Nach und nach lernen wir alle Hundebesitzer einzeln kennen, ihre Angst, ihre Liebesbedüftigkeit, ihre tiefe Einsamkeit. Da ist der radikale Tierschützer und verfilzte Couchpotato Erik (massig: Benny Claessens), der sich von den anderen treten, schlagen und brutal ins Geschirr legen lässt. Es gibt den alternden Harald (Walter Hess), dem die Frau durchgebrannt ist, die tapfere Elvira (Annette Paulmann), die trotz vieler Annoncen nie Glück hatte mit Männer und Sofa-Ficker Dragan aus Belgrad (Thomas Schmauser), der seinen Hund schon mal auf Penner hetzt. Nicht zu vergessen das traurige Mädchen Vanessa (Katharina Maria Schubert), das so gern ein Promi wäre und die 70- jährige Witwe Franzine, die den Thailand-Reisen mit ihrem Verflossenem nachhängt- eine Frau, der man nicht unbedingt nachts im Park begegnen möchte, so abgründig mordlustig und lächelnd fies, wie der famose Kristof Van Boven sie in aller Milde spielt. Süddeutsche Zeitung
Und aus vermeintlicher Harmlosigkeit springt uns das Unheimliche, die Vergeblichkeit unseres Wesens und Trachtens an. Hermanis' genialisch einfacher Trick: Die Hundehalter werden allmählich zu Hunden - hechelnd und schnüffelnd, gewaltbereit und gewalttätig. Im bestialischen Spiegelkabinett des Alvis Hermanis herrscht wundersame, sterbenstraurige Verzweiflungskomik. Mühelos übertönt der Jubel die Buhs. Die Welt
Hermanis ist eine außerordentliche Aufführung gelungen. (...) Claessens ist Buck, Jack Londons Wolfshund, wie er gefangen wird, am Strick gezogen, gedemütigt. Wie dieser Schauspieler auf allen Vieren über die Bühne gezerrt wird, wie er stolpert, fällt, wie seine Hose rutscht und das weiße Fleisch zeigt, wie Walter Hess dazu belfert, dass man nicht weiß, ist er noch Mensch oder schon Wolf, da kommt diese Aufführung auf den Hund, die Grenzen zwischen Spiel und nackter Realität verwischen genauso wie zwischen Tier und Mensch. (...) Alle sechs Schauspieler sind als Hund und Mensch überragend, aber Kristof van Boven als ältere Witwerin mit Mops ist unglaublich. Er ist wirklich ein Hund, wenn er mit dem Bein scharrt, er ist beängstigend herrisch, wenn sie von ihrem toten Mann erzählt. Was für ein Schauspieler, was für eine Rolle! Eine richtig böse Frau, maskenhaft im Gesicht, nackt in ihrer Kompromisslosigkeit, objektiv und brutal in ihrer Viehischkeit, so gefühllos wie nur ein Mensch sein kann. Das ist hart und krass.
Hermanis sucht den Hund im Menschen, den Wolf im Hund und den Mensch im Wolf. Es gelingt. Tier und Mensch verschmelzen. Das ist keine Spielerei, mal ein bisschen auf Hund machen, ein bisschen knurren, das ist wahre Verwandlung. Überall ist Wildnis. Frankfurter Rundschau
Die unmittelbare körperliche Intensität, mit der Hermanis hier Effekte produziert, konterkariert die Passagen der Storys, die von den Figuren zum Besten gegeben werden. Eine große Szene. Das kann nur Theater. Super Paper
Irsinnig komisch, glänzend gespielt und in einer verstörenden Weise zutiefst menschlich. Ein mutiges Wagnis und ein gelungenes, das das Münchner Publikum in einem ebenso mutigen Kampf aus Buhs und Bravos lautstark begrüßt BR5 Aktuell