführung von "Trommeln in der Nacht" inszeniert hatte. Brecht führte selbst Regie bei "Leben Eduards des Zweiten", das er mit Lion Feuchtwanger auf der Grundlage des Stücks von Christopher Marlowe bearbeitete.

1933 Die Kammerspiele wurden nach 1933 städtisches Theater; Falckenberg war von den Nationalsozialisten kurzzeitig verhaftet worden, blieb aber bis 1944 Direktor. Der Kriegsausbruch verhinderte größere Umbaupläne der Faschisten, die unter anderem die Jugendstilarchitektur beseitigen wollten. 1944 retteten Techniker und Schauspieler nach einem Brandbombenangriff das Zuschauergebäude. Das Bühnenhaus brannte aus und wurde nach Kriegsende instandgesetzt. 1946 wurde die dem Haus angegliederte Schauspielschule gegründet und nach Otto Falckenberg benannt.

1945 Die Zeit nach 1945 war geprägt von den Intendanten Erich Engel (1945-47), Hans Schweikart (1947-63), August Everding (1963-73), Hans-Reinhard Müller (1973-83) und Dieter Dorn (1983-2001). 1961 kam es zur Eröffnung des 1983 noch einmal umgebauten Werkraumtheaters als zweiter, kleinerer Spielstätte.

1971 Das Schauspielhaus wurde 1971 unter der Leitung von Reinhard Riemerschmid erstmals gründlich renoviert. Dabei wurden Teile der Publikumsbereiche unter Verwendung von Jugendstilelementen neugestaltet.

2000 Im Jahre 2000 wurde mit der Generalinstandsetzung des Hauses begonnen. Die Wiener Architekten Gustav Peichl, Walter Achatz und Stephan Schumer mußten dabei unter Wahrung des denkmalgeschützten Bestands die teilweise marode Bausubstanz gründlich überarbeiten sowie die veraltete Bühnentechnik und die Infrastruktur des Theaters erneuern.
Außerdem wurde 1997 mit dem Bau des Neuen Hauses begonnen. Dieses Gebäude, das von Peichl, Achatz und Schumer zunächst als Probengebäude konzipiert war, wird während der Generalinstandsetzung des Schauspielhauses als Interimspielstätte genutzt. Drei übereinander angeordnete Bühnen mit variabler Bestuhlung von jeweils ca. 200 bis 350 Plätzen stehen dort zur Verfügung. Die Eröffnung fand am 24. Oktober 2001 mit der Uraufführung von Herbert Achternbuschs "Daphne von Andechs" statt.
Weitere Spielorte standen den Kammerspielen bis Ende der Spielzeit 2002/2003 in der Jutierhalle, einer umgebauten Industriehalle der Münchner Stadtwerke, mit ca. 500 Plätzen und mit 99 Plätzen zur Verfügung. Eröffnet wurde die Jutierhalle am 28.Oktober 2001 mit Tom Lanoyes und Luk Percevals 12-stündigem Shakespeare-Marathon "SCHLACHTEN!".

2003 Nach der Wiedereröffnung des Schauspielhauses am 23. März 2003 mit Shakespeares "Othello" in der Inszenierung von Luk Perceval, wird das Neue Haus rückgebaut: Für das Publikum wird dort weiterhin eine Werkstattbühne zur Verfügung stehen; ansonsten werden dort künftig drei Probebühnen geschaffen. Zusätzlich ist auch der ehemalige Werkraum wieder als Spielstätte hergerichtet, der am 8. Oktober 2003 mit Christiane Pohles Inszenierung von "Da kommt noch wer" von Jon Fosse wiedereröffnet wurde.
Eine Vielzahl wichtiger Regisseure prägte den Stil des Hauses. Peter Stein sorgte noch unter Everding 1967 mit Edward Bonds "Gerettet" für ein fulminantes Debüt. Einer seiner Lehrmeister war Fritz Kortner, der während der Intendanzen Schweikarts und Everdings achtzehn Inszenierungen, darunter wegweisende und umstrittene Shakespeare- Aufführungen, realisierte. Schweikart bemühte sich, an eine literarische Tradition anzuknüpfen, die während des "Dritten Reichs" abgerissen war: Exilliteratur, die realistische Dramatik der amerikanischen Moderne, das Theater des Absurden und des Existentialismus hielten Einzug in die Spielpläne. Die Auseinandersetzung mit den Strömungen der Gegenwartsliteratur setzte sich in den 60er und 70er Jahren mit Stücken des Dokumentartheaters fort, vor allem Peter Weiss' "Ermittlung" und "Vietnam-Diskurs" kamen dabei zur Uraufführung. In der Ära Hans-Reinhard Müller setzten Dieter Dorn als Oberspielleiter und Ernst Wendt als Chefdramaturg und Regisseur die entscheidenden künstlerischen Akzente. Mit der Übernahme der Intendanz 1983 verfolgte Dieter Dorn weiterhin eine kontinuierliche Arbeit mit einem festen Ensemble, die die Auseinandersetzung mit der Gegenwart suchte. Es entstanden in dieser Zeit Theateraufführungen, die vielfach auf- und ausgezeichnet wurden und auf Gastspielreisen von Berlin bis Moskau und Tokio gingen. Neben Dorn inszenierten vor allem die Regisseure Luc Bondy, Alexander Lang, Thomas Langhoff, Hans Lietzau und Peter Zadek kontinuierlich am Haus, dessen Ensemble Schauspielerinnen und Schauspieler wie Christa Berndl, Doris Schade, Gisela Stein, Rolf Boysen, Helmut Griem, Peter Lühr und Thomas Holtzmann angehörten.
Neben den Klassikerinszenierungen bildeten auch Uraufführungen einen wesentlichen Bestandteil der Spielpläne: Bayerische Autoren wie Franz Xaver Kroetz, Herbert Achternbusch, Marieluise Fleißer oder Kerstin Specht spielten und spielen als Dramatiker für das Haus eine wichtige Rolle. Auch die Beschäftigung mit zeitgenössischen Dramatikern wie Botho Strauß, Heiner Müller, Werner Schwab und Bernard-Marie Koltès prägten das Profil der Münchner Kammerspiele als Gegenwartstheater.
Diese Linie hat auch Frank Baumbauer in seiner Intendanz von 2001 bis 2008 fortgesetzt. Er holte die wichtigsten Regisseure des zeitgenössischen Theaters an die Münchner Kammerspiele: Stephan Kimmig, Andreas Kriegenburg, Sebastian Nübling, Luk Perceval, René Pollesch, Thomas Ostermeier, Johan Simons, Lars-Ole Walburg und Jossi Wieler. Jedes Jahr sind Inszenierungen des Hauses beim Berliner Theatertreffen unter den zehn besten deutschsprachigen Inszenierungen vertreten und zu dem Festival deutscher Gegenwartsdramatik in Mülheim eingeladen. Das Ensemble der Münchner Kammerspiele umfasst etwa 30 Schauspielerinnen und Schauspielern und einige feste Gäste, die in ca. 30 verschiedenen Stücken im wechselnden Repertoire an drei verschienenen Spielorten zu sehen sind (Schauspielhaus, Werkraum, Neues Haus). Frank Baumbauer und sein Dramaturgenteam suchen sowohl in den klassischen Texten als auch in den Werken einer neuen Autorengeneration nach einer politischen Auseinandersetzung mit der Gegenwart und verstehen Theater als einen Ort gesellschaftlicher Selbstvergewisserung. Neben den zahlreichen Aufführungen finden deshalb auch regelmäßig Autorentage zur Gegenwartsdramatik, politische Themenfestivals und stadtbezogene Projekte statt.

2009 Bis zum Beginn der Intendanz von Johan Simons in der Spielzeit 2010/11 obliegt die künstlerische Leitung der Münchner Kammerspiele der Chefdramaturgin Julia Lochte, der künstlerischen Referentin Christiane Schneider und dem Geschäftsführenden Direktor Dr. Siegfried Lederer.

2011 Ab der Spielzeit 2010/11 ist Johan Simons neuer Intendant der Münchner Kammerspiele.