1821 ersticht der 41jährige Johann Christian Woyzeck in Leipzig aus Eifersucht seine Freundin. 1824 wird er öffentlich hingerichtet. Aus den Akten dieses Kriminalfalls destilliert Georg Büchner in den Jahren 1836/37 sein weltberühmtes Dramenfragment über den von der Gesellschaft deformierten Mörder Woyzeck. Alban Bergs Oper WOZZECK von 1921 gibt Büchners loser Szenenfolge formale Stringenz, aber Zerrissenheit und Zerfall bleiben die Themen der Wozzeck-Welt. Heiner Müller schreibt 1985 über die Möglichkeit eines Aufstandes: "WOYZECK ist die offene Wunde. Woyzeck lebt, wo der Hund begraben liegt, der Hund heißt Woyzeck. Auf seine Auferstehung warten wir mit Furcht und/oder Hoffnung, dass der Hund als Wolf wiederkehrt."
Mich interessieren immer die Momente, in denen man die einzelnen Kunstformen nicht mehr voneinander trennen kann. Wenn die Oper nach Oper aussieht, finde ich das langweilig - und wenn Sprechtheater wie Sprechtheater aussieht, gefällt mir das auch nicht. An den Grenzen der Kunstformen entstehen die schönsten Qualitäten. Barbara Wysocka