Luchino Visconti wurde 1906 als Sohn einer Mailänder Adelsfamilie geboren. Er ging 1936 nach Paris und begann seine Karriere als Assistent von Jean Renoir. Nach einer kurzen USA-Reise kehrte er nach Italien zurück, um 1939 erneut als Renoirs Assistent zu arbeiten. Zusammen mit Roberto Rossellini trat Visconti dem salotto von Vittorio Mussolini bei, dem Sohn von Benito Mussolini und seinerzeit nationalem Kulturzensor. Mit Gianni Puccini, Antonio Pietrangeli und Giuseppe De Santis schrieb er das Drehbuch seines ersten Films als Regisseur: Besessenheit (1943), ein Werk, das eine neue Stilrichtung, den Neorealismus, begründete, der dem italienischen Nachkriegsfilm wesentliche Impulse gab. 1948 schrieb und inszenierte er Die Erde bebt, nach dem Roman I Malavoglia von Giovanni Verga. In dem Film Der Leopard thematisiert er das Vergehen einer alten Gesellschaftsordnung und das Aufgehen „moderner Zeiten“. Der Revolte von 1968 stand er ablehnend gegenüber.
Mit der Abkehr vom Neorealismus gelang Visconti in den 1960er Jahren eine unverwechselbare Bildsprache in seinen Filmen. Bedingt durch die einmalige Mischung aus adeliger Herkunft, politisch kommunistischer Überzeugung und brillanter Gesellschaftsanalyse schuf er neben Der Leopard (1963) mit Die Verdammten (1969), Tod in Venedig (1971) und Ludwig II. (1972) Meisterwerke der Filmgeschichte. Visconti war ebenso ein gefeierter Theaterregisseur. In den Jahren 1946–1960 brachte er viele Aufführungen der Rina Morelli-Paolo Stoppa-Kompagnie auf die Bühne, bis in die 1970er Jahre war er für das Sprechttheater tätig. Bedeutend war auch seine Arbeit als Opernregisseur, die ihn u. a. an die Mailänder Scala, die Wiener Staatsoper und die Londoner Covent Garden Opera führte, wo er vor allem Opern von Giuseppe Verdi, aber auch von Wolfgang Amadeus Mozart, Giacomo Puccini oder Richard Strauss in Szene setzte. Luchino Visconti starb 1976.