ERFOLGPRESSESTIMMEN

Lion Feuchtwangers Monumentalroman "Erfolg" über die Drachensaat des Nationalsozialismus in Bayern. Nicht nur dank eines Gastmahls ein kulinarisches Ereignis: Hildegard Schmahl, André Jung, Stefan Hunstein sind als Rezitatoren schwerlich zu übertreffen. Kurzum: Das Interregnum nach Frank Baumbauers Abgang ist beendet, Johan Simons in den Kammerspielen in jedem Sinn angekommen. München leuchtet wieder.
Die Welt
Der Auftakt am Samstag in Simons’ eigener Regie, flankiert von einem Vier-Gänge Menü und alamierend anschwellenden Bockgesängen, war schlichtweg großartig. Die Strategie: Auf Münchnerisch charmante und üppige, aber auch hinterfotzig bayerisch-perfide Art das Schauspielhaus in Besitz nehmen und der Stadt zeigen, wo und mit wem es langgeht. Nahezu das ganze Ensemble bevölkert die Bühne, saß in legerer Alltagskleidung mit einem Glas Bier oder Wein in Einsatzbereitschaft- und so konnte man sie, auch wenn sie gerade nicht mit Lesen dran waren, in aller Ruhe und Bewunderung betrachten: all diese wunderbaren Schauspieler, die dieses Theater versammelt, seien es altbewährte Stars und Ensemble- Stützen wie Wolfgang Pregler, Peter Brombacher, Sylvana Krappatsch, Hildegard Schmahl oder Neumitglieder wie Nico Holonics und Kristov Van Boven. Neu im Ensemble ist auch der vom Residenztheater herübergewechselte Stefan Hunstein. Er übernimmt an diesem Leseabend mit versierter Nonchalance die Rolle des fortschrittlich gesinnten Kunsthistorikers und Museumsdirektors Dr. Martin Krüger, des von reaktionären und erzkonservativen Kreisen der Prozess gemacht wird. (...) Krüger wird mit Hilfe eines Meineids zu Unrecht verurteilt werden, und wie es dazu kommt, das ist ein dieser ersten Erfolgs- Etappe eine packende, reiche, vor den Augen der Zuhörer plastische Gestalt annehmende Geschichte (Lesefassung: Koen Tachelet).
Süddeutsche Zeitung