Schauspielhaus, Oberes Foyer, am 09.07. ab ca. 23 Uhr , nach GESÄUBERT / GIER / 4.48 PSYCHOSE
Gewaltdarstellungen auf dem Theater und in anderen Kunstformen sind immer problematisch, weil dieses Thema mehr als alle anderen der moralischen und künstlerischen Rechtfertigung bedarf. Begleitend zu aktuellen Inszenierungen diskutieren die Münchner Kammerspiele und das LMU-Forschungszentrum Sound and Movement mit Regisseuren, Schauspieler/innen, Künstlern und Wissenschaftlern dieses Thema aus verschiedenen Perspektiven.
Gespräch I - Gewaltfreie Bühne
Kaum ein Theatertext versammelt in der dramatischen Handlung wie im szenischen Detail so zahlreiche und rüde Gewaltmomente wie die fünf Dramen von Sarah Kane. Das meiste gilt auch heute noch als uninszenierbar, wenn als Maßstab der Darstellung eine möglichst große Nähe
zur Realität gilt. In Themen und theatralen Formen stellen die Texte Forderungen, ohne Lösungen anzubieten. Wer Kane-Texte aufführt, steht immer vor diesem Dilemma. Johan Simons, Intendant der Münchner Kammerspiele, inszenierte die drei letzten Texte der so umstrittenen wie gepriesenen englischen Dramatikerin und blieb seinem Credo treu: Auf die Bühne gehört keine realistisch wirkende Gewalt, weil sie die Drastik der Wirklichkeit niemals erreichen kann und deshalb lächerlich wirken, gar langweilen muss. Die Theaterkunst muss andere Mittel der (metaphorischen) Darstellung finden, mit denen die herausfordernd kritischen und anklagenden Momente solcher Texte zur Anschauung und zu Gehör gebracht werden können.
MIT DEM REGISSEUR Johan Simons, DEM DRAMATURG Koen Tachelet, DEN DARSTELLERN Sandra Hüller und Thomas Schmauser SOWIE DEM THEATERWISSENSCHAFTLER Jürgen Schläder (Forschungszentrum SaM/LMU München) GESPRÄCHSLEITUNG Matthias Günther