SPÄTE NACHBARN

Zwei Séancen von Alvis Hermanis nach Geschichten von Isaac B. Singer, Uraufführung
Werkraum, Wiederaufnahme am 28. Januar 2012
Eine Koproduktion mit SPIELART
Eingeladen zum Stanislawskifestival Moskau 2010 und
zu den Hamburger Lessingtagen 2011

Regie: Alvis Hermanis, Bühne und Kostüme: Monika Pormale, Dramaturgie: Julia Lochte
Mit: André Jung, Barbara Nüsse

Der lettische Theatermacher Alvis Hermanis inszeniert zwei Sèancen nach Geschichten von Isaac B. Singer. "Die Romanschriftsteller haben uns niemals gesagt, dass in der Liebe, wie auf anderen Gebieten die Jungen erst Anfänger sind." Sagt Isaac B. Singer, der große jiddische Geschichtenerzähler, der 1978 den Nobelpreis für Literatur erhielt. Geboren 1904 im polnischen Radzymin und aufgewachsen in Warschau, emigrierte er 1935 von der Alten Welt in die Neue - wie viele seiner Figuren. Nicht selten sind sie seltsam verloren in Amerika, ob zu Geld gekommen oder bitterarm geblieben. Harry Bendiner hat viel Geld und seine einsamen Spaziergänge führen ihn täglich zu seiner Bank und einem Makler-Büro, wo er die Kurse der New Yorker Börse vorbei flimmern sieht. Er mag zu Hause nicht fernsehen, in seiner großen, teuren, wenn auch spärlich möblierten Eigentumswohnung im 11. Stock eines Appartmenthauses in Miami Beach. Eines Tages klingelt es an der Tür und vor ihm steht eine kleine Frau mit hochaufgetürmten Haaren, die sich als seine neue Nachbarin vorstellt. Alte Nachbarn sind Dr. Kalischer und Mrs. Kopitzki, zwei in die Jahre gekommene jüdische Einwanderer in New York. Mrs. Kopitzki bessert ihr Einkommen durch das Abhalten telepathischer Séancen auf. Von ihrem Nachbarn nimmt sie kein Geld. Er besucht sie regelmäßig. Und bekommt als eine Art Liebesdienst neben einem Abendbrot auch die Illusion einer telepathischen Wiederbegegnung mit seiner im alten Europa, in Krieg und Holocaust zurückgebliebenen Geliebten geschenkt. Bis er eines Tages eine Entdeckung macht. Von etwas, was ihm doch längst klar war.

Eine Koproduktion mit SPIELART