Der flämische Autor Tom Lanoye und der flämische Regisseur Luk Perceval haben mit ihrer Neubearbeitung der Rosenkriege von Shakespeare die Aktualität dieser historischen Königsdramen freigelegt. Sie erzählen eine konsequente Geschichte von Macht und Zerfall der Gesellschaft, die sich wie eine moderne Vision vom Ende unserer demokratischen und humanen Werte ausnimmt.
Dieses Panorama beginnt mit dem legitimen König von Gottes Gnaden, Richard Deuxième, der, von Angst vor dem Machtverlust getrieben, seinen Vetter verbannt und damit eine Reihe von Bürgerkriegen anzettelt, die mit dem unlegitimen Herrschaftsanspruch von King Dirty Rich enden: Der ist schließlich nur noch sein eigener Feind. Auf die Zerstörung der anderen folgt die absurde Zerstörung des eigenen Selbst - eine Geschichte der Dekadenz, die sich in dem zwölfstündigen Theatermarathon auch szenisch niederschlägt. Zunächst nimmt sich die Inszenierung wie ein mittelalterlich statuarisches Theater aus, das dann in die Nähe von Volkstheater rückt. Auf die Psychologie der bürgerlichen Dramatik folgen Slapstick und amerikanischer Slang, die an Tarantinos Mafiawelt erinnern und im Sprachgewirr aus Deutsch und Englisch den letzten der Könige in die eigene Einsamkeit grenzenloser Ohnmacht entlassen.